Das Wichtigste
- Mit 572 GWh hatte Österreich im August 2026 den stärksten August seit Beginn der Aufzeichnungen
- Im Juli lieferte die Windkraft rund 31 % mehr Strom als im 12-Jahres-Schnitt
- Der Ausbau kommt trotzdem kaum voran: 2025 wuchs die installierte Leistung nur um 6 % auf 4.221 MW
- 3.500 MW stecken in Genehmigungsverfahren, das würde die heutige Leistung fast verdoppeln
Wie stark der Sommer 2026 wirklich war
Im Juli erzeugten Österreichs Windräder rund 31 % mehr Strom als im Schnitt der vergangenen zwölf Jahre, der zweitbeste Juli in dieser Zeitspanne. Ein Grund dafür liegt auch in der Physik: Die Leistung einer Windturbine wächst nicht mit der Windgeschwindigkeit selbst, sondern mit ihrer dritten Potenz. Schon ein moderates Plus beim Wind macht dadurch ein deutlich größeres Plus beim Strom.
Im August folgte mit 572 Gigawattstunden (GWh, eine Gigawattstunde sind eine Million Kilowattstunden) der bislang höchste Wert, den ein August in der österreichischen Windkraft-Statistik je erreicht hat. Zusammen deckten Juli und August rund 14 % des heimischen Stromverbrauchs, für die Windkraft eigentlich eine eher schwache Jahreszeit.
| Zeitraum | Windstromerzeugung | Vergleich zum 12-Jahres-Schnitt |
|---|---|---|
| Juli 2026 | Rund 31 % mehr Strom als im Schnitt | Zweitbester Juli der vergangenen zwölf Jahre |
| August 2026 | 572 GWh | Höchster August-Wert seit Aufzeichnungsbeginn |
| Juli und August | Gemeinsam rund 14 % des Stromverbrauchs gedeckt | Sonst ein eher windschwacher Zeitraum |
| Jänner–August | Rund 4 % mehr als im Vorjahreszeitraum | Rund 23 % über dem 12-Jahres-Schnitt |
Quelle: IG Windkraft, Pressemeldungen vom 4. und 5. September 2026.
so viel Strom lieferte die Windkraft im Sommer 2026 wie Österreichs Gaskraftwerke zusammen. Von Jänner bis August waren es insgesamt rund 40 % mehr als der gesamte heimische Gaskraftwerkspark.
Der Tagesrekord im März, und wie die Kette begann
Das Rekordjahr begann nicht im Sommer. Schon zum Jahreswechsel lieferte die Windkraft an mehreren Tagen in Folge ungewöhnlich viel Strom, am 30. Dezember 2025 waren es 80,3 GWh an einem einzigen Tag. Am 27. März 2026 wurde dieser Wert deutlich übertroffen: 87,2 Gigawattstunden an einem Tag, der bisherige Rekord lag bei 81 GWh. Das entspricht dem Jahresverbrauch von rund 25.000 Haushalten.
Solche Rekorde im Winter überraschen wenig: Rund zwei Drittel der jährlichen Windstromerzeugung fallen laut IG Windkraft typischerweise in die Monate November bis März. Dass ausgerechnet der Sommer 2026 nun ebenfalls Rekorde bringt, ist der eigentlich bemerkenswerte Teil der Geschichte.
des österreichischen Stromverbrauchs deckte die Windkraft am 27. März an einem einzigen Tag, der bislang höchste gemessene Tagesanteil.
📉 Aber: Der Ausbau kommt nicht hinterher
So gut das Windjahr 2026 war, an der Substanz ändert das wenig. Ende 2025 standen in Österreich 1.447 Windräder mit einer installierten Leistung von 4.221 Megawatt (MW). Das war nur 6 % mehr als im Jahr davor, während die Windkraft-Leistung weltweit um 40 % zulegte. Dabei befürworten laut einer Umfrage 83 % der Österreicher:innen den Ausbau der Windenergie ausdrücklich.
Genehmigungen dauern zu lange
Zwischen dem ersten Antrag und dem fertigen Windrad vergehen in Österreich oft mehrere Jahre. Zuständigkeiten liegen bei den Bundesländern, die Verfahren unterscheiden sich stark voneinander.
Das Netz kommt nicht mit
Auch ein genehmigtes Windrad braucht eine Leitung, die den Strom abtransportiert. Fehlt der Netzausbau, verzögert das den Anschluss selbst fertiger Projekte.
Wie groß die Lücke ist, zeigt die Warteschlange: Rund 3.500 MW stecken aktuell in unterschiedlichen Stadien von Genehmigungsverfahren. Würden sie alle gebaut, würde sich die heutige Windkraft-Leistung fast verdoppeln. In Salzburg, Tirol und Vorarlberg steht bis heute kein einziges Windrad.
Seit 1. Juli 2026 gilt das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), weitere Bestimmungen folgen ab 1. Jänner 2027. Es soll Genehmigungen über ein zentrales One-Stop-Shop-Prinzip bündeln und verpflichtet jedes Bundesland zu eigenen Ausbauzielen für Wind-, Solar- und Wasserkraft. Die IG Windkraft selbst bewertet es vorsichtig, als ersten Schritt mit begrenzter Ambition. Ob die 3.500 MW in der Warteschlange dadurch schneller ans Netz gehen, zeigt sich erst an den tatsächlichen Verfahren.
Was das für deinen Stromtarif bedeutet
Mehr Windstrom heißt vor allem: mehr wetterabhängige Erzeugung im Netz. An windreichen Tagen sinkt der Preis an der Strombörse oft deutlich, gelegentlich sogar unter null. Diese Schwankungen bekommst du nur zu spüren, wenn du einen dynamischen Stromtarif hast, der den Börsenpreis Stunde für Stunde weitergibt.
Mit einem klassischen Fixtarif merkst du davon direkt nichts. Dein Anbieter kauft seinen Strom über längere Zeiträume ein, Schwankungen einzelner windreicher Tage schlagen sich höchstens verzögert und stark geglättet in künftigen Preisanpassungen nieder. Und selbst bei einem dynamischen Tarif bleibt Strom in günstigen Stunden billig, aber praktisch nie gratis: Netzentgelte, Abgaben und Steuern fallen weiter an, auch wenn der Börsenpreis unter null rutscht.
Checkliste: Passt ein dynamischer oder Ökostrom-Tarif zu dir?
- Dein Smart Meter ist eingebaut, und die viertelstündliche Auslesung ist aktiviert
- Du kannst zumindest einen Teil deines Verbrauchs zeitlich verschieben, etwa Waschmaschine, Wärmepumpe oder E-Auto
- Dir ist wichtig, woher dein Strom kommt: echter heimischer Windstrom statt zugekaufter Herkunftsnachweise aus dem Ausland
- Du willst von häufigeren günstigen Stunden profitieren, ohne den Markt selbst beobachten zu müssen
Was in den nächsten Monaten zu beobachten ist
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1. Jänner 2027
Weitere Bestimmungen des EABG treten in Kraft. Erst dann zeigt sich, ob das neue Verfahren die 3.500 MW in der Warteschlange tatsächlich beschleunigt
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Herbst und Winter 2026/27
Ob die eigentlich windstärkere Jahreszeit die Rekordkette fortsetzt, oder ob der starke Sommer bereits das Jahreshoch 2026 war
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Laufend
Wie viel von den 3.500 MW in Verfahren tatsächlich zu Baugenehmigungen wird, und ob sich an der Zahl der windradfreien Bundesländer etwas ändert
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