Das Wichtigste
- Google Kronstorf verbraucht aktuell real 1,31 TWh/Jahr, bei Vollausbau bis zu 4,4 TWh;
- Bundesweite Anschlussanfragen aller Rechenzentren haben sich seit April auf über 6.000 MW mehr als verdoppelt;
- E-Control sieht moderate Preiseffekte am Energiemarkt, Netz Oberösterreich sieht keine automatische Erhöhung der Netzentgelte;
- Die Netzentgelte stiegen 2026 österreichweit im Schnitt moderat um 1,3 %, nach +23 % im Jahr davor.
Wie viel Strom die neuen Rechenzentren wirklich brauchen
Googles Rechenzentrum in Kronstorf ist derzeit das größte Einzelprojekt. Die erste Ausbaustufe ist bereits gebaut, mit 150 Megawatt Anschlussleistung. Der reale Verbrauch liegt bei rund 1,31 Terawattstunden pro Jahr. Bei vollem Ausbau auf 500 Megawatt könnte der Bedarf auf bis zu 4,4 Terawattstunden steigen. Wann und ob das kommt, ist offen.
Google ist nicht allein. Bei der Netzbetreiberin APG kommt ein zweiter US-Hyperscaler dazu, ein Betreiber von Großrechenzentren, namens Cloud HQ. Google und Cloud HQ sichern sich gemeinsam 550 Megawatt vertraglich. In Niederösterreich betreibt Microsoft seit rund einem Jahr drei Standorte: Schwechat, Vösendorf und Achau. Für den Standort Schwechat baute Wiener Netze eine eigene 110-kV-Schaltanlage, komplett kundenfinanziert. Netz Niederösterreich meldet für alle Rechenzentren-Betreiber im Bundesland zusammen rund 440 Megawatt vertraglich gesicherte Leistung. Microsoft ist einer von mehreren Kunden darin. Eine eigene Zahl nur für Microsoft gibt es nicht.
| Projekt | Anschlussleistung | Verbrauch |
|---|---|---|
| Google Kronstorf, Stufe 1 (in Betrieb) | 150 MW | 1,31 TWh/Jahr real |
| Google Kronstorf, Vollausbau (geplant) | 500 MW | bis 4,4 TWh/Jahr |
| Google + Cloud HQ zusammen (APG-Vertrag) | 550 MW | vertraglich gesichert |
| Microsoft Niederösterreich, 3 Standorte (in Betrieb) | einer von mehreren Kunden | eigene MW-Zahl nicht öffentlich |
| Alle Rechenzentren-Betreiber in NÖ zusammen (Netz Niederösterreich) | rund 440 MW | vertraglich gesichert |
| Alle Anschlussanfragen bundesweit | über 6.000 MW | angemeldet, nicht real |
| Realistisch benötigt (Branchenschätzung) | rund 500 MW | laut Austrian Data Center Association |
Quelle: energynewsmagazine.at, meinbezirk.at, ooe.ORF.at, Stand September 2026.
des gesamten österreichischen Stromverbrauchs würde allein Google in Kronstorf bei Vollausbau benötigen. Zur Einordnung: Österreich verbrauchte 2025 insgesamt rund 67 Terawattstunden (E-Control), eigene Berechnung auf Basis dieser Zahl.
Bezogen auf Oberösterreich lohnt sich ein genauerer Blick auf die Vergleichsgröße. Die kursierende Zahl "16 %" bezieht Googles Verbrauch von 1,31 TWh auf nur eine Teilmenge. Gemeint sind die rund 8 TWh, die Netz Oberösterreich jährlich an alle Kund:innen liefert. Das ist nicht der gesamte Verbrauch des Bundeslands. Am gesamten Verbrauch Oberösterreichs, 14 TWh 2024, liegt der Anteil bei rund 9 %. Beide Zahlen sind korrekt, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
Warum beim Netzanschluss gerade Goldgräberstimmung herrscht
Im April 2026 veröffentlichte die Übertragungsnetzbetreiberin APG ihren Netzentwicklungsplan bis 2035. Vorgesehen sind 9 Mrd. Euro Investitionsvolumen und über 10.000 Megawatt Anschlussanfragen von Wind- und Solarprojekten. Dazu kommen rund 2.500 Megawatt angemeldeter Bedarf von Rechenzentren. Der Plan soll rund 90.000 Jobs sichern und rund 2,8 Mrd. Euro an fiskalischen Effekten bringen.
an bundesweiten Anschlussanfragen aller Rechenzentren gab es Anfang September 2026. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch im April. Realistisch gebraucht wird laut Schätzung der Austrian Data Center Association nur rund 500 Megawatt.
Netz-Oberösterreich-Chef Michael Haselauer beschreibt die Lage als "Goldgräberstimmung" und spricht von einer regelrechten "Flut an Anfragen". Eine informelle Anfrage über ein gesamtes Gigawatt bezeichnete er als "nicht wirklich umsetzbar". Das wäre mehr als das Doppelte von Googles eigenem Vollausbau-Plan. Auch die E-Control bestätigt den Engpass wörtlich: "Derzeit gibt es mehr Anfragen für Netzanschlüsse als verfügbare Kapazität." Spürbar werden die Effekte vor allem im Winter, wenn der Stromverbrauch ohnehin am höchsten ist.
Zur Einordnung: 500 Megawatt unter durchgehender Volllast ergäben rechnerisch rund 4,4 Terawattstunden pro Jahr. Das ist zufällig fast genau so viel wie Googles eigener Vollausbau in Kronstorf allein. Das ist kein Beleg dafür, dass nur ein Projekt zählt. Die 500 Megawatt sind eine Schätzung für den gesamten Sektor. Es zeigt aber, wie groß die Lücke zwischen angemeldetem und realistischem Bedarf ist.
Netzbetreiber diskutieren deshalb eine Reform. Das bisherige Windhundprinzip "first come, first served" soll einem Prüfverfahren weichen. Das neue Verfahren würde Genehmigungen, Finanzierung und einen belastbaren Businessplan voraussetzen. In Niederösterreich gilt seit 8. Juni 2026 bereits eine neue raumordnungsrechtliche Vorprüfung. Sie soll rund 100 Anfragen auf eine überschaubare Zahl seriöser Projekte filtern. Eine bundesweite Lösung gibt es noch nicht.
Steigen dadurch die Strompreise?
Zwei Aussagen kursieren, die auf den ersten Blick widersprüchlich klingen. E-Control-Vorstand Alfons Haber sagt: "Höhere Nachfrage kann den Strompreis erhöhen." Netz-Oberösterreich-Chef Michael Haselauer sagt dagegen, gleichmäßige Großverbraucher könnten die Netzentgelte sogar stabilisieren oder senken. Beide haben recht, weil sie über zwei unterschiedliche Rechnungsposten sprechen.
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Energiepreis, E-Control
Haber bezieht sich auf den Energiepreis, der sich am europäischen Großhandelsmarkt bildet. Mehr Nachfrage, auch aus dem Ausland, kann diesen Preis moderat anheben. Österreichs enge Einbindung in den EU-Strommarkt dämpft den Effekt.
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Netzentgelt, Netz Oberösterreich
Haselauer spricht über das regulierte Netzentgelt in einem einzelnen Netzgebiet. Ein Großverbraucher mit kontinuierlicher, planbarer Nutzung verteilt die Fixkosten des Netzes auf mehr verkaufte Kilowattstunden. Das kann den Tarif je Kilowattstunde rechnerisch senken.
In unseren Beratungen ist das aktuell die häufigste Verwechslung. Netzentgelt und Energiepreis werden pauschal als "der Strompreis" behandelt, dabei bestimmen sie unterschiedliche Mechanismen. Was genau im Netzentgelt steckt, erklären wir in unserer Übersicht zu den Netzentgelten.
Ein Blick nach Irland zeigt, warum die Ausgangslage trotzdem ernst zu nehmen ist. Dort verbrauchen Rechenzentren mittlerweile 23 % des gesamten Nationalstroms (2025, amtliche Zahl des irischen Central Statistics Office). Tendenz steigend. Die Österreichische Energieagentur relativiert den Vergleich aber. Irland hat ein Inselnetz mit hoher Gasabhängigkeit. Österreich ist eng in den europäischen Strommarkt eingebunden. Strukturell unterschiedliche Ausgangslagen, die das Preisrisiko hierzulande begrenzen, aber nicht ausschließen. Zur Einordnung: Die EU-Rechenzentren verbrauchten laut Internationaler Energieagentur 2024 rund 70 Terawattstunden. Das entspricht rund 2,5 % der gesamten EU-Stromerzeugung, eigene Berechnung auf Basis dieser Zahl.
Zusätzlicher Kontext 2026Die Debatte trifft auf ein ohnehin angespanntes Erzeugungsjahr. Im Juli 2026 lag Österreichs inländische Stromerzeugung laut E-Control um 16,9 % unter dem Vorjahr. Die Laufwasserkraft brach um rund 44 % ein. Der Erzeugungskoeffizient (das Verhältnis der tatsächlichen Stromerzeugung zum langjährigen Schnitt) fiel auf den niedrigsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn 1955. Die Importe stiegen im Gegenzug um 54,4 % auf 2,58 TWh. Mehr Nachfrage durch Rechenzentren trifft damit ausgerechnet auf ein Jahr mit schwacher heimischer Erzeugung.
Zahlen Haushalte über die Netzentgelte mit?
Direkt nicht. Google finanzierte seine Trafostation in Kronstorf mit 15 bis 20 Mio. Euro selbst. Netz Oberösterreich nennt das "branchenüblich". Rechenzentren bekommen keine Subventionen und keine Sonderkonditionen. Sie zahlen für ihren Netzanschluss wie jeder andere Großkunde auch. Das ist das Gleichbehandlungsprinzip, auf das sich Netzbetreiber in der Debatte regelmäßig berufen.
Ganz sauber getrennt ist die Rechnung trotzdem nicht. Der allgemeine Netzausbau wird über die Netzentgelte finanziert, etwa der 9-Milliarden-Euro-Plan der APG bis 2035. Diese Entgelte zahlen alle Kund:innen, nicht nur Großverbraucher. Wie stark Rechenzentren-bedingte Investitionen künftig einfließen, legt jährlich die E-Control fest. Grundlage ist die Systemnutzungsentgelte-Verordnung. Bislang fällt der Effekt moderat aus. 2026 stiegen die Netzentgelte österreichweit im Schnitt um 1,3 %. Das ist deutlich weniger als die +23 % im Jahr davor. Eine ehrliche Antwort aus der Beratungspraxis: Aktuell siehst du auf deiner Rechnung noch nichts davon. Ob sich das ändert, entscheidet sich frühestens mit den Tarifen für 2027. Die hängen auch von anderen Faktoren ab, nicht nur von Rechenzentren. Mehr dazu in unserem Artikel zur Heizsaison 2026/27.
Was noch offen ist
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Umweltprüfung
Rechenzentren sind in Österreich weiterhin nicht UVP-pflichtig. Umweltorganisationen fordern eine Pflicht ab 50 Megawatt. Auch aus der oberösterreichischen Landespolitik gibt es entsprechende Forderungen. Bislang handelt es sich um politische Forderungen, kein geltendes Recht.
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Vergabeverfahren
Die Reform des Windhundprinzips ist noch offen. Ob und wann das first-come-first-served-Verfahren bundesweit durch ein Prüfverfahren mit Nachweispflichten ersetzt wird, ist unklar.
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Kühlwasser
Die behördliche Bewilligung für Kronstorf erlaubt maximal 202,78 l/s Wasserentnahme aus der Enns. Dazu kommen maximal 98,89 l/s Rückgabe bei höchstens 30 Grad. Die berechnete Erwärmung der Enns danach liegt bei rund 0,01 Grad.
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Winter 2026/27
Laut E-Control werden Effekte der zusätzlichen Nachfrage vor allem im Winter sichtbar. Ob das die Netzentgelte für 2027 spürbar beeinflusst, zeigt sich erst mit der Tarifverordnung im Dezember.
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