Was ist der Energiemarkt Österreich?
Der Energiemarkt ist jener Markt, auf dem Strom und Gas gehandelt und an Endkund:innen geliefert werden. Österreich hat ihn im Zuge der EU-Energieliberalisierung in zwei Schritten geöffnet, 2001 für Elektrizität, 2002 für Erdgas. Seitdem stehen Erzeugung und Vertrieb im freien Wettbewerb, während die physischen Netze regulierte Monopole bleiben.
Damit Wettbewerb fair funktionieren kann, wacht die unabhängige Regulierungsbehörde E-Control über klare Spielregeln. Die E-Control stärkt den Wettbewerb und sorgt dafür, dass Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit nicht gefährdet werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Energiemarkt erfüllt drei zentrale Aufgaben: Synchronisierung von Stromerzeugung und -verbrauch, dasselbe für Gas und die Versorgungssicherheit.
- Strom seit 2001, Gas seit 2002 liberalisiert, Erzeugung & Vertrieb sind im Wettbewerb, Netze bleiben regulierte Monopole.
- Regulator ist E-Control, organisiert wird der Markt über Bilanzgruppen.
- Rund 80 % des Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen, Klimaneutralität ist bis 2040 gesetzliches Ziel.
Wie funktioniert der liberalisierte Energiemarkt?
Die EU entschied zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Erzeugung und Vertrieb von Strom und Gas für den Wettbewerb zu öffnen, Übertragung und Verteilung bleiben reguliert. Österreich setzte das in fünf Etappen um:
Meilensteine der Marktöffnung
-
1995
EU-Beitritt
Österreich wird Mitglied der Europäischen Union.
-
2001
Strommarkt offen
Konsument:innen dürfen ihren Stromanbieter frei wählen.
-
2002
Gasmarkt offen
Auch der Gasmarkt wird liberalisiert.
-
2021
EAG-Gesetz
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz beschleunigt den grünen Umstieg.
-
2040
Klimaneutralität
Gesetzliches Ziel, zehn Jahre vor dem EU-Mittel.
Konkret bedeutet die Marktöffnung: Erzeuger:innen dürfen frei produzieren, neue Anbieter dürfen am Markt auftreten und Konsument:innen wählen Tarif und Lieferant selbst. Damit niemand benachteiligt wird, muss der Regulator politisch und finanziell unabhängig agieren.
Die Vorteile der Liberalisierung
Auch wenn der Begriff Wettbewerb mitunter negativ besetzt ist, hat die Marktöffnung Konsument:innen handfeste Vorteile gebracht:
01
Größere Anbieterauswahl
Konsument:innen können zwischen Dutzenden Strom- und Gasanbietern frei wählen, vom Landesversorger bis zum spezialisierten Ökostrom-Anbieter.
02
Transparenz & Preisvergleich
Tarifkonditionen sind auf den Websites der Anbieter klar ausgewiesen, und auf unserem Tarifrechner direkt vergleichbar.
03
Neue Vertragsformen
Indexierte und Festpreis-Tarife bieten entweder garantierte Rabatte auf den Marktpreis oder Schutz vor Preiserhöhungen.
04
Mehr grüne Angebote
Kleinere, unabhängige Anbieter beleben den Markt mit Ökostrom- und Ökogas-Tarifen und treiben den Ausbau erneuerbarer Energien voran.
Was garantiert der Energiemarkt den Verbraucher:innen?
Über die finanziellen Vorteile hinaus sichert die Marktöffnung Konsument:innen klare Rechte zu, sobald sie zu einem alternativen Anbieter wechseln:
- Gleiche Strom- und Gasqualität wie beim bisherigen Anbieter
- Gleichwertige Liefergarantien und Notfall-Service durch denselben Netzbetreiber
- Kein Eingriff am Zähler, keine Zusatzkosten, keine Energie-Unterbrechung beim Wechsel
- Recht auf jederzeitige Kündigung, kostenlos und ohne Begründung
- Möglichkeit, jederzeit zum bisherigen Anbieter zurückzukehren
- Der neue Anbieter kümmert sich um den gesamten Wechsel, du musst nicht selbst kündigen
Den liberalisierten Markt für sich nutzen
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- Kein Risiko
Wer sind die Akteure im Energiemarkt Österreich?
Der Energiemarkt setzt sich aus mehreren spezialisierten Akteuren zusammen. Jede:r übernimmt eine klar abgegrenzte Rolle, vom physischen Transport bis zur Abrechnung der Ausgleichsenergie.
Auf einen Blick
- Erzeuger:innen produzieren den Strom.
- Versorger verkaufen ihn an dich.
- Netzbetreiber liefern ihn physisch.
- Bilanzgruppen halten Angebot & Nachfrage im Gleichgewicht.
- E-Control ist die unabhängige Aufsicht über alle Beteiligten.
Acht zentrale Akteure und ihre Aufgaben
So spielen die Akteure zusammen
Produktion
Erzeuger:in
Vertrieb
Versorger
Transport
Netzbetreiber
Endkunde
Verbraucher:in
Bilanzgruppe + Clearing
Hält Erzeugung und Verbrauch jeder Gruppe im Gleichgewicht.
E-Control · Regulator
Setzt Spielregeln, kontrolliert Wettbewerb und Versorgungssicherheit.
| Akteur | Aufgaben |
|---|---|
| Regelzonenführer |
|
| Bilanzgruppenkoordinator |
|
| Bilanzkreisverantwortlicher |
|
| Netzbetreiber |
|
| Versorger |
|
| Verbraucher:innen |
|
| Stromerzeuger |
|
| Regelreserveanbieter |
|
Glossar: Fachbegriffe schnell erklärt
- Regelzone
- Geografisches Gebiet, in dem ein einziger Übertragungsnetzbetreiber für Frequenz, Spannung und Leistungsbilanz zuständig ist. In Österreich gibt es seit 2018 nur noch eine Regelzone, verantwortet von der Austrian Power Grid (APG).
- Ausgleichsenergie
- Energie, die kurzfristig benötigt wird, um die Differenz zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Verbrauch in einer Bilanzgruppe auszugleichen. Diese wird stundenweise verrechnet.
- Bilanzgruppe
- Virtuelle Gruppe aus Lieferanten, Erzeuger:innen und Kund:innen, deren Einspeisung und Entnahme gemeinsam abgerechnet werden.
- Merit Order
- Reihenfolge, in der Kraftwerke nach steigenden Grenzkosten zur Stromerzeugung herangezogen werden. Das teuerste eingesetzte Kraftwerk bestimmt den Marktpreis einer Stunde.
- Lastprofil
- Standardisiertes Verbrauchsmuster für Haushalte (H0) oder Gewerbe (G0). Es kommt bei Anschlüssen bis 100.000 kWh/Jahr ohne Smart Meter zum Einsatz.
Organisation des Energiemarktes in Bilanzgruppen
Vor der Liberalisierung wurden Konsument:innen automatisch von dem Unternehmen beliefert, an dessen Netz sie angeschlossen waren. Heute können sie ihren Lieferanten frei wählen. Damit Handels- und Liefergeschäfte trotzdem korrekt abgewickelt werden, hat Österreich Bilanzgruppen eingeführt.
Bilanzgruppen erfüllen einen doppelten Zweck. Diese spiegeln die Handelsströme zwischen Marktteilnehmern wider, getrennt von den physischen Strömen im Netz, und ermöglichen die korrekte Zuteilung von Ausgleichsenergie. Alle Marktteilnehmer, ob Erzeuger:innen, Versorger oder Händler:innen, müssen Mitglied einer kommerziellen Bilanzgruppe sein.
Das Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz definiert eine kommerzielle Bilanzgruppe als virtuelle Gruppe von Lieferanten und Kund:innen, in der Einspeisung und Entnahme ausgeglichen werden. Diese ist die Grundlage für Lieferantenwechsel, Bilanzierung und Informationsaustausch zwischen den Marktteilnehmern.
Was die Marktstruktur für deinen Strompreis bedeutet
Jede:r Akteur:in im liberalisierten Markt schlägt sich auf deiner Stromrechnung nieder, als Energie-, Netz- oder Steuerkomponente. Wechseln kannst du allerdings nur den Energie-Anteil, also den Versorger. Netzkosten und Abgaben sind regional vorgegeben.
Verhandelbar
Energie
~ ⅓
Reiner Strompreis deines Versorgers, der einzige Hebel beim Anbieterwechsel.
Reguliert
Netz
~ ⅓
Vom regionalen Netzbetreiber, jährlich von E-Control festgelegt, nicht wechselbar.
Gesetzlich
Steuern & Abgaben
~ ⅓
Elektrizitätsabgabe, USt., Ortstaxen und Förderbeiträge, bundesweit einheitlich.
Im Detail erklärt unsere Übersicht zum Strompreis in Österreich, wie sich die drei Posten zusammensetzen und wo Sparpotenzial liegt.
Erneuerbare Energien in Österreichs Energiemarkt
Österreich hat sich verpflichtet, bis spätestens 2040 klimaneutral zu werden, zehn Jahre früher als das von der Europäischen Union gesetzte Ziel. Erdgas und Erdöl spielen zwar weiterhin eine Rolle, doch der Anteil erneuerbarer Energieträger ist deutlich gestiegen.
Zwischen den 1990er-Jahren und 2015 wuchs Österreichs Energieproduktion um etwa ein Drittel (Quelle: IEA, Energy Profile Austria). Aufgrund der hohen Integration erneuerbarer Quellen in die Netze setzt Österreich heute stark auf Smart Metering, IT-basierte Stromversorgung und Lastmanagement.
Vier Säulen tragen die erneuerbare Stromerzeugung des Landes:
CO₂-Intensität Strommix
~ 110 g
CO₂eq pro kWh
Einer der saubersten Strommixe Europas
Der österreichische Stromsektor liegt mit rund 110 g CO₂eq/kWh deutlich unter dem EU-Schnitt von rund 240 g CO₂eq/kWh, dank des hohen Anteils an Wasserkraft. Der genaue Wert schwankt je nach Wasserführung und Witterung von Jahr zu Jahr.
Wasserkraft
Über 60 % des Strombedarfs deckt Österreich aus Wasserkraft. Mehr als 700 Laufwasserkraftwerke und 3.100 Kleinwasserkraftwerke sind in Betrieb, das Land ist europaweit Vorreiter.
Österreich exportiert zudem Turbinen und Maschinen in andere europäische Länder.
Bioenergie
Rund 59 % der erneuerbaren Energieerzeugung stammen aus Biomasse, überwiegend Brennholz, Rinde und feste Biobrennstoffe wie Sägenebenprodukte.
Biogene Brennstoffe werden vorrangig in KWK-Anlagen für Strom und Fernwärme eingesetzt.
Windenergie
Über 1.300 Windkraftanlagen versorgen österreichische Haushalte mit Strom, Anteil aktuell rund 13 %.
Bis 2030 prognostiziert der Österreichische Windenergieverband einen Anstieg auf 26 %.
Solarenergie
Photovoltaik liefert derzeit etwa 6 % der erneuerbaren Stromerzeugung, der Anteil wächst durch private Aufdach-Anlagen aber jedes Jahr deutlich.
Geförderte Einspeisetarife machen PV-Anlagen für Eigenheimbesitzer:innen attraktiv.
Quellen & Datenstand
- E-Control, Regulierungsbehörde, Marktteilnehmer- und Bilanzgruppen-Definitionen
- IEA, Energy Profile Austria, Energieproduktion, Mix, Trends
- IG Windkraft, Anzahl Windkraftanlagen, Marktanteil Wind
- Umweltbundesamt, Emissionsintensität des Strommixes
- Austrian Power Grid (APG), Regelzone, Übertragungsnetz
Stand: Mai 2026. Die genannten Anteile schwanken je nach Wasserführung und Witterung von Jahr zu Jahr.