Unerwartet starker Rückgang des ÖSPI für Juni 2015

Überraschend stark sinkt der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) für den Monat Juni. Einen Rückgang um 1,3% errechnet die Österreichische Energieagentur (Austrian Energy Agency, AEA) im Vergleich zum Vormonat für den Leitindex für zukünftige Entwicklungen auf dem österreichischen Strommarkt. Zuletzt war der ÖSPI so stark vor zehn Monaten gesunken. Der monatelange Abwärtstrend setzt sich somit fort.


ÖSPI berechnet sich auf Basis von Termingeschäften an der Europäischen Strombörse EEX

Die Österreichische Energieagentur, das wissenschaftliche Kompetenzzentrum zu Energiefragen, legt jeden Monat den Strompreis auf Basis von Termingeschäften an der Europäischen Strombörse EEX in Leipzig fest. Da diese Stromeinkäufe bereits gezahlt wurden, aber erst in Zukunft geliefert werden, sind sie ein verlässlicher Indikator der zukünftigen Marktentwicklung. Zur Berechnung werden die Termingeschäfte für die kommenden vier Quartale des deutsch-österreichischen Stromindexes Phelix hinzugezogen. Aus dem gewichteten Durchschnittswert des Phelix für Grundlast und Spitzenlast ermittelt die Österreichische Energieagentur den ÖSPI.

Stärkster Rückgang des ÖSPI für Grundlast seit November 2013

Die derzeitige Marke von 65,63 Punkten (Basisjahr 2006=100) ist ein weiterer Minusrekord. Bereits seit Jänner 2012 fällt der ÖSPI stetig, doch waren die Rückgänge zuletzt nicht mehr so stark ausgeprägt wie in den vorherigen beiden Jahren. Im Mai war der ÖSPI nur noch um 0,4% im Vergleich zum April gefallen. Somit hatten Analysten mit einer baldigen Erholung des Preisbarometers gerechnet. Der starke Kursverfall um 1,3% kommt daher überraschend. Im Jahresvergleich blieb der Rückgang jedoch stabil: Ähnlich wie im Monat Mai ist der Index um 8,3% gefallen.

Eine besonders starker Abnahme verzeichnet die Österreichische Energieagentur für den ÖSPI für Grundlaststrom: Dieser ist im Vergleich zum Vormonat um 1,4% auf 67,93 Punkte gefallen, was den stärksten Rückgang seit November 2013 darstellt. Der Preisindex für Spitzenlast verlor hingegen nur um 1% im Monatsvergleich und notiert für den Monat Juni bei 60,72 Basispunkten. Im Jahresvergleich ist der ÖSPI-Spitzenlast um 9,6% gesunken.

Kursverlauf des Österreichischen Strompreisindexes (ÖSPI) für den Zeitraum Jänner 2008 - Juni 2015 nach Berechnungen der Österreichischen Energieagentur (Austrian Energy Agency, AEA). Ziehen Sie einfach Ihre Maus über die Kurve und Sie erfahren den genauen monatlichen Strompreisindex. Weitere Informationen zur Entwicklung der Grund- und Spitzenlastindizes finden Sie auf der Webseite der AEA.

Überkapazitäten auf dem Strommarkt führen zum anhaltenden Rückgang der ÖSPI

Die Gründe für den anhaltenden Abwärtstrend sieht die Österreichische Energieagentur im Ausbau der regenerativen Energien, der zurzeit zu einem Angebotsüberhang auf dem österreichischen Strommarkt führt. Insbesondere neue Photovoltaik- und Biogas-Anlagen werden als Hauptgrund der derzeitigen Überkapazitäten angeführt. Zudem scheinen die Bemühungen der Bundesregierung und der Europäischen Kommission, zur Senkung des nationalen Energieverbrauchs durch energieeffiziente Maßnahmen zu greifen. Das Bundeswirtschaftsministerium (bmwfw) sieht demnach im neuen Energiestatus-Bericht für 2015 eine leichte Entkopplung des Energieverbrauches vom österreichischen Wirtschaftswachstum. Letztlich wirkt sich der niedrige Ölpreis auf den österreichischen Strommarkt aus. Da dieser weiterhin maßgebend für den Kohle- und Erdgasmarkt ist und der Phelix gemeinsam für die Marktgebiete Deutschland und Österreich berechnet wird, beeinflusst seine anhaltende Rückwärtsbewegung auch die Strommarktpreise in der Alpenrepublik.

Inwieweit sich die Senkung des ÖSPI auf die Verbraucherpreise auswirken wird, bleibt zunächst unklar. Die europäische Statistikbehörde Eurostat zeigte in ihren aktuellen Studien, dass die Strompreise in Österreich für das Jahr 2014 nach einer Periode starker Preisanstiege erstmals gesunken sind. Jedoch benennt sie hierfür die einsetzenden Liberalisierungseffekte auf dem Strommarkt als Gründe. Schließlich sind insbesondere in den vergangenen drei Jahren neue Anbieter hingekommen. Zudem setzt sich der Strompreis nur zu gut 37% aus dem Energiepreis zusammen. Steigerung bei den Netz- und Messentgelten oder Steuererhöhungen könnten zudem den Strompreis wieder in die Höhe treiben.

Wenn Sie direkt von Kursrückgängen des ÖSPI profitieren möchten, können Sie bei zahlreichen Stromanbietern auch einen indexgebundenen Stromtarif wählen. Dieser wird in Monats- oder Quartalabständen an dem Kursverlauf des ÖSPI angepasst. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ob der durchschnittliche Verbraucherpreis auch in diesem Jahr sinken wird, bleibt weiterhin unklar. Dennoch haben schon zum 01. April 2015 Anbieter wie Energie Steiermark und Energie Graz ihre Strompreise um rund zehn Prozent herabgesetzt.

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