22 %
Anteil am Gaspreis
Steuern und Abgaben · staatlich festgelegt, vom Anbieter unabhängig
4
Steuerposten auf Erdgas
Erdgasabgabe · Gebrauchsabgabe · CO₂-Bepreisung · Umsatzsteuer
55 €
CO₂-Preis 2026
pro Tonne CO₂, entspricht ca. 1,0 ct/kWh netto auf Erdgas
Quelle: E-Control Gaspreiszusammensetzung (Stand Januar 2024) und BMF für die CO₂-Bepreisung 2026.
Definition
Was umfasst „Steuern und Abgaben" beim Gaspreis?
Auf jeder österreichischen Gasrechnung sind drei große Blöcke versteckt: der reine Energiepreis (rund 69 %), die Netzentgelte (rund 9 %) und die staatlichen Steuern und Abgaben (rund 22 %). Letztere sind ein Sammelbegriff für vier verschiedene Posten, drei davon sind direkt im Arbeitspreis eingerechnet, die Umsatzsteuer wird separat ausgewiesen.
Wichtig zu wissen: Steuern und Abgaben sind vom Gasanbieter unabhängig. Egal, ob du bei einem regionalen Versorger, einem Diskonter oder einem Ökogasanbieter sind, die Steuerlast ist überall dieselbe. Der einzige Hebel zum Sparen liegt deshalb beim Energiepreis selbst sowie bei einem geringeren Verbrauch.
Die folgenden Werte beziehen sich auf die offizielle Gaspreiszusammensetzung der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control mit Stand Januar 2024, der jüngsten Veröffentlichung mit detailliertem Steueranteil.
Die vier Posten im Detail
Aus diesen vier Posten bestehen die Gaspreis-Steuern
Jeder Posten hat eine eigene gesetzliche Grundlage, einen eigenen Empfänger und einen eigenen Berechnungslogik. Hier alle vier auf einen Blick.
Gebrauchsabgabe
erhoben vom Bundesländer
Eine auf Bundesländerebene erhobene Verbrauchsabgabe, die je nach Bundesland und Gemeinde unterschiedlich hoch ausfällt. Die Abgabe wird verbrauchsabhängig in ct/kWh abgerechnet und fließt in den Landeshaushalt, finanziert wird damit unter anderem Infrastruktur und kommunale Aufgaben.
Erdgasabgabe
erhoben vom Bund
Eine bundesweit einheitliche Verbrauchssteuer auf Erdgas, geregelt im Erdgasabgabegesetz. Die Steuer wird pro verbrauchter Kilowattstunde erhoben und fließt direkt an den Bund. Trotz des kleinen prozentualen Anteils ist sie auf jeder Gasrechnung sichtbar, eingerechnet im Arbeitspreis deines Lieferanten.
CO₂-Bepreisung
erhoben vom NEHG 2022
Seit 2022 wird auf jede Tonne CO₂ aus fossilen Brennstoffen ein Aufschlag erhoben, 2026 liegt er bei 55 € pro Tonne. Auf Erdgas entspricht das rund 1,0 ct/kWh netto. Seit 1. Jänner 2025 verrechnen Gaslieferanten den CO₂-Preis direkt mit der Energierechnung, vorher liefen die Beträge über die Netzbetreiber.
Umsatzsteuer (USt)
erhoben vom Bund
Die Mehrwertsteuer wird mit 20 % auf den Netto-Gesamtbetrag aufgeschlagen, also auf Energiepreis, Netzentgelte und sonstige Abgaben gemeinsam. Auf der Bruttorechnung entspricht das rund 16,67 % der Endsumme. Die Umsatzsteuer ist mit Abstand der größte Steuerblock auf der Gasrechnung.
Schwerpunkt CO₂-Bepreisung
Wie hat sich die CO₂-Bepreisung seit 2022 entwickelt?
Mit der ökosozialen Steuerreform führte Österreich 2022 erstmals einen nationalen CO₂-Preis ein, geregelt im Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz (NEHG 2022). Der Preis stieg stufenweise an und liegt seit 2025 bei 55 Euro pro Tonne. Dieser Wert gilt bis zum Übergang in den europäischen Emissionshandel ETS 2, der auf 2028 verschoben wurde.
CO₂-Preis Österreich · NEHG 2022
Zertifikatspreis pro Tonne CO₂ und Auswirkung auf den Erdgaspreis
| Jahr | CO₂-Preis | Erdgas-Aufschlag (netto) | Kontext |
|---|---|---|---|
| 2022 | 30 €/t | ca. 0,55 ct/kWh | Einführung im Oktober |
| 2023 | 32,50 €/t | ca. 0,59 ct/kWh | Preisstabilitätsmechanismus |
| 2024 | 45 €/t | ca. 0,82 ct/kWh | erster größerer Sprung |
| 2025 | 55 €/t | ca. 1,0 ct/kWh | Lieferanten als Schuldner |
| 2026 | 55 €/t | ca. 1,0 ct/kWh | Überführungsphase |
| 2027 | 55 €/t | ca. 1,0 ct/kWh | fortgeschrieben nach § 19 NEHG |
Für einen Durchschnittshaushalt mit 15.000 kWh Erdgas pro Jahr bedeutet der CO₂-Preis 2026 zusätzliche Kosten von rund 180 € brutto, also etwa 15 € pro Monat. Bei einem CO₂-Ausstoß von rund 3 Tonnen pro Jahr und Haushalt ist das ein direkter Lenkungsanreiz zur Senkung des Verbrauchs.
Was zahlt ein Durchschnittshaushalt?
Beispielrechnung: Steuern auf 15.000 kWh Gas pro Jahr
Ein typischer österreichischer Haushalt verbraucht rund 15.000 kWh Erdgas pro Jahr für Heizung und Warmwasser. So verteilt sich die Steuerlast auf die vier Posten, die Beträge sind gerundet und beziehen sich auf einen mittleren Anbieter-Tarif 2026.
| Posten | Anteil am Gaspreis | Belastung pro Jahr | Empfänger |
|---|---|---|---|
| Gebrauchsabgabe | 4,69 % | ca. 70 € | Bundesland |
| Erdgasabgabe | 0,53 % | ca. 8 € | Bund |
| CO₂-Bepreisung | ca. 7 % | ca. 180 € | Bund (Klimabonus-Topf) |
| Umsatzsteuer (16,67 % vom Brutto) | 16,67 % | ca. 250 € | Bund |
| Summe Steuern und Abgaben | ca. 22 % | ca. 510 € | — |
Beispielrechnung auf Basis 15.000 kWh Jahresverbrauch und einem mittleren Bruttogesamtpreis von rund 1.500 € pro Jahr. Tatsächliche Beträge variieren je nach Bundesland, Anbieter und Tarif.
Auswirkung auf den Endpreis
Was bedeutet das für deine Gasrechnung?
Die Steueranteile haben drei Effekte, die sich Monat für Monat auf der Rechnung niederschlagen, und nur einer davon lässt sich direkt beeinflussen.
Verbrauchsabhängige Aufschläge
Gebrauchsabgabe, Erdgasabgabe und CO₂-Bepreisung steigen linear mit deinem Verbrauch. Wer mehr heizt, zahlt absolut mehr Steuern, Sparmaßnahmen und energetische Sanierung wirken hier doppelt.
Umsatzsteuer auf den Gesamtbetrag
Die 20 % USt werden auf den Netto-Gesamtbetrag aufgeschlagen, inklusive aller anderen Steuern und Abgaben. Steigt also irgendein Posten, steigt auch die USt-Belastung mit.
Kein Anbieter-Hebel auf Steuern
Anbieterwechsel senken nur den Energiepreis, Steuern und Abgaben bleiben für alle gleich. Der Hebel zum Sparen liegt bei den 69 % Energiepreis, nicht bei den 22 % Steueranteil.
Tipp von Christoph Kain · Country Manager Selectra DE & AT
Steuern lassen sich nicht verhandeln, der Energiepreis dagegen schon
Bei Steuern und Abgaben, ob Erdgasabgabe, CO₂-Preis oder USt, sind alle Anbieter gleich teuer. Der Wechselhebel sitzt deshalb beim Energiepreis, der rund 69 % der Rechnung ausmacht. Bei 15.000 kWh Verbrauch sind realistisch bis zu 600 € pro Jahr Differenz zwischen dem teuersten und günstigsten Tarif. Wer jetzt wechselt, federt die nächste CO₂-Preisstufe ab Bundesländer-Anhebung mit Leichtigkeit ab.
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