Care Energy – Unternehmen, Insolvenz und Bedeutung für Kunden

Logo care energyAnfang des Jahres beantragte die Care Energy Gruppe für einige der Sektoren ihrer weitverzweigten Unternehmensstruktur in Deutschland am 17. Februar Insolvenz. Unter anderem für die Care-Energy AG, Care-Energy Holding GmbH, Care-Energy Management GmbH und UPG United Power & Gas GmbH & Co.KG. Davon waren auch die verbliebenen rund 2.300 Kunden in Österreich betroffen. Hauptsächlich Privathaushalte und Kleinunternehmen bezogen Strom von Care Energy und sind jetzt in eine Situation geraten, die es in Österreich bei einem Stromanbieter bisher noch nicht gegeben hat: Ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet.

1. Was ist genau passiert?

Über das Vermögen des deutschen Energieunternehmens Care-Energy AG wurde am 16. August 2017 das Insolvenzverfahren eröffnet, nachdem laut offizieller Bekanntmachung bereits am 17. Februar 2017 ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Das damalige Ziel, "...den Geschäftsbetrieb im Energiebereich fortzusetzen...", konnte also nicht realisiert werden.

Betroffene können Ihre Erfahrungen in einer Facebook-Gruppe teilen und sich mit anderen Kunden darüber austauschen.

Die E-Control hatte mittels Presseaussendung bereits 2015 auf Beschwerden über den Stromanbieter Care Energy hingewiesen: 150 Anfragen und Beschwerden hatten die Regulierungsbehörde erreicht. Auch in Deutschland kam es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten.

2. Was bedeutet das für Sie als Kunde?

Das Wichtigste vorab: Kunden werden auch bei der Insolvenz ihres Stromlieferanten weiterhin mit Strom versorgt.

Wenn ein Stromanbieter insolvent geht, teilt die E-Control den betroffenen Kunden einen Ersatzlieferanten zu. Das geschieht ohne Zutun der Kunden, also automatisch. Für jeden der 14 Netzbereiche, wird per Losverfahren ein Ersatzlieferant bestimmt, damit alle Lieferanten die Chance haben, Kunden zugeteilt zu bekommen.

Dass Sie als Kunde zwei Lieferanten erhalten ist dabei ausgeschlossen, auch wenn Sie parallel schon einen neuen Anbieter gefunden haben. Sie als Kunde müssen Sie keine Sorgen machen – der Kundenwunsch geht vor. Sie können einen anderen Stromanbieter auswählen, als den, den die E-Control Ihnen zugewiesen hat. Der Netzbetreiber achtet darauf, dass Sie nur einen Lieferanten haben. Sollten Sie trotzdem vom durch Los zugeteilten Anbieter ein Schreiben erhalten, kontaktieren Sie diesen und klären Sie die Angelegenheit.

3. Die Ersatzlieferanten für Ihren Netzbereich

Hier sehen Sie die Liste der Ersatzlieferanten in den 14 Netzbereichen
Netzbereich Lieferant
Burgenland aWATTar GmbH
Graz Anton Kittel Mühle Plaika GmbH
Innsbruck aWATTar GmbH
Klagenfurt Mc Strom GmbH
Kärnten ENAMO Ökostrom GmbH
Linz Maingau Energie GmbH
Niederösterreich schlaustrom GmbH
Oberösterreich Top Energy Service GmbH
Salzburg SWITCH Energievertriebsgesllschaft m.b.H
Steiermark MONTANA Energie-Handel AT GmbH
Tirol Maingau Energie GmbH
Vorarlberg ENAMO Ökostrom GmbH
Wien Mc Strom GmbH

4. Was können Sie jetzt tun?

Sollten Sie mit dem neuen Stromlieferanten nicht zufrieden sind, können Sie unter Berücksichtigung der 2-wöchigen Kündigungsfrist, zu einem anderen Anbieter wechseln. Dabei ist es ratsam sich im Vorfeld ausreichend Kundenrezensionen durchzulesen und auch einen Tarifrechner zu verwenden. In den meisten Fällen reicht es aus, sich einen neuen Lieferanten zu suchen. Dieser erledigt die Kündigung für Sie.

Zählerstand ablesen

Es empfiehlt sich, den Stromzähler abzulesen, damit Sie wissen, wie hoch ihr Verbrauch zum Zeitpunkt des Anbieterwechsels ist.

Rechnungen überprüfen

Falls Sie vor dem Insolvenzantrag von Care Energy Mahnungen oder Rechnungen erhalten haben, prüfen Sie sie auf Richtigkeit. Wenn ein Fehler vorliegt, können Sie Einspruch einlegen.

Einzugsermächtigung widerrufen

Wenn es noch offene Rechnungsbeträge gibt, dann sollten Sie diese begleichen. Eine neue Bankverbindung, auf die der Betrag einzuzahlen wäre, wird Ihnen vom Isolvenzverwalter mitgeteilt.

Isolvenzverwalter ist:
Rechtsanwalt Jan H. Wilhelm
Am Markt 1
28195 Bremen
Tel: +49 421 178 765
Fax: +49 421 178 7665
E-Mail: bremen@hww.eu

5. Das Unternehmen

Die Unternehmensgruppe Care-Energy, eine Marke der mk-group Holding, wurde 2011 in Hamburg, Deutschland von dem Unternehmer Martin Kristek gegründet. Seit 2014 gingen sie als Stromanbieter in München auf den Markt. Seit November 2015 fand der Care Energy - Ökostrom auch in Österreich Eingang. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in mehr als 30 Ländern aktiv gewesen.

Normalerweise haben Sie eine Vertragsbeziehung nur zu Ihrem Stromversorger. Bei Care-Energy gibt es für Deutschland aber zwei Unternehmen. Die Care-Energy AG, mit Sitz in München, die als Stromversorger auftritt, und die Care-Energy Management GmbH, mit Sitz in Hamburg. Zweitere, mit der Kunden den Vertrag schlossen, trat lediglich als Energiedienstleister auf, und entschied, von welchem Anbieter der Strom bezogen wurde. Die weit verzweigte Firmenstruktur von Care Energy erinnert an die Unternehmensorganisation der ebenfalls insolventen Anbieter TelDaFax und Flexstrom.

Ökostrom AT: Der Tarif Care Ökostrom AT war an Haushaltskunden und Kleinunternehmen in Österreich gerichtet. Der Preis war vergleichsweise günstig: 3,60 Cent brutto für die Kilowattstunde, ohne monatliche Grundgebühr verlangt. Die Vertragsdauer erfolgte auf unbestimmt und unterlag einer vierzehntägigen Kündigungsfrist. Der Ökostrommix von Care Energy stammt aus 30% Windenergie und aus 70% Wasserkraft und führte demnach zu keinen CO2-Emissionen.

Strom-Per-Muskelkraft: Care Energy bat seinen Kunden an, ihren Strom selbst zu produzieren. Dabei konnten bis zu 1000 Watt mit eigener Muskelkraft erzeugt werden. Dieses Produkt nannte sich "Tacx" und konnte auch in Form eines Heimarbeitsplatzes genutzt werden. Dabei verzichtete Care Energy dann auf den Einkaufspreis. Es wurde die tägliche Nutzung eines Kunden vermessen und je nach kWh vergütet. Das ganze Paket - wenn nicht als Heimarbeitsplatz genutzt - wurde für 9,90 als mtl. Grundpreis angeboten wobei 24,90ct pro kWh extra erhoben wurden.

Die bereits angesprochene, recht weit verzweigte Unternehmensstruktur wurde in einem PDF vom Bund der Energieverbraucher dargestellt.

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