Die GeoSphere Austria hat für weite Teile Österreichs die orange Hitzewarnung ausgegeben, die zweithöchste von vier Stufen. Bis Freitag steigen die Temperaturen im östlichen Flachland auf 38 bis 39 Grad, stellenweise sind 40 Grad möglich. Es gibt ein deutliches Ost-West-Gefälle, das Schwergewicht liegt in Niederösterreich und im Wiener Raum.
Es ist die dritte Hitzewelle dieses Jahres. Wie belastend sie wird, entscheidet aber weniger der Tag als die Nacht. In den Niederungen stehen mehrere Tropennächte an, also Nächte, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad fällt. Wie extrem das werden kann, hat der Juni gezeigt: In der Nacht auf den 29. Juni sank die Temperatur auf der Wiener Jubiläumswarte nur noch auf 27,3 Grad, ein neuer österreichischer Rekord für die wärmste Nacht.
Nur jede zehnte Wohnung in Österreich hat ein Klimagerät
Statistik Austria erhebt alle zwei Jahre im Mikrozensus, wie viele Haushalte eine Klimaanlage installiert haben. Die aktuellen Zahlen für 2023/2024:
| Erhebung | Klimaanlagen in Haushalten |
|---|---|
| 2019/2020 | 210.102 |
| 2021/2022 | 314.572 |
| 2023/2024 | 414.538 |
Quelle: Statistik Austria, Mikrozensus Energieeinsatz der Haushalte.
der österreichischen Wohnungen haben überhaupt ein Klimagerät.
In vier Jahren hat sich die Zahl fast verdoppelt. Trotzdem bleibt sie klein: 414.538 Geräte stehen 4,14 Millionen Wohnungen mit Hauptwohnsitzangabe gegenüber. Das sind genau 10 Prozent. Neun von zehn Haushalten kommen ohne Kühltechnik durch die Hitzewelle.
Diese Einordnung ist wichtig, weil andere Zahlen im Umlauf sind. Branchenumfragen nennen 18 bis 20 Prozent. Der Unterschied ist methodisch: Solche Umfragen befragen häufig Immobilienbesitzer:innen, der Mikrozensus zählt alle Hauptwohnsitz-Wohnungen inklusive Mietwohnungen. Und in Mietwohnungen ist eine fest installierte Anlage in der Regel gar nicht ohne Zustimmung der Vermieterseite möglich. Wer in der Stadt zur Miete wohnt, gehört mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu den 90 Prozent.
Der wichtigste Hebel ist der Vormittag, nicht der Abend
Der größte Fehler an Hitzetagen passiert vor dem Mittag. Ein ungeschütztes Südfenster lässt an einem Sonnentag mehr Energie in den Raum als jeder Heizkörper im Winter abgibt. Was einmal drinnen ist, bekommst du mit Ventilator oder Klimagerät nur mit Stromeinsatz wieder heraus.
Deshalb gilt die Reihenfolge: erst beschatten, dann lüften, erst dann kühlen.
Beschattung: außen schlägt innen. Rollläden, Außenjalousien und Markisen halten die Strahlung ab, bevor sie das Glas durchquert. Innenvorhänge wirken schwächer, weil sich der Stoff selbst aufheizt und die Wärme dann in den Raum abgibt. Wenn außen nichts möglich ist, sind helle, dicht gewebte Vorhänge die zweitbeste Lösung.
Querlüften: nur wenn draußen kühler ist als drinnen. Warme Luft steigt nach oben, kühle strömt unten nach. Öffne zwei Fenster auf gegenüberliegenden Seiten oder in verschiedenen Stockwerken, dann entsteht ein Zug, der die Wohnung ohne jeden Stromverbrauch auskühlt. Der Zeitpunkt ist entscheidend, nicht die Dauer.
So sieht ein Hitzetag praktisch aus:
Ein Thermometer innen und ein Blick auf die Außentemperatur ersparen dir das Rätselraten. Wer bei 33 Grad draußen lüftet, weil es sich drinnen stickig anfühlt, heizt die Wohnung auf.
Faktencheck: drei Hitze-Hacks aus dem Internet
Jeden Sommer kursieren dieselben Tricks. Zwei davon wirken, einer nicht, und bei allen dreien lohnt es sich, die Größenordnung zu kennen.

Gefrorene Wasserflasche vor dem Ventilator
Funktioniert, aber winzig. Eineinhalb Kilogramm Eis nehmen beim Schmelzen rund 0,14 Kilowattstunden Wärme auf. Ein mobiles Klimagerät mit etwa 2,6 Kilowatt Kühlleistung schafft dieselbe Menge in gut drei Minuten. Für ein angenehmeres Gesicht am Schreibtisch reicht das. Um ein Schlafzimmer zu kühlen, fehlen mehrere Größenordnungen.

Feuchtes Handtuch vor dem Ventilator
Wirkt nach demselben Prinzip und hält länger, weil die Verdunstung der Luft Wärme entzieht. Der Preis dafür ist mehr Luftfeuchtigkeit im Raum. In einer schwülen Tropennacht kann das nach hinten losgehen, denn je feuchter die Luft, desto schlechter kühlt dich dein eigener Schweiß.

Offene Wasserschüssel im Raum
Bringt nichts. Ohne Luftbewegung verdunstet zu wenig Wasser, um die Temperatur messbar zu senken. Was bleibt, ist höhere Luftfeuchtigkeit.
Der wirksamste stromlose TrickEr steht in keiner Liste: Unterarme oder ein dünnes T-Shirt mit Wasser besprühen. Das ist dasselbe Verdunstungsprinzip, nur direkt am Körper und ohne Gerät.
Was eine Tropennacht wirklich kostet
Kühlen kostet Strom, und die Unterschiede zwischen den Geräten sind groß. Die Tabelle rechnet acht Stunden Nachtbetrieb, also eine typische Tropennacht.
| Gerät | Leistung | pro Nacht (8 h) | 20 Tropennächte |
|---|---|---|---|
| Turmventilator | 45 W | rund 9 Cent | rund 1,70 Euro |
| Standventilator | 60 W | rund 12 Cent | rund 2,30 Euro |
| Verdunstungskühler | 80 W | rund 15 Cent | rund 3,10 Euro |
| Split-Klimaanlage | 0,7 kW | rund 1,34 Euro | rund 27 Euro |
| Monoblock, mobil | 1,1 kW | rund 2,11 Euro | rund 42 Euro |
Modellrechnung Stromliste, Stand Juli 2026. Annahme: 8 Stunden Betrieb, Strompreis 24 Cent pro kWh brutto inklusive Netz, Steuern und Umsatzsteuer. Tatsächliche Kosten hängen von Tarif, Netzgebiet und Nutzung ab. Mehr dazu im Ratgeber zum Stromverbrauch von Klimaanlagen.
Der Abstand ist der Punkt: Über eine Hitzeperiode mit 20 Tropennächten kostet dich der Ventilator rund 2 Euro, das mobile Klimagerät rund 42 Euro. Das ist der Faktor 18.
Zwei ehrliche EinschränkungenEin Ventilator kühlt die Luft nicht, er bewegt sie nur. Der Effekt entsteht durch Verdunstung auf der Haut, in einem leeren Raum ist er reiner Stromverbrauch. Und ein Monoblock-Gerät mit Abluftschlauch verliert einen erheblichen Teil seiner Leistung, wenn der Schlauch durch ein gekipptes Fenster läuft: Durch den Spalt strömt warme Luft nach, während das Gerät kühlt.
Wer regelmäßig mit einem Klimagerät kühlt, hat den größten Hebel nicht beim Gerät, sondern beim Preis pro Kilowattstunde. Laut E-Control liegen zwischen dem Hauptprodukt des lokalen Anbieters und dem günstigsten Angebot derzeit rund 4 Cent pro Kilowattstunde beim reinen Energiepreis. Bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das rund 140 Euro im Jahr, noch vor Umsatzsteuer. Das ist mehr als drei Hitzesaisonen mit dem mobilen Klimagerät.
Einschätzung unserer Energieexpert:innen
Stephanie Hacker · Content Manager
Unser Rat für heiße Tage: Schau weniger auf das Gerät und mehr auf den Preis pro Kilowattstunde, zu dem es läuft. Bevor du über ein neues Klimagerät nachdenkst, prüf deinen Tarif. Die rund 4 Cent Unterschied pro Kilowattstunde bringen über einen Sommer mehr als jeder virale Hitze-Hack.
Kühlst du viel und die Rechnung wächst mit?
Wir prüfen deinen Preis pro Kilowattstunde und dein Sparpotenzial.
Mo 8–19 Uhr, Di–Fr 8–18 Uhr
Versteckte Wärmequellen abschalten kühlt und spart doppelt
Jedes eingeschaltete Gerät gibt seine Verlustleistung als Wärme in den Raum ab. Router, Fernseher, Monitor, Netzteile in der Steckdose, das Backrohr, das nach dem Kochen noch stundenlang nachheizt. In einer kleinen Wohnung summiert sich das spürbar.
An Hitzetagen wirkt Abschalten deshalb zweifach: weniger Abwärme im Raum und weniger auf der Rechnung.
- Lange Back- und Kochvorgänge in die Abendstunden verlegen, nachdem gelüftet ist
- Wäsche an der Luft trocknen statt im Trockner, der ist einer der größten Stromfresser im Haushalt und zugleich eine Wärmequelle
- Steckdosenleisten und Ladegeräte ausschalten, wenn sie nicht gebraucht werden
- Halogen- und Glühlampen tauschen, sie geben den größten Teil der Energie als Wärme ab
Wer ohnehin gerade den Verbrauch senken will, findet im Ratgeber Energie sparen die Maßnahmen, die über das ganze Jahr wirken.
Wenn du einen dynamischen Stromtarif mit Smart Meter hast, verschiebst du Waschmaschine, Geschirrspüler und das Vorkühlen des Schlafzimmers in die Mittagsstunden mit hoher Solarerzeugung. Dann ist der Strom am günstigsten und du kühlst genau dann, wenn die Sonne die Wohnung ohnehin aufheizt.
Wenn Kühlen zur Kostenfrage wird
Hitze ist nicht für alle gleich teuer. Nach Berechnungen von Statistik Austria ist jeder achte Haushalt in Österreich von Energiearmut betroffen. Für diese Haushalte ist ein Klimagerät keine Option, und selbst ein zusätzlicher Ventilator über Wochen ist ein Posten, der auffällt.
Hier gibt es eine Lücke, die selten benannt wird: Für Heizen existieren in allen Bundesländern Heizkostenzuschüsse, für Kühlen gibt es kein vergleichbares Instrument, obwohl die Hitzebelastung nachweislich steigt. Der Start der Hitzesaison hat sich laut GeoSphere Austria vom 1. Juni im Zeitraum 1961 bis 1990 auf den 29. April im Zeitraum 1991 bis 2020 vorverlegt.
- Prüfen, ob du Anspruch auf einen Sozialtarif hast, der senkt den Preis pro Kilowattstunde unabhängig von der Jahreszeit
- Den Heizkostenzuschuss deines Bundeslands kennen, er entlastet das Jahresbudget, auch wenn er das Kühlen nicht abdeckt
- Öffentliche kühle Räume nutzen: Viele Städte und Gemeinden weisen Bibliotheken, Amtsgebäude und schattige Zonen als Aufenthaltsorte an Hitzetagen aus
Was langfristig wirklich gegen Hitze hilft
Wenn deine Wohnung jeden Sommer zum Backofen wird, liegt das Problem nicht am fehlenden Klimagerät, sondern an der Gebäudehülle. Drei Maßnahmen in der Reihenfolge ihres Preis-Wirkungs-Verhältnisses:
Außenbeschattung nachrüsten
Der günstigste wirksame Eingriff. Außenjalousien oder eine Markise auf der Sonnenseite senken den Kühlbedarf deutlich, ohne dass danach ein Gerät Strom zieht. In Mietwohnungen braucht die Montage die Zustimmung der Vermieterseite, die Anfrage lohnt sich trotzdem.
Dach oder oberste Geschoßdecke dämmen
Eine ungedämmte Dachgeschoßwohnung ist im Hochsommer nicht zu retten, weil die Wärme über die Decke hereinkommt. Die Dämmung der obersten Geschoßdecke ist eine der wenigen Maßnahmen, die im Winter und im Sommer gleichzeitig wirken.
Reversible Wärmepumpe oder Split-Anlage
Sie heizt im Winter und kühlt im Sommer. Das rechnet sich vor allem dort, wo ohnehin elektrisch geheizt wird. Wichtig zu wissen: Die Split-Anlage braucht einen Wanddurchbruch, eine Außeneinheit und einen zugelassenen Kältetechniker. Die einzige genehmigungsfreie Variante ist das mobile Monoblock-Gerät, und das ist gleichzeitig die teuerste Lösung im Betrieb.
Wer eine PV-Anlage hat, ist im Sommer im Vorteil. Der Kühlbedarf steigt genau dann, wenn die Anlage am meisten produziert. Kühlen mit Eigenstrom kostet dich nur die entgangene Einspeisevergütung, nicht den vollen Bezugspreis.
Für die nächsten Tage bleibt die Reihenfolge dieselbe: ab dem Vormittag dicht halten, nach 22 Uhr quer lüften, den Ventilator nur dort laufen lassen, wo auch jemand sitzt, und die unnötigen Wärmequellen abschalten. Laut GeoSphere Austria ist keine massive Wetterumstellung in Sicht, die Hitze bleibt uns also noch eine Weile.