Was ist der Sozialtarif?
Anders als die Strompreisbremse 2022–2024 ist der Sozialtarif kein Zuschuss auf die Rechnung, er ist eine gesetzlich verankerte Preisregelung im laufenden Stromvertrag. Geregelt ist er im neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG, BGBl I Nr. 91/2025), umgangssprachlich „Günstiger-Strom-Gesetz" genannt. Aktiviert wird er automatisch über die ORF-Beitragsbefreiung, ohne eigenen Antrag beim Stromanbieter, und die Regelung gilt befristet bis 31. März 2036.
Habe ich Anspruch auf den Sozialtarif? Der 4-Fragen-Check
Beantworte vier Fragen, wir spielen dir die Einschätzung aus, die wir auch am Telefon geben würden. Der Weg zum Sozialtarif führt dabei immer über die ORF-Beitrags Service GmbH, die Stelle, die die ORF-Beitragsbefreiung verwaltet. Über sie wird der Sozialtarif automatisch aktiviert, ohne Antrag beim Stromanbieter., keine deiner Eingaben wird gespeichert. Ergibt der Check einen Anspruch, zeigen wir dir weiter unten, wie du den Antrag stellst.
Die fünf Voraussetzungen im Detail
Der Anspruch hängt an deiner persönlichen Situation, nicht am Stromvertrag allein. Fünf Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Fehlt auch nur eine, greift der Sozialtarif nicht:
Volljährig & Hauptwohnsitz Österreich
Du musst mindestens 18 Jahre alt sein und deinen Hauptwohnsitz am Stromlieferort gemeldet haben. Der Anspruch ist an die Zählpunkt-Adresse gekoppelt, nicht an deinen Namen allein.
Gültige ORF-Beitragsbefreiung
Ein aktiver Bescheid der OBS (ORF-Beitrags Service GmbH) über die Befreiung vom ORF-Beitrag. Die Türöffner-Voraussetzung für den gesamten Sozialtarif-Mechanismus.
Bezug einer anerkannten Sozialleistung
Ausgleichszulage zur Pension, Sozialhilfe/Mindestsicherung, Pflegegeld oder AMS-Leistungen nach AMSG/AlVG (Arbeitslosengeld, Notstandshilfe). Befreiung allein reicht nicht, es braucht beides.
Einkommensgrenze eingehalten
Die Grenzen entsprechen der ORF-Befreiungsschwelle (Stand 1.1.2026): alleinstehend bis 1.465,40 €/Monat, 2-Personen-Haushalt bis 2.311,81 €, pro weiterer Person +226,11 €. Gemeint ist das gesamte Haushaltseinkommen nach Abzug einer pauschalen Wohnkosten-Anrechnung (seit 2026: 500 € pro Monat), deshalb kommen auch Haushalte durch, die auf den ersten Blick drüber liegen.
Aufrechter Stromvertrag bei einem Anbieter
Der Sozialtarif greift nur in einem laufenden Stromvertrag, er ist keine eigenständige Lieferung, sondern eine gesetzliche Preisregelung im bestehenden Vertrag. Welcher Anbieter und welcher Tarif: egal, der Sozialtarif gilt bei allen Lieferanten österreichweit gleich.
Zusatzpauschale für größere Haushalte: Ab der 4. hauptwohnsitzgemeldeten Person kommen pro weiterer Person 52,50 € netto pro Jahr dazu, und zwar als Gutschrift. Der Betrag wird auf der Jahresabrechnung in Abzug gebracht, entlastet dich also zusätzlich zum Stufenpreis.
Neu seit 2026, mehr Haushalte kommen durch
Bei der Prüfung der ORF-Befreiung wird seit Anfang 2026 eine Wohnkostenpauschale von 500 € pro Monat vom Nettoeinkommen abgezogen, statt bisher 140 €. Das klingt technisch, ist aber entscheidend: Wer vor ein, zwei Jahren knapp über der Grenze lag und abgelehnt wurde, kann jetzt durchaus anspruchsberechtigt sein. Wenn dich das betrifft, lohnt sich eine neue Prüfung auf orf-beitrag.at, und mit der ORF-Befreiung greift dann automatisch auch der Sozialtarif.
Wer NICHT anspruchsberechtigt ist, auch wenn es knapp wirkt
Studierende sind explizit ausgenommen, auch mit Studienbeihilfe, der Gesetzgeber hat das ausdrücklich geregelt. Wer knapp über der Einkommensgrenze liegt, fällt ebenfalls heraus; eine Härtefall-Klausel gibt es im ElWG nicht. Für diese Fälle bleiben die Schutzbestimmungen bei Zahlungsschwierigkeiten und Härtefall-Programme der Landesversorger relevant.
Wie du den Antrag stellst, der Weg über die OBS
Der Sozialtarif wird vollautomatisch über die OBS (ORF-Beitrags Service GmbH) aktiviert, kein separater Antrag beim Stromanbieter, kein Tarifwechsel, kein Vertrag. Welcher Weg für dich gilt, hängt davon ab, ob du heute schon ORF-befreit bist und ob die OBS deine Zählpunktnummer kennt. Drei Fälle decken alles ab.
Bereits ORF-befreit · Daten bei OBS vollständig
Du musst nichts tun. Der Sozialtarif erscheint seit 1. April 2026 automatisch als separate Position auf deiner Stromrechnung. Wirkt ab dem Monatsersten, der auf die OBS-Meldung an den Lieferanten folgt.
Check: auf der nächsten Jahres- oder Monatsabrechnung nach „Sozialtarif" oder „gestützter Strompreis" suchen.
Bereits ORF-befreit · Zählpunktnummer fehlt
Zählpunktnummer (33-stellig, beginnt mit „AT") bei der OBS nachreichen. Du findest sie auf jeder Stromrechnung, im Stromvertrag oder im Kundenportal deines Anbieters, nicht am Zähler selbst. Per Formular oder online über orf-beitrag.at übermitteln.
Aktivierung: ab Folgemonat der OBS-Meldung an den Lieferanten.
Noch nicht ORF-befreit
Erst Antrag auf ORF-Beitragsbefreiung bei der OBS stellen, online oder per Formular. Vorab den Befreiungsrechner auf orf-beitrag.at nutzen, um den Anspruch zu prüfen. Bei positivem Bescheid läuft der Sozialtarif automatisch mit.
Erforderlich: Einkommensnachweis, Bescheid über Sozialleistung, Meldebestätigung, Zählpunktnummer.
Keine Rückwirkung: Der Sozialtarif greift erst ab dem Monatsersten, der auf die OBS-Information folgt. Wer im Januar 2026 anspruchsberechtigt war, aber erst im August die ORF-Befreiung beantragt, bekommt sieben Monate Entlastung nicht zurück. Das ist im ElWG so geregelt, Härtefall-Klauseln zur Rückwirkung gibt es nicht. Daher: sobald die Voraussetzungen vorliegen, ORF-Befreiung beantragen.
Was Anrufer:innen in unserer Beratung am häufigsten falsch verstehen
In unserer Beratung läuft die Frage seit April 2026 fast immer gleich: „Wo melde ich den 6-Cent-Strom an?" oder „Können Sie mich auf den Sozialtarif umstellen?" Beides ist verständlich, weil so über das Thema berichtet wurde, beides geht aber am Mechanismus vorbei.
Der Sozialtarif ist kein eigener Tarif, den du bei einem Anbieter bestellst. Er ist eine gesetzliche Preisregelung, die automatisch in deinem bestehenden Stromvertrag wirkt, sobald die ORF-Beitragsbefreiung steht und deine Zählpunktnummer bei der OBS hinterlegt ist.
Daraus folgen drei praktische Punkte, die wir am Telefon immer wieder klarstellen müssen:
- ✓ Du brauchst keinen Antrag beim Stromanbieter und keinen Tarifwechsel, der bestehende Vertrag bleibt, der Energiepreis wird nur per Gesetz gedeckelt.
- ✓ Die einzige aktive Stelle ist die OBS: ORF-Befreiung beantragen oder die Zählpunktnummer (33-stellig, beginnt mit „AT") dort nachreichen.
- ✓ Wer nach drei Monaten ORF-Befreiung den Sozialtarif noch nicht auf der Rechnung sieht, ruft am besten direkt beim Stromanbieter an, der Vertrag und damit die korrekte Verrechnung liegen dort.
Sozialtarif gilt für dich, und läuft dein Anbieter mit?
Wir prüfen mit dir am Telefon, ob deine ORF-Befreiung und Zählpunktnummer bei der OBS sauber hinterlegt sind, und ob auf deiner letzten Stromrechnung der Sozialtarif korrekt ausgewiesen ist. Wenn nicht, wir kennen die Schritte, um es zu korrigieren.
- Kein Verkaufsgespräch
- Diskret und respektvoll
- In 5 Minuten am Telefon
Wie viel kostet Strom mit dem Sozialtarif?
Mechanisch arbeitet der Sozialtarif mit zwei Preisstufen: bis 2.900 kWh zahlst du fixe 6 Cent netto pro Kilowattstunde, also den reinen Strompreis ohne Steuern und Netzkosten. Für alles darüber gilt ein Deckel, den E-Control jedes Quartal neu festlegt. Die 6 Cent gelten bis Ende 2026. Danach werden sie jedes Jahr leicht angehoben, so wie auch die Pensionen angepasst werden.
| Verbrauchs-Stufe | Energiepreis netto | Mechanismus |
|---|---|---|
| 0 bis 2.900 kWh/Jahr |
6,00 ct/kWh
|
Gesetzlich geregelt · unterer Referenzwert, ab 2027 jährlich angepasst |
| Über 2.900 kWh/Jahr |
10,18 ct/kWh
Q3 2026
|
Quartalsweise neu · oberer Referenzwert E-Control |
| Zum Vergleich: ohne Sozialtarif |
9,9 – 11,4 ct/kWh
|
Aktueller Marktpreis-Range Q3 2026 (Landesversorger) |
Wichtig zu verstehen: gedeckelt wird ausschließlich der Energiepreis. Der Rest deiner Stromrechnung, Netznutzung, Netzverlust, Messentgelt, Elektrizitätsabgabe, USt, läuft normal weiter. Da der Energiepreis nur rund 30 bis 40 % der Gesamtrechnung ausmacht, wirkt der Sozialtarif zwar spürbar, aber nicht so massiv, wie der schlagzeilenwirksame 6-Cent-Wert vermuten lässt.
Ausnahme bei Nachtstrom, das Lastprofil zählt. Die 2.900 kWh zum 6-Cent-Preis bekommst du nur, wenn dein Zähler ein Standard-Lastprofil hat (in der Netzsprache H0, HA, HF, L0, L1 oder L2). Ein Lastprofil beschreibt, wie sich dein Verbrauch übers Jahr verteilt, es steht auf deinem Netzvertrag. Hast du einen Nachtstrom- oder Nachtspeicherzähler (Lastprofil U), gilt das 2.900-kWh-Kontingent nicht. Dann kommt für deinen gesamten Verbrauch der obere Referenzwert zur Anwendung. Das betrifft vor allem ältere Wohnungen mit Nachtspeicherheizung, also oft genau die Haushalte, für die der Sozialtarif gedacht ist. Bist du unsicher, welches Lastprofil du hast, steht es auf deiner Jahresabrechnung oder du fragst kurz beim Netzbetreiber nach.
Aus der Beratung
Die Sache, die in unseren Beratungen seit April 2026 am häufigsten für Verwirrung sorgt: Viele rufen an und glauben, der Sozialtarif gilt für die gesamte Stromrechnung, also auch Netz, Steuern und Abgaben. Tatsächlich ist nur der Energieanteil gedeckelt, der Rest läuft normal weiter. Das ist nicht wenig, aber es ist nicht der ganze Strom für 6 ct.
Wer trotzdem den vollen Hebel will, kombiniert: Sozialtarif (Energiepreis), Befreiung vom Erneuerbaren-Förderbeitrag (kommt mit der ORF-Befreiung automatisch mit) und der Heizkostenzuschuss des Bundeslands (eigener Antrag). Drei verschiedene Töpfe, die zusammen die Stromrechnung wirklich spürbar drücken.
Wie viel der Sozialtarif wirklich spart
Zwei typische Haushalts-Größen. Beispiel 1 rechnet mit einem angenommenen Marktpreis von 10 ct/kWh netto, Beispiel 2 mit dem aktuell günstigsten Tarif live aus unserer Datenbank. Netz, Steuern und Abgaben bleiben unverändert, sie werden vom Sozialtarif nicht berührt.
Eine Sache, die Kund:innen am Telefon regelmäßig überrascht: Wer mehr als 2.900 kWh verbraucht, fällt nicht aus dem Sozialtarif raus, für den Rest greift ein zweiter Deckel (Q3 2026: 10,18 ct/kWh netto). Der liegt gerade fast auf Marktniveau, der echte Hebel des Sozialtarifs sind also die ersten 2.900 kWh.
Beispiel 1 · Single-Haushalt
1.800 kWh Jahresverbrauch
| Energiepreis ohne Sozialtarif (1.800 × 10 ct) | 180,00 € |
| Energiepreis mit Sozialtarif (1.800 × 6 ct) | 108,00 € |
| Ersparnis pro Jahr (Energiekomponente) | 72,00 € |
Rund 6 € pro Monat. Netz, Steuern und Abgaben bleiben gleich.
Beispiel 2 · 4-Personen-Familie · Stufenmechanik + Zusatzpauschale
Stand 9. September 2026
4.200 kWh Jahresverbrauch · 4. Person löst Pauschale aus
Tarif-Anker: Verbund V-Strom SPOT · Arbeitspreis netto 10,60 ct/kWh, live aus unserer Tarif-Datenbank
| Energiepreis ohne Sozialtarif (4.200 × 10,60 ct) | 445,20 € |
| Erste Stufe: 2.900 × 6 ct | 174,00 € |
| Zweite Stufe: 1.300 × 10,18 ct (niedrigerer Wert aus deinem Arbeitspreis und dem oberen Referenzwert Q3 2026: 10,18 ct laut E-Control) | 132,34 € |
| Zusatzpauschale 4. Person (52,50 €/Jahr · entlastet zusätzlich) | −52,50 € |
| Effektive Energiekosten nach Sozialtarif | 253,84 € |
| Ersparnis pro Jahr (Energiekomponente) | 191,36 € |
Rund 16 € pro Monat. Bei 5 Personen würde sich die Pauschale auf 105 €/Jahr verdoppeln. Wenn sich der günstigste Tarif in unserem Vergleich ändert, aktualisiert sich diese Rechnung automatisch (max. 1 h Verzögerung).
Selbst durchrechnen, wie viel sparst du je nach Tarif?
Der Sozialtarif fixiert den Energiepreis bei 6 ct/kWh netto für die ersten 2.900 kWh. Über 2.900 kWh greift dein normaler Anbieter-Tarif, nach oben gedeckelt durch den E-Control-Referenzwert (Q3 2026: 10,18 ct/kWh netto). Wenn dein Anbieter-Preis unter dieser Obergrenze liegt, zahlst du für den Mehrverbrauch deinen normalen Preis. Probier's mit deinen Zahlen durch:
In dieser Konstellation würde der Sozialtarif dich nicht zusätzlich entlasten, dein Tarif liegt bereits auf Sozialtarif-Niveau. Das ist aktuell am österreichischen Markt nicht zu beobachten (siehe Marktanker), saisonal aber möglich.
Deine Ersparnis pro Jahr
Kein Sparvorteil bei diesem Tarif
Dein Tarif liegt auf Sozialtarif-Niveau
Netz, Steuern und Abgaben bleiben unverändert, keine zusätzliche Entlastung durch den Sozialtarif.
Was du aus diesen Rechnungen mitnehmen solltest
Die jährliche Ersparnis liegt bei einem Standardhaushalt zwischen rund 70 und 200 €, solide, aber nicht überwältigend, weil nur der Energie-Anteil gedeckelt wird. Wer den vollen Hebel will, kombiniert den Sozialtarif mit dem Heizkostenzuschuss des Bundeslandes und prüft im Tarifrechner, ob in seiner Region ein günstigerer Marktpreis verfügbar ist. Wie sich der Markt aktuell gegen das Sozialtarif-Niveau positioniert, zeigen wir im Abschnitt Anbieterwechsel live aus unserer Tarif-Datenbank.
Sozialtarif: Vorteile und Nachteile im Überblick
Der Sozialtarif hilft spürbar, hat aber klare Grenzen. Das Wichtigste auf einen Blick, jeweils mit Sprung zur ausführlichen Erklärung.
+ Vorteile
- 6 ct/kWh netto auf die ersten 2.900 kWh, gesetzlich geregelt.
- Läuft automatisch über die ORF-Befreiung, kein Antrag beim Anbieter.
- Gilt bei jedem Anbieter, auch nach einem Wechsel.
- Kombinierbar mit EAG-Befreiung und Heizkostenzuschuss.
! Nachteile
- Nur der Energiepreis ist gedeckelt, rund 30–40 % der Rechnung. mehr dazu
- Keine Rückwirkung, spätes Beantragen kostet Monate. mehr dazu
- Mit Nachtstromzähler (Lastprofil U) entfällt das 2.900-kWh-Kontingent. mehr dazu
- Verrechnungsfehler und wegfallendes Abrechnungs-Wahlrecht bei der Umstellung. mehr dazu
- Studierende ausgeschlossen, ebenso Haushalte knapp über der Grenze. mehr dazu
Anbieterwechsel mit Sozialtarif, was geht, was nicht
Der Sozialtarif gilt bei jedem österreichischen Stromlieferanten, alle sind gesetzlich verpflichtet, ihn anzubieten. Auch Discounter, auch reine Online-Anbieter. Ein Anbieterwechsel kostet dich den Anspruch nicht; er kann ihn nur kurz unterbrechen, wenn du nach dem Wechsel die OBS nicht informierst. Dann ist beim alten Lieferanten der Sozialtarif aus, beim neuen noch nicht an, bis die OBS den neuen Lieferanten verständigt hat.
Lohnt sich ein Wechsel trotz Sozialtarif? Das hängt vom Markt ab, und der bewegt sich quartalsweise. Der Sozialtarif deckelt den Energiepreis auf 6 ct/kWh netto. Liegt am Markt ein Discounter-Tarif unter dieser Marke, kann er rechnerisch günstiger sein als der gestützte Sozialtarif-Preis; liegen alle Tarife darüber, ist der Sozialtarif für jeden anspruchsberechtigten Haushalt die günstigste Option. Wie der österreichische Markt aktuell aussieht, sehen wir live aus unserer Tarif-Datenbank:
Ehrlich gesagt: Manche zahlen trotz Sozialtarif mehr
Eine Sache, die in unserer Beratung seit der Sozialtarif-Einführung regelmäßig zur Sprache kommt und die du wissen solltest: Es gibt Fälle, in denen Haushalte nach der Aktivierung mehr zahlen als vorher. Wir hatten kürzlich einen Kunden, dessen monatliche Stromzahlung von rund 160 € auf etwa 200 € gestiegen ist, trotz aktivem Sozialtarif.
Das liegt nicht am Sozialtarif selbst, sondern an vier Dingen, die in der Umstellung zusammenkommen können:
- 1 Restpreis-Effekt nach altem Discounter-Tarif. In Quartalen mit sehr niedrigen Großhandelspreisen liegen einzelne Discounter unter 6 ct/kWh netto. Wer aus einem solchen Tarif in den Sozialtarif rutscht, kann effektiv schlechter dastehen als vorher. Aktuell ist das am österreichischen Markt nicht zu beobachten (siehe Live-Marktanker unten), aber der Mechanismus bleibt saisonal möglich.
- 2 Technische Verrechnungsfehler bei der Umstellung. In den ersten Monaten nach 1. April 2026 sehen wir vereinzelt Stromrechnungen, auf denen die Stufenmechanik oder die Zusatzpauschale für größere Haushalte falsch ausgewiesen ist. Das lässt sich beim Anbieter klären, kommt aber häufig nicht von selbst zurecht.
- 3 Anbieter passt parallel zum Sozialtarif reguläre Tarife an. Der Sozialtarif kostet die Lieferanten Marge, die sich manche über die regulären Grund- oder Arbeitspreise zurückholen. Warum das System so gebaut ist und wer die Kosten am Ende trägt, erklären wir unten unter Wer bezahlt den Sozialtarif.
- 4 Mögliche Umstellung auf Jahresabrechnung. Mit dem Sozialtarif entfällt laut Gesetz dein Wahlrecht zwischen monatlicher und jährlicher Abrechnung, dein Lieferant kann dich auf Jahresabrechnung mit Teilzahlungen umstellen. Wer vorher monatlich nach Verbrauch gezahlt hat, bekommt dann neu berechnete Teilzahlungen, und diese können höher wirken als der alte Monatsbetrag, obwohl die Jahreskosten sinken. Ein genauer Blick auf die erste Jahresabrechnung lohnt sich.
Unsere Empfehlung: Schau dir die erste Rechnung nach der Aktivierung genau an. Wenn die Summe höher wirkt als erwartet, ruf den Anbieter an und lass dir die Verrechnung erklären. Wenn du dabei unsicher bist, ruf uns an, wir kennen die typischen Verrechnungs-Muster und sehen schnell, ob der Anstieg legitim ist oder auf einen Fehler zurückgeht.
Live aus unserer Tarif-Datenbank · Stand 9. September 2026
Von 114 aktuell am österreichischen Markt verfügbaren Haushaltstarifen liegt kein einziger mit seinem Arbeitspreis unter dem Sozialtarif-Niveau von 6 ct/kWh netto. Für anspruchsberechtigte Haushalte heißt das aktuell sehr klar: Der Sozialtarif ist günstiger als jeder einzelne Markttarif.
Der derzeit günstigste Marktarbeitspreis liegt bei 9,25 ct/kWh netto (Enstroga Momentum Strom). In früheren Quartalen mit niedrigeren Großhandelspreisen lagen vereinzelt Discounter unter dem Sozialtarif-Niveau, Stand heute nicht. Wir aktualisieren die Zahl live aus unserer Tarif-Datenbank, sobald sich das ändert.
Tipp von Christoph Kain · Country Manager Selectra DE & AT
Sozialtarif allein oder Wechsel zusätzlich?
Stand heute liegt kein einziger Markttarif unter dem Sozialtarif-Niveau, wer anspruchsberechtigt ist, fährt mit dem Sozialtarif auf der Energie-Komponente günstiger als mit jedem freien Marktangebot. Wo sich ein Wechsel trotzdem rechnen kann: bei deutlich niedrigerer Grundgebühr oder einem geringeren Hauptzeit-Arbeitspreis über 2.900 kWh hinaus. Wenn du dich mit Tarifvergleichen nicht beschäftigen willst, reicht der Sozialtarif allein, das System läuft automatisch. Rechnen wir gerne kurz durch, fünf Minuten am Telefon, ohne Verkaufsdruck.
Wer bezahlt den Sozialtarif eigentlich?
Nicht der Staat. Die Stromanbieter selbst müssen die Differenz zwischen deinem normalen Strompreis und den 6 Cent tragen, das Gesetz verpflichtet sie dazu. Insgesamt kostet das die Branche bis zu 60 Mio. € pro Jahr. Erst wenn dieser Rahmen überschritten wird, hilft der Bund mit.
Die Kosten werden fair zwischen allen Anbietern aufgeteilt, je nach Größe am Markt. Eine zentrale Stelle gleicht das aus: Anbieter mit vielen Sozialtarif-Haushalten bekommen Geld zurück, Anbieter mit wenigen zahlen ein. Für dich heißt das: Kein Anbieter darf dich wegen des Sozialtarifs ablehnen oder kündigen, und keiner hat einen Grund dazu, seinen Anteil zahlt er so oder so.
Ganz gratis ist der Sozialtarif trotzdem nicht: Die Anbieter holen sich die Kosten voraussichtlich über ihre normalen Tarife zurück. Umgerechnet sind das etwa 15 € pro Haushalt und Jahr, alle anderen Stromkund:innen zahlen also indirekt mit.
Weitere Entlastungen neben dem Sozialtarif
Drei weitere Schienen laufen parallel zum Sozialtarif, die erste automatisch über die ORF-Befreiung, die anderen mit eigenem Antrag:
EAG-Beitrag-Befreiung
Wer ORF-befreit ist, bekommt automatisch auch die Befreiung vom Erneuerbaren-Förderbeitrag, einem gesetzlichen Aufschlag auf den Energiepreis. Spart zusätzlich rund 30 bis 50 € pro Jahr je nach Verbrauch. Kein eigener Antrag nötig.
Heizkostenzuschuss der Bundesländer
Typischerweise 200 bis 400 € pro Heizperiode, Antrag beim Gemeindeamt oder der Bezirkshauptmannschaft. Anspruch und Höhe variieren je Bundesland, läuft unabhängig vom Sozialtarif, jährlicher Neuantrag.
Härtefall-Programme der Landesversorger
Wien Energie, EVN, Energie AG, KELAG und Energie Steiermark führen eigene Töpfe für akute Notlagen, übernehmen Rückstände oder strecken Raten. Antrag direkt beim Versorger, oft über Caritas oder Volkshilfe vermittelt.
Zusatzpauschale für stromintensive medizinische Geräte
Das ElWG erlaubt dem Wirtschaftsministerium, für Haushalte mit hohem medizinisch bedingtem Stromverbrauch, etwa Heimdialyse oder Beatmung, per Verordnung einen zusätzlichen Pauschalbetrag festzulegen. Diese Verordnung ist noch nicht erlassen, ein Antrag ist daher noch nicht möglich. Sobald sie kommt, ergänzen wir die Details hier.
Wenn die Stromrechnung trotz Sozialtarif zu hoch ist
Auch mit aktivem Sozialtarif kann eine Rechnung in eine schwierige Lage führen, hoher Verbrauch, gestiegene Netzentgelte, unerwartete Nachzahlung. Drei Pfade, in dieser Reihenfolge:
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1
Anbieter direkt kontaktieren, Ratenzahlung früh vereinbaren
Frühe Kontaktaufnahme zahlt sich aus. Die meisten Lieferanten strecken offene Beträge über 3 bis 12 Monatsraten, wenn du rechtzeitig anrufst. Wer wartet, bis die zweite Mahnung kommt, hat deutlich weniger Verhandlungsspielraum.
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2
ASB Schuldnerberatung, Caritas und Volkshilfe für Soforthilfe
Die ASB Schuldnerberatung bietet kostenlose Beratung, auch zur Verhandlung mit Energielieferanten. Caritas und Volkshilfe vermitteln akute Soforthilfe bei drohender Abschaltung oder Rückständen.
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3
Grundversorgung als rechtlicher Schutz
Jeder Haushalt in Österreich hat Anspruch auf Grundversorgung, auch bei offenen Forderungen. Eine Versorgungsunterbrechung ist erst nach mehrstufigem Mahnverfahren mit nachweislicher Kontaktaufnahme zulässig.
Wenn es nicht nur um Strom geht
Wenn die Stromfrage Teil einer größeren Lebenslagen-Veränderung ist, Trennung, Pensionsantritt, längere Krankheit, plötzliche Pflegesituation, geht es nicht allein um den Stromvertrag. Selectra begleitet Haushalte durch solche Übergänge gesamthaft: Versorgerwechsel, Internet, Ummeldung, Versicherungen. Bei reinen Energie-Fragen sind wir bei Stromliste die richtige Adresse, bei Lebenslagen-Komplexität führt der ehrlichere Weg über Selectra.
Einschätzung unserer Energieexpert:innen
Was wir am Telefon empfehlen
Der Sozialtarif ist die größte strukturelle Strom-Entlastung in Österreich seit Jahren, zielgerichtet statt Gießkanne. Drei Punkte aus unserer Beratung:
Erstens: Wer ORF-befreit ist, sollte prüfen, ob die Zählpunktnummer bei der OBS hinterlegt ist, sonst läuft trotz Anspruch nichts an. Das ist die häufigste Hürde in unserer Beratung.
Zweitens: Gedeckelt ist nur der Energiepreis. Kombiniere ihn mit dem Heizkostenzuschuss deines Bundeslandes und behalte die Netzentgelte im Blick.
Drittens: Aktuell liegt kein einziger der 114 geprüften Markttarife unter dem Sozialtarif-Niveau, er ist also die günstigste Option auf der Energie-Komponente. Ändert sich der Markt (siehe Live-Marktanker), schaut man wieder hin.
Kritisch sehen wir den expliziten Ausschluss von Studierenden und die fehlende Härtefall-Klausel knapp über der Einkommensgrenze, beides Lücken, die im ElWG bewusst offen gelassen wurden.