Welche Kategorie ist dein Betrieb?
In Österreich gibt es beim Firmenstrom eine klare Grenze: 100.000 kWh Jahresverbrauch. Zur Einordnung: Ein Büro mit einer Handvoll Arbeitsplätzen, ein Friseursalon oder ein kleines Geschäft liegt weit darunter. Bleibst du unter der Grenze, giltst du als SLP-Kunde (Standardlastprofil, dein Verbrauch wird wie bei einem Haushalt einmal im Jahr abgelesen). Du bekommst fertige Tarife mit festen Preisen und kannst so einfach wechseln wie zu Hause. Liegst du darüber, wirst du RLM-Kunde (registrierende Leistungsmessung, dein Zähler meldet den Verbrauch alle 15 Minuten). Dann gibt es keine Preislisten mehr, dein Vertrag wird individuell verhandelt.
In unseren Beratungen sehen wir oft Betriebe, die knapp über der Grenze liegen und trotzdem nach den einfachen Standardtarifen einkaufen. Das kostet Geld: Ihre kurzen Verbrauchsspitzen, etwa wenn morgens alle Maschinen gleichzeitig anlaufen, werden im Standardprofil pauschal mitbezahlt, statt separat und oft günstiger abgerechnet zu werden. Die erste Frage ist deshalb immer: Weißt du, in welcher Kategorie dein Betrieb abgerechnet wird? Es steht auf deiner Stromrechnung.
Gewerbekunde
SLP · bis 100.000 kWh
- Typisch: Büro, Handel, Gastro, Friseur, kleine Werkstatt
- Fertige Tarife mit Listenpreisen, Wechsel wie im Haushalt
- Kündigungsfrist nur 2 Wochen, gesetzlich geregelt
Industriekunde
RLM · über 100.000 kWh
- Typisch: Produktion, Maschinenpark, große Kühlanlagen
- Zähler meldet Verbrauch alle 15 Minuten, Preis individuell verhandelt
- Keine Listenpreise, ruf uns für ein Angebot an
Die zwei Kategorien im Detail
| Kriterium | SLP (Standardlastprofil) | RLM (Leistungsmessung) |
|---|---|---|
| Verbrauchsgrenze | bis 100.000 kWh / Jahr | über 100.000 kWh / Jahr |
| Messung | Jahresverbrauch, hochgerechnet auf typisches Profil | Viertelstunden-Werte direkt vom Zähler |
| Preisbildung | Arbeitspreis + ev. Grundgebühr | Arbeitspreis + Leistungspreis (Aufschlag für deine höchste Spitze) + Blindarbeit (Strom, der im Netz pendelt, ohne Arbeit zu leisten) |
| Vertragsstruktur | Standardprodukte, oft online abschließbar | individuelle Verhandlung mit dem Lieferanten |
| Wechselprozess | 2 Wochen Kündigungsfrist, gesetzlich garantiert | Vertragsabhängig, oft Jahresscheiben |
Welche Netzebene betrifft dein Unternehmen?
Die Netzebene bestimmt, welche Netznutzungsentgelte auf deiner Rechnung landen, und die machen bei vielen Gewerbe- und Industriekunden den größten regulierten Block aus. Höhere Netzebene bedeutet niedrigere Netzentgelte pro kWh, dafür höhere Anschlusskosten.
- NE 7 (Niederspannung), kleines Gewerbe, Einzelhandel, Büro
- NE 6 / 5 (Trafo bzw. Mittelspannung), Mittelstand, größere Gewerbeobjekte
- NE 4 / 3 (Trafo bzw. Hochspannung), klassische Industrie
- NE 1 / 2 (Höchstspannung), Großindustrie mit eigener Trafostation
Die genauen Tarifsätze legt der jeweilige Verteilernetzbetreiber fest und veröffentlicht sie jährlich. Auf der Rechnung steht die Netzebene direkt drauf, wenn nicht, fragst du beim Netzbetreiber nach.
Aktuelle Gewerbetarife für Standardlastprofil-Kunden
Die folgenden Tarife gelten für Betriebe unter 100.000 kWh Jahresverbrauch, also für die allermeisten Geschäfte, Büros und kleinen Werkstätten. Alle Preise sind Netto-Listenpreise, du kannst sie direkt vergleichen und am Telefon abschließen. Bist du RLM-Kunde, ruf uns direkt an, für dich gibt es keine Listenpreise.
Alle Preise netto (exkl. USt.). Arbeitspreis in Cent pro kWh, im Standardlastprofil-Bereich verbrauchsunabhängig. Bei variablen und dynamischen Tarifen ist der ausgewiesene Arbeitspreis ein aktueller Modellwert, der reale Preis folgt dem Index bzw. der Börse. Stand 14. August 2026. Quelle: Tarif-Datenbank Stromliste.
Diese 15 Anbieter haben Gewerbetarife im Angebot
Alle Versorger, die laut unserer Tarif-Datenbank aktuell einen Gewerbetarif für Standardlastprofil-Kunden führen. Für dein Netzgebiet ist die Auswahl je nach Region unterschiedlich groß.
So setzt sich der Industrie-Strompreis zusammen
Auf der Rechnung eines Industrie- oder Gewerbekunden tauchen die gleichen drei Blöcke auf wie bei Haushalten, nur in deutlich anderen Größenordnungen und mit anderer Verhandlungsmacht.
Block 1 · verhandelbar
Energiepreis
Frei mit dem Lieferanten verhandelt. Der einzige Hebel, an dem du direkt schrauben kannst, und der einzige, der zwischen zwei Angeboten wirklich vergleichbar ist.
Block 2 · reguliert
Netzentgelt
Reguliert über die E-Control, abhängig von Netzebene und Bundesland. Nicht verhandelbar, aber je nach Standort und Netzebene mit großen Unterschieden.
Block 3 · reguliert
Steuern & Abgaben
Elektrizitätsabgabe, KWK- und Ökostrompauschale, USt. Reguliert, aber für Produktionsbetriebe teils über die EAV rückerstattbar, siehe Abschnitt unten.
Konkrete Cent-pro-kWh-Bandbreiten machen wir auf dieser Seite bewusst nicht auf: Industriestrompreise schwanken nach Jahresverbrauch, Lastgang, Vertragslaufzeit und Marktphase teils um den Faktor zwei zwischen zwei vergleichbaren Betrieben. Die aktuellen Marktrahmen veröffentlicht die E-Control im jährlichen Monitoring-Report; die Entwicklung der letzten Jahre findest du auf unserer Seite zur Strompreisentwicklung.
Was Berater:innen häufig in Erinnerung rufen: Eine Strompreis-Verhandlung ist nicht nur ein Cent-pro-kWh-Spiel. Leistungspreis (€/kW), Blindarbeitsabrechnung und vor allem die Indexierungsklausel (an welchen Marktindex koppelt der Vertrag, ab wann darf der Lieferant anpassen?) entscheiden über die Rechnung im zweiten und dritten Jahr eines Vertrags. Wer nur den Arbeitspreis vergleicht, vergleicht das falsche Drittel.
Gewerbestrom richtig einkaufen, wir sortieren das Gespräch vor
SLP-Gewerbe vergleichen wir direkt am Telefon, größere Industriekunden leiten wir an Selectra Business weiter.
- Kostenlose Erstberatung
- Marktüberblick statt Einzelangebot
- Unverbindlich
Wie Industriebetriebe Strom tatsächlich einkaufen
Für RLM-Kunden ist die Standard-Frage "welcher Tarif?" die falsche Frage. Der eigentliche Hebel ist das Beschaffungsmodell, wie und wann du den Energiepreis fixierst. Vier Werkzeuge sind heute Standard, mit klar unterschiedlichen Risikoprofilen.
Festpreis-Kontrakt
Der gesamte Jahresbedarf wird zu einem Stichtag fix eingekauft. Volle Planbarkeit, aber du trägst das Stichtags-Risiko, kaufst du zufällig im Hoch, zahlst du ein Jahr lang zu viel. Sinnvoll für kleine Volumina oder wenn Sicherheit klar vor Preis geht.
Tranchenkauf
Der Jahresbedarf wird in vier bis acht Tranchen über das Jahr verteilt gekauft. Das glättet das Stichtags-Risiko, ohne in volle Marktindexierung zu gehen. Aus unserer Beratung das pragmatischste Modell für die Mittelstand-Industrie.
Indexierter Vertrag
Der Preis koppelt sich monatlich oder quartalsweise an einen Marktindex (EEX, EPEX). Du folgst dem Markt nach unten und nach oben. Sinnvoll nur, wenn dein Produkt selbst mit dem Energiemarkt korreliert und du Schwankungen über den Verkaufspreis weitergeben kannst.
Power Purchase Agreement
Langfristiger Direktvertrag mit einem Erzeuger (Wind, PV, Wasserkraft), typisch 5 bis 15 Jahre. Planungssicherheit plus grüner Herkunftsnachweis. Zwei Fallstricke:
- Profilrisiko: die Anlage erzeugt nicht synchron zu deinem Verbrauch, wer trägt die Differenz?
- Indexierungsklausel: fällt der Markt stark, bist du zum hohen Preis 10 Jahre gebunden.
Berater-Hinweis: Wer ernsthaft über ein PPA nachdenkt, lässt die Vertragsentwürfe von einer spezialisierten Energiekanzlei oder dem eigenen Risiko-Management gegenrechnen, nicht vom Lieferanten allein.
Energieabgabenvergütung, wer was zurückbekommt
Die Energieabgabenvergütung (EAV) ist eine der wichtigsten und am häufigsten übersehenen Stellschrauben für produzierende Unternehmen in Österreich. Seit der Reform 2011 steht sie nur noch Produktionsbetrieben offen, Dienstleister, Handel, Banken und ähnliche Branchen sind ausgeschlossen.
Wie funktioniert die EAV?
Du bekommst die gezahlten Energieabgaben (Elektrizitätsabgabe, Erdgasabgabe, Kohleabgabe, Mineralölsteuer für Heizöl) rückerstattet, soweit sie einen bestimmten Anteil deines Nettoproduktionswerts überschreiten. Vereinfacht: Wer energieintensiv produziert, zahlt nur einen relativen Anteil seiner Wertschöpfung an Energiesteuer.
Antrag und Frist
Der Antrag läuft über das Formular ENAV 1 beim zuständigen Finanzamt, einzureichen spätestens 5 Jahre rückwirkend nach Ablauf des Kalenderjahres. Wer in den letzten Jahren als Produktionsbetrieb nicht eingereicht hat, sollte das jetzt prüfen, vier oder fünf Jahre nachgeholte Rückerstattung sind in der Industrie schnell ein fünfstelliger Betrag.
Weitere relevante Förderschienen
- Umweltförderung im Inland (UFI), Investitionszuschüsse für Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung, Prozessoptimierung
- klimaaktiv-Initiative, Förderprogramme des Klimaschutzministeriums für energieeffiziente Anlagen
- Investitionsprämie / Investitionsfreibetrag, steuerliche Begünstigungen für ökologische Investitionen
- Strompreiskompensation, für besonders energieintensive Industrien im EU-ETS-Bereich (z.B. Stahl, Aluminium, Chemie)