Das Wichtigste zuerst
- Sparpotenzial: typisch 150 – 300 € pro Jahr bei 3.500 kWh, abhängig vom alten Vertrag
- Frist: 2 Wochen Kündigung beim Altanbieter (ElWOG 2022); Wechselprozess max. 3 Wochen laut E-Control
- Reihenfolge: erst neuen Vertrag fixieren, dann beim alten kündigen, der neue Anbieter übernimmt die Kündigung
- Größte Falle: Bonus-Tarife im ersten Jahr klingen attraktiv, sind aber im 2. Jahr oft teurer als die ehrlich kalkulierten Festpreis-Tarife
Warum der Umzug der einfachste Wechselanlass ist
Was wir am Telefon regelmäßig hören: "Ich wollte schon immer mal wechseln, kam aber nie dazu." Beim Umzug ist die Hürde am niedrigsten, du musst sowieso handeln (alter Vertrag muss zumindest auf die neue Adresse umgehängt werden), und drei Faktoren machen den Wechsel jetzt besonders einfach:
- 2 Wochen reguläre Kündigungsfrist seit ElWOG-Novelle 2022, kein Sonderkündigungsrecht mehr nötig für den Wechselgrund "ich will einfach"
- Synchronisation mit dem Umzugstermin, Lieferbeginn beim neuen Anbieter lässt sich auf den Einzugstag legen, alter Vertrag endet zum Auszugstag, keine Lücke
- Neuer Anbieter übernimmt die Kündigung beim alten, du musst nur einmal anmelden
Was die ElWOG-Novelle 2022 verändert hat
Vor 2022 hatten viele Verträge Kündigungsfristen von 4 bis 8 Wochen, manche befristete sogar 12 Monate. Seit März 2022 gilt für Verbraucher:innen bei unbefristeten Verträgen einheitlich: zwei Wochen Frist, jederzeit kündbar. Damit ist das Sonderkündigungsrecht für den reinen Wechselwunsch praktisch obsolet geworden, du brauchst keinen Anlass mehr, du kannst einfach wechseln.
Konkretes Sparpotenzial
Eine Größenordnung, die wir in unseren Beratungen täglich sehen, abhängig vom Ausgangstarif:
Wechsel vom Landesversorger
200 – 400 €
Ersparnis pro Jahr bei 3.500 kWh, typisch nach 5+ Jahren beim Tarif "AT-Landesversorger Standard"
Wechsel zwischen aktiven Anbietern
80 – 200 €
Wenn du schon vor zwei Jahren gewechselt hast, ist der Spread heute kleiner, aber meist noch positiv
Wärmepumpen-Haushalt
400 – 700 €
Bei 6.000 kWh+ skaliert der Effekt linear mit dem Verbrauch, Wechsel besonders lohnenswert
Quelle: Marktbeobachtung Stromliste Mai 2026. Tatsächliche Ersparnis hängt vom Bundesland, deinem Verbrauch und der gewählten Tarifart ab.
So funktioniert der Wechsel beim Umzug, in vier Schritten
Eine Sache, die wir am Telefon regelmäßig betonen: die Reihenfolge ist wichtig. Wer zuerst beim Altanbieter kündigt und dann den neuen sucht, riskiert eine Lücke und landet in der teureren Grundversorgung. Richtig ist: erst neuen Vertrag fixieren, dann läuft der Rest automatisch.
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01
3 Wochen vor Umzug: Verbrauch + Adresse erfassen
Letzte Jahresrechnung raussuchen (Verbrauch in kWh), neue Adresse + PLZ notieren. Bei Wärmepumpe, E-Auto oder anderen großen Verbrauchern: Verbrauch entsprechend hochrechnen.
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02
Tarife vergleichen + neuen Anbieter wählen
E-Control Tarifkalkulator, ein Vergleichsportal oder Telefonberatung. Achte auf Effektivpreis im 1. UND 2. Jahr (Bonus-Falle!), Vertragsbindung, Kündigungsfrist und Tarifart (siehe nächste Sektion).
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03
Neuen Vertrag online abschließen, mit Wechselvollmacht
Im Anmeldeformular die alte Anbieter-/Vertragsnummer angeben. Der neue Anbieter kündigt für dich. Lieferbeginn auf den Einzugstag setzen.
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04
Auszugs- und Einzugszählerstand dokumentieren
Foto vom Zähler an der alten Adresse (Auszugstag) und an der neuen Adresse (Einzugstag). Beide Werte an den jeweiligen Anbieter durchgeben. Ohne Zählerstand wird geschätzt, und Schätzungen liegen erfahrungsgemäß über dem realen Verbrauch.
Welche Daten du bereithalten solltest
- Persönliche Daten (Name, Geburtsdatum, neue Adresse) und IBAN
- Aktueller Anbieter + Vertragsnummer, der neue Anbieter braucht das für die Wechselvollmacht
- Letzter Jahresverbrauch in kWh, auf der letzten Stromrechnung
- Zählpunktbezeichnung der neuen Wohnung (33-stellig, beginnt mit AT00), falls du sie schon hast; sonst holt der Anbieter sie über den Netzbetreiber
- Zählerstand am Einzugstag der neuen Wohnung
Worauf du bei der Anbieterauswahl achten musst
In Österreich kannst du aus über 60 landesweit aktiven Anbietern wählen, plus regionale Versorger. Der niedrigste Werbepreis ist selten der beste Tarif. Drei Dimensionen entscheiden:
Tarifart: Fix, Indexgebunden oder Spot?
Drei Grundtypen sind heute am Markt, sie funktionieren grundverschieden und passen zu verschiedenen Verbrauchsmustern:
| Tarifart | Wie funktioniert er? | Passt zu |
|---|---|---|
| Festpreis | Arbeits- und Grundpreis fix über die ganze Laufzeit, meist mit Preisgarantie | Wer Planungssicherheit will, Verbrauch nicht steuern kann oder will |
| Indexgebunden | Preis folgt einem Marktindex (ÖSPI, HVPI), Anpassung meist quartalsweise | Wer flexibel ist und Schwankungen mitgehen kann |
| Spot / Float | Stündlicher Börsenpreis (EPEX Spot) + Aufschlag, braucht Smart Meter mit IME-Konfiguration | Wer Verbrauch zeitlich verlagern kann (PV-Anlage, E-Auto, Wärmepumpe) |
Was wir am Telefon häufig empfehlen: Bist du dir unsicher, nimm einen Festpreis mit 12 Monaten Bindung und Preisgarantie. Du verlierst maximal die Spitze der Marktbewegung, aber du schläfst gut.
Boni und versteckte Kosten
Sofortbonus, Neukundenbonus, Wechselbonus, die Namen wechseln, das Prinzip bleibt: ein Einmaleffekt im ersten Vertragsjahr macht den Tarif scheinbar billiger als er ist. Beispiel: 100 € Sofortbonus klingen gut, sind aber auf 24 Monate gerechnet rund 4 € pro Monat, also weniger als 0,5 ct/kWh bei einem durchschnittlichen Haushalt.
Schau immer auf den regulären Arbeitspreis nach Ablauf des Bonusjahrs, nicht auf den beworbenen "Effektivpreis im ersten Jahr". Wer jedes Jahr aktiv wechselt, kann von Bonus zu Bonus springen, wer das nicht will, wählt ehrliche Tarife ohne Lockangebote.
Vertragsbindung und Kündigungsfrist
Befristete Verträge (12 – 24 Monate) sind in Österreich erlaubt, und können günstigere Preisgarantien bieten. Der Nachteil: Du kommst während der Laufzeit nur über das Sonderkündigungsrecht raus. Bei unbefristeten Verträgen gilt die 2-Wochen-Frist aus ElWOG 2022, unabhängig davon, was im AGB steht.
Stromliefervertrag vs. Netzvertrag, was ist was?
Ein häufiges Missverständnis am Telefon: "Mein Anbieter und mein Netzbetreiber sind doch dasselbe." Nicht in Österreich. Du hast immer zwei getrennte Verträge, und nur einen davon kannst du wechseln.
Frei wählbar
Stromliefervertrag
Mit dem Energielieferanten (Wien Energie, Verbund, AAE, Awattar …). Hier wählst du Tarif und Preis. Diesen Vertrag wechselst du beim Anbieterwechsel.
An die Adresse gebunden
Netznutzungsvertrag
Mit dem Netzbetreiber (Wiener Netze, Netz Niederösterreich, KNG-Kärnten Netz …). Der ist durch deine Wohnadresse vorgegeben, du kannst ihn nicht wechseln. Er kümmert sich um Leitungen, Zähler und Versorgungssicherheit.
Wie finde ich meinen Netzbetreiber heraus? Schau auf die Stromliste Netzbetreiber-Übersicht oder ruf einen potenziellen Lieferanten an und nenn deine Zählpunktbezeichnung, beide Wege funktionieren in 2 Minuten.
Häufige Fehler beim Anbieterwechsel, und wie du sie vermeidest
Eine Sache, die wir in unseren Beratungen täglich sehen: Die Fehler beim Anbieterwechsel sind fast immer dieselben drei. Wer sie kennt, vermeidet sie.
Fehler 01
Erst kündigen, dann wechseln
Wer beim Altanbieter kündigt, bevor der neue Vertrag steht, landet in der Grundversorgung, im Schnitt 5 – 15 % teurer als der gewählte Tarif. Richtige Reihenfolge: neuer Vertrag zuerst, alter Anbieter wird über die Wechselvollmacht informiert.
Fehler 02
Auf den Bonus-Effektivpreis schauen
Der "Effektivpreis im 1. Jahr" mit Sofortbonus ist eine Marketing-Zahl, kein echter Preis. Vergleiche immer den regulären Arbeitspreis nach Bonus-Ablauf, sonst bist du im Jahr 2 oft teurer als vorher.
Fehler 03
Spot-Tarif ohne Verbrauchsflexibilität
Stündliche Spot-Tarife (z. B. Awattar) sind günstig, wenn du Last in Niedrigpreis-Stunden verschieben kannst. Ohne PV, E-Auto oder Wärmepumpe ist der Effekt klein, und in Hochpreis-Stunden zahlst du mehr.
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