Stand: 4. August 2026
Alle Preise hier sind Börsenpreise (Day-Ahead an der EPEX SPOT, der europäischen Strombörse), also der Großhandel. Was du auf deiner Rechnung zahlst, ist etwas anderes: dazu kommen Anbieter-Aufschlag, Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Negativ an der Börse heißt nicht, dass du für deinen Verbrauch Geld bekommst.
Was sind negative Strompreise überhaupt?
Ein negativer Strompreis entsteht, wenn an der Börse mehr Strom angeboten wird, als gerade gebraucht wird. Damit die Menge trotzdem abgenommen wird, fällt der Preis unter null. Wer dann Strom bezieht, bekommt rechnerisch Geld dazu, wer einspeist, zahlt drauf. Betroffen ist der Großhandel, nicht direkt deine Stromrechnung.
An der Strombörse setzt immer das teuerste gerade benötigte Kraftwerk den Preis. Das nennt sich Merit-Order (die Reihenfolge, in der Kraftwerke ans Netz gehen, vom günstigsten zum teuersten).
Mittags an einem sonnigen Feiertag kippt dieses System. Sonne und Wind liefern mehr Strom, als das Land gerade braucht. Abschalten kostet Geld und Zeit, also bleibt der Strom im Netz. Damit ihn jemand abnimmt, fällt der Preis unter null.
Viel Sonne & Winderzeugen mittags sehr viel Strom
Mehr als gebrauchtdas Netz ist voll
Preis fällt unter nullEinspeisen bringt nichts
kostete die Kilowattstunde am 1. Mai 2026 in der Spitze an der Börse. Ein Staatsfeiertag, viel Sonne, wenig Nachfrage. Ein Lehrbuch-Beispiel für negative Preise.
Wann ist der Strom in Österreich negativ?
Fast immer an sonnigen Wochenenden und Feiertagen zwischen April und Juni, meist zwischen 11 und 16 Uhr. Dann liefern Photovoltaik und Wind viel, während die Industrie steht. Eine offizielle österreichische Jahreszahl veröffentlicht die E-Control (die Regulierungsbehörde) nicht laufend. Belegt sind einzelne Tage wie der 1. Mai 2026.
Vorsicht bei den kursierenden ZahlenWie viele Stunden der Börsenpreis 2025 in Österreich unter null lag, weist die E-Control nicht laufend aus. Die Zahl, die dazu meist herumgeht, 573 Stunden, gilt für Deutschland. Für Österreich liegen die belastbaren Werte tiefer, eine offizielle Jahreszahl fehlt bisher.
Warum ausgerechnet das Frühjahr? Negative Preise brauchen zwei Dinge gleichzeitig: viel Ökostrom und wenig Nachfrage. Im April und Mai ist beides da. Die Sonne liefert schon kräftig, gleichzeitig ist es mild, niemand heizt mehr und gekühlt wird noch nicht. An Wochenenden und Feiertagen steht dazu die Industrie still. Im Juni wird es seltener, meist nur noch an einzelnen Sonntagen. Im Hochsommer verschwindet der Effekt fast ganz: Der Verbrauch steigt wieder, Ventilatoren und Klimageräte laufen, und der Solarstrom geht im Netz auf, statt überzuquellen.
So sah der 1. Mai 2026 aus. Nachts war Strom normal teuer. Ab dem späten Vormittag drückte die Photovoltaik den Preis, über Mittag lag er tief im Minus, laut Marktberichten von etwa 9:30 bis 17:15 Uhr. Am Abend, als die Sonne wegfiel, sprang er sofort wieder hoch.
So verlief der 1. Mai 2026
Österreich · illustrativer Tagesverlauf in ct/kWh · rote Balken liegen unter null
Illustrativer Tagesverlauf, an die Marktberichte angelehnt (negativ etwa 9:30–17:15 Uhr, Tief rund −50 ct/kWh). Offizielle Notierung: EPEX SPOT.
Wer die Preise stündlich und in Echtzeit sehen will, findet sie im Strompreis heute, dort aktualisiert sich die Kurve jeden Tag.
Was bedeutet das für deine PV-Anlage?
Für die meisten Dachanlagen sehr wenig. Die Marktprämie mit der Sechs-Stunden-Regel betrifft große, ausgeschriebene Anlagen, nicht die typische Anlage bis 20 kW, und das sind 88 Prozent aller Anlagen. Mit festem Einspeisetarif ändert sich gar nichts. Nur wer den Überschuss zum Marktpreis verkauft, spürt die Minus-Stunden.
Die vielzitierte Sechs-Stunden-Regel steht im § 15 EAG (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz). Sie gilt für die Marktprämie, eine Förderung für ausgeschriebene, meist große Anlagen. Für deine Dachanlage kommt es auf dein Vergütungsmodell an. Es gibt drei Fälle.
- Fester Einspeisetarif: für dich ändert sich nichts, dein Preis pro Kilowattstunde steht im Vertrag
- Marktpreisgekoppelte Überschussvergütung: an den Minus-Stunden ist deine Einspeisung nichts wert, betroffen sind aber nur diese wenigen Stunden
- EAG-Marktprämie (Ausschreibungsanlagen): sind die Preise sechs Stunden am Stück negativ, fällt die Prämie für den ganzen Zeitraum auf null
An einem Tag wie dem 1. Mai greift diese Sechs-Stunden-Regel also, sofern nicht die Intraday-Ausnahme zieht.
Feinheit im § 15 (2): die Intraday-AusnahmeDie Aussetzung entfällt, wenn ein anerkannter österreichischer Intraday-Preisindex in genau diesen mindestens sechs Stunden positiv war. Kurzfristige Abweichungen zwischen Day-Ahead und Intraday schützen den Anlagenbetreiber so vor einer ungerechtfertigten Kürzung.
Aus der Beratung
Anrufer fragen oft, ob sie draufzahlen müssen, wenn der Preis unter null geht. In den meisten Fällen nicht. Entscheidend ist ein einziger Satz in deinem Tarifblatt, der zur Vergütung bei negativen Preisen. Steht dort „keine Vergütung", ist deine Einspeisung in diesen Stunden null wert. Mehr passiert nicht, du zahlst nicht dazu.
Und unsere Empfehlung hängt an einer Bedingung. Hast du eine Anlage bis 20 kW und verbrauchst den Großteil selbst, lass alles so, der Effekt bleibt klein. Verkaufst du den Überschuss zum Marktpreis und hast keinen Speicher, rechne die Mittagsstunden einmal durch, bevor du erweiterst. Mit Speicher oder steuerbarer Wärmepumpe dreht sich die Rechnung, weil du die Mittagsspitze in den Abend verschiebst.
Rechenbeispiel, grob gerechnetEine 10-kWp-Anlage speist an einem Tag wie dem 1. Mai in den Minus-Stunden rund 30 kWh Überschuss ein. Als Maßstab: Der OeMAG-Marktpreis, also die Vergütung der Ökostrom-Abwicklungsstelle OeMAG, lag im dritten Quartal 2026 bei 6,146 ct/kWh. Diese 30 kWh wären damit rund 1,80 Euro wert gewesen. Hast du einen stundengenau an die Börse gekoppelten Einspeisetarif, bleibt davon an so einem Nachmittag nichts übrig. Bei zwanzig ähnlichen Tagen im Jahr sind das rund 36 Euro, also weniger als ein Monat Netzbezug im Winter. Beim OeMAG-Marktpreis selbst passiert das nicht stundenweise, dort drücken solche Tage nur den Quartalsdurchschnitt.
Der große Aufreger und der kleine Effekt liegen hier weit auseinander. Für die allermeisten Dachanlagen ist die Sache mit den negativen Preisen kein finanzielles Thema, sondern vor allem ein gutes Argument, mehr Sonnenstrom selbst zu verbrauchen statt ihn mittags fast umsonst einzuspeisen.
Warum wird der Mittags-Überschuss überhaupt zum Thema?
Weil das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) neue PV-Anlagen in der Einspeisung begrenzt, und das seit 24. Dezember 2025. Netzbetreiber dürfen die Einspeiseleistung auf 70 Prozent der Modulspitzenleistung kappen, Anlagen bis 7 kW netzwirksamer Leistung sind ausgenommen. Unveränderte Bestandsanlagen sind nicht betroffen. Ab Juni 2026 müssen neue Anlagen ab 3,68 kW ansteuerbar sein.
Der Hintergrund ist genau das Mittags-Problem. Wenn tausende Dächer gleichzeitig einspeisen und kaum jemand Strom braucht, gerät das Netz an seine Grenzen. Deshalb hat der Gesetzgeber zwei Hebel eingebaut, aber nur für neu angeschlossene Anlagen.
- 70-Prozent-Kappung: bei neuen Anlagen darf der Netzbetreiber die Einspeiseleistung auf 70 Prozent der Modulleistung begrenzen, Anlagen bis 7 kW bleiben ausgenommen
- Ansteuerbarkeit ab Juni 2026: neue Anlagen ab 3,68 kW müssen fernsteuerbar sein, bei freier Netzkapazität sind dann auch 100 Prozent Einspeisung möglich
Kein Grund zur PanikIn der Praxis geht dabei wenig verloren. Bei einer nach Süden ausgerichteten Anlage wird nur die kurze Mittagsspitze gekappt, über das Jahr ein sehr kleiner Anteil. Eine Obergrenze für den Ertragsverlust nennt das Gesetz für Photovoltaik nicht, die einzige Grenze ist die Untergrenze von 70 Prozent der Modulspitzenleistung. Der Branchenverband PV Austria schätzt den Verlust bei Eigenverbrauchsanlagen auf unter 1 Prozent der jährlichen Einspeisung. Für dich zählt vor allem: Je enger das Netz mittags wird, desto mehr lohnt der eigene Verbrauch.
Wann du von negativen Preisen profitierst
Sobald dein Energiepreis dem Börsenpreis folgt, also mit einem dynamischen Tarif und Smart Meter. In den Minus-Stunden ist Strom dann praktisch geschenkt. Wer Wärmepumpe, Warmwasser, Batteriespeicher oder das E-Auto gezielt in diese Stunden legt, spart am meisten. Mit einem Fixtarif erreichen dich die negativen Preise nicht.
Die Voraussetzung ist ein Smart Meter. In Österreich ist der Rollout weit fortgeschritten, viele Haushalte haben bereits einen oder können ihn beim Netzbetreiber anfragen. Ohne ihn kann dein Anbieter deinen Verbrauch nicht stundengenau abrechnen, und genau darauf beruht der dynamische Tarif.
- Wärmepumpe und Warmwasserboiler in die Mittagsstunden legen, wenn die Sonne den Preis drückt
- Das E-Auto tagsüber am Wochenende laden statt am teuren Abend
- Einen Batteriespeicher genau dann laden, wenn der Strom am günstigsten ist
Hast du selbst eine PV-Anlage, ist die Rechnung einfach: Jede Kilowattstunde, die du selbst verbrauchst, ist mehr wert als eine, die du zur Mittagszeit für wenig oder nichts einspeist. Wie du deine Anlage anmeldest und einspeist, steht im Ratgeber Strom einspeisen. Den aktuellen Marktpreis für deinen Überschuss zeigt der OeMAG-Marktpreis.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Wert | Quelle | Stand |
|---|---|---|---|
| Preis unter null am 1. Mai 2026 | fast 8 Std. (9:30–17:15) | Marktberichte, E-Control | 1.5.2026 |
| Tiefster Preis am 1. Mai 2026 | knapp −50 ct/kWh | Marktberichte, E-Control | 1.5.2026 |
| Ø Börsenpreis 2025 (Referenzmarktpreis) | 9,89 ct/kWh | E-Control (§ 12 EAG) | 2025 |
| Ø Börsenpreis Juli 2026 | 11,72 ct/kWh | Stromliste Spotfeed (Monatsmittel) | Juli 2026 |
| Aussetzung EAG-Marktprämie | 188 Std. | E-Control | 2024 |
| OeMAG-Marktpreis | 6,146 ct/kWh | OeMAG, E-Control | Q3 2026 |
| ElWG-Einspeisekappung neuer PV (≤7 kW ausgenommen) | min. 70 % kWp | ElWG § 101 Abs. 2 | seit 24.12.2025 |
Lohnt sich ein dynamischer Tarif für dich?
Wir prüfen am Telefon, ob sich ein Tarif am Börsenpreis für deinen Verbrauch und deine PV-Anlage rechnet.
Mo 8–19 Uhr, Di–Fr 8–18 Uhr