Das Wichtigste zuerst

  • Anschlusskosten: 2.500 – 5.000 € einmalig, plus Heizungsanschaffung, plus 20 Jahre Brennstoffkosten
  • Förderung: 0 € für neue Gasanschlüsse, substanzielle Bundes- und Landesförderungen für Wärmepumpe / Pellets / Fernwärme über die Sanierungsoffensive
  • Planungszeit: mindestens 3 Monate, oft länger bei Behördenverfahren
  • Stromliste-Empfehlung: Wärmepumpe oder Fernwärme prüfen, bevor du den Netzzutrittsvertrag unterschreibst

Lohnt sich 2026 noch ein neuer Gasanschluss?

Eine Frage, die wir am Telefon seit 2023 fast täglich hören: "Wir bauen ein Haus, Gas oder Wärmepumpe?". Die ehrliche Antwort ist heute klarer als noch vor drei Jahren: Bei Neubau oder grundlegender Sanierung führt der wirtschaftliche Pfad in fast allen Fällen weg vom Gas. Drei Faktoren haben das Bild gedreht:

  • Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG), schrittweiser Ausstieg aus fossiler Wärme bis 2040; Neubauten dürfen seit 2023 keine fossile Heizung mehr einbauen
  • Bundes-Sanierungsoffensive, substanzielle Zuschüsse für den Tausch auf Wärmepumpe / Pellets / Fernwärme (aktuelle Förderhöhen auf sanierungsoffensive.gv.at); Gasanschlüsse bekommen nichts
  • Lebenszykluskosten, über 20 Jahre liegt die Vollkostenrechnung Wärmepumpe in den meisten Konstellationen spürbar unter der Gas-Variante, schon ohne Berücksichtigung steigender CO₂-Preise

Gas vs. Wärmepumpe vs. Fernwärme, der ehrliche Vergleich

Grobe Größenordnung für die Anschaffungs- und laufenden Kosten in einem typischen Einfamilienhaus mit 130 m² in Österreich. Konkrete Förderbeträge wechseln mit den jährlichen Budgetrunden, wir verlinken dir die aktuelle Quelle.

Heiztyp Anschaffung brutto (Heizung + Anschluss) Förderfähig? Laufende Kosten / Jahr
Gasanschluss + Gastherme 8.000 – 14.000 € Nein ca. 1.400 – 2.000 €
Wärmepumpe (Luft) 22.000 – 32.000 € Ja, substanziell (Bund + Land) ca. 700 – 1.100 €
Fernwärme (wo verfügbar) 5.000 – 9.000 € Ja, je nach Bundesland ca. 1.200 – 1.800 €

Quelle: Stromliste-Marktbeobachtung Mai 2026. Werte gelten für ein typisches Einfamilienhaus mit etwa 130 m² und mittlerer Dämmung; tatsächliche Kosten variieren mit Bundesland, Hauszustand und Tarif. Aktuelle Förderhöhen unter sanierungsoffensive.gv.at.

Wann der Gasanschluss trotzdem sinnvoll sein kann

Es gibt Konstellationen, in denen Gas die richtige Wahl bleibt, auch 2026:

  • Bestandsgebäude mit funktionierender Gastherme, wenn die Anlage erst wenige Jahre alt ist und ein vorzeitiger Tausch wirtschaftlich nicht aufgeht
  • Gewerbeobjekte mit hohem Wärmebedarf, für die Wärmepumpen-Auslegung noch unwirtschaftlich ist
  • Bauliche Situation lässt keine Wärmepumpe zu, sehr ungünstige Gebäudehülle, kein Platz für Außeneinheit, denkmalgeschützte Fassade
  • Übergangslösung mit klarem Ausstiegspfad, wenn Wärmepumpe technisch geplant, aber Förderfristen verpasst wurden, kann ein temporärer Gasanschluss überbrücken

In allen anderen Fällen lohnt sich die ehrliche Lebenszyklus-Rechnung mit unseren Energieexpert:innen, bevor du den Netzzutrittsvertrag unterschreibst.

Gasanschluss-Kosten im Detail

Der einmalige Anschluss ist nur ein Teil der Rechnung. Wer einen Gasanschluss heute neu legen lässt, hat fünf Posten zu kalkulieren, von denen drei laufend wirken.

Was du dem Netzbetreiber zahlst

Die Gebühren des Netzbetreibers liegen typischerweise bei 2.500 – 5.000 € einmalig. Drei Faktoren bestimmen den genauen Betrag:

  • Zählergröße, Standard-Haushaltszähler bis 30 kW Leistung oder größerer 31 – 70 kW
  • Leitungslänge auf dem Grundstück, bis ca. 10 m im Pauschalpreis enthalten, jeder weitere Meter wird zusätzlich verrechnet
  • Anschlussposition im Haus, Innenliegender Anschluss (Kellerraum) oder außenliegender Wandkasten

Gibt es noch Förderungen für neue Gasanschlüsse?

Nein. Die Bundes-Sanierungsoffensive zielt explizit auf den Tausch fossiler Heizungen auf klimafreundliche Systeme, Wärmepumpen, Pellets, Hackgut, Fernwärme. Neue Gasanschlüsse fallen nicht darunter, manche Bundesländer haben sie sogar aus Bauordnungen ausgeschlossen.

Was wir am Telefon häufig hören: "Aber bei uns gibt's doch noch Gas-Förderung?", meist verwechseln Bauherren das mit Förderungen für die Alternative, oder mit alten Landesförderungen, die in den vergangenen Jahren ausgelaufen sind. Aktueller Stand: keine Bundes- und kaum noch Landesförderungen für Gas-Neuanschlüsse.

Wenn du dich trotzdem für Gas entscheidest, so läuft es ab

Der Ablauf folgt einer fixen Reihenfolge, Verträge, Bau, Abnahme. Plane mindestens drei Monate vom ersten Termin bis zur Inbetriebnahme ein.

  1. 01

    Verfügbarkeit prüfen

    Liegt eine Gasleitung in deiner Straße? Wenn ja, bezahlst du nur die Stichleitung zum Haus. Wenn nein, wird es teuer oder unmöglich, dann ist die Wärmepumpen-Alternative fast immer die bessere Wahl.

  2. 02

    Planung mit Installateur:in + Rauchfangkehrer:in

    Bescheinigung über die Eignung von Kamin und Anlage, Festlegung der Zählerposition, Kostenvoranschlag für die Heizungsanlage. Bei Neubau jetzt auch entscheiden: Innen- oder außenliegender Anschluss.

  3. 03

    Verträge: Netzzutritt + Erdgaslieferung

    Netzzutrittsvertrag mit dem Netzbetreiber (Adresse + geschätzter Jahresverbrauch + gewünschte Anschlussleistung), Erdgasliefervertrag mit dem Energieanbieter deiner Wahl. Du kannst auch dem Lieferanten Vollmacht zur Anschlussabwicklung erteilen.

  4. 04

    Bau der Leitung

    Mindesttiefe 0,80 m, frostsicher, mit Gefälle zur Hauseinführung. Bei Querungen von Bahnstrecken oder Bundesstraßen sind zusätzliche Behördenverfahren nötig. Die Hauseinführung muss in einem trockenen, belüfteten, nicht zu Wohnzwecken genutzten Raum erfolgen.

  5. 05

    Sicherheitstechnische Abnahme + Inbetriebnahme

    Kaminbefund (Rauchfangkehrer:in), Elektro-Attest (Öve-Attest), Netzzugangsvertrag. Erst nach erfolgreicher Abnahme darf das System in Betrieb gehen.

Innenliegend oder außenliegend?

Innenliegender Anschluss

Im Kellerraum mit Hauptabsperrhahn, muss im Notfall leicht zugänglich sein. Vorteil: geschützt vor Wetter, kompakte Lösung. Nachteil: Raum dauerhaft für Anschluss reserviert.

Außenliegender Anschluss

Wandkasten an der Hausaußenseite, vom Netzbetreiber gestellt, frei zugänglich. Vorteil: kein Innenraum belegt, klare Trennung Netz/Haus. Nachteil: Wandkasten muss sichtbar bleiben.

Welche Verträge du brauchst

Adresse-gebunden

Netzzutrittsvertrag

Mit dem Netzbetreiber (Wiener Netze Gas, EVN Netz, etc.). Du beauftragst ihn, die physische Gasversorgung herzustellen. Nicht wählbar, vorgegeben durch die Adresse.

Frei wählbar

Erdgasliefervertrag

Mit dem Gaslieferanten deiner Wahl. Du wählst Tarif und Vertragsbedingungen. Wechselbar wie ein Stromvertrag, seit ElWOG-Novelle 2022 mit 2 Wochen Frist.

Wie lange dauert die Installation?

Realistisch drei Monate Minimum, im Schnitt 4 – 6 Monate. Drei Faktoren strecken den Zeitplan:

  • Bausaison, Winter: eingeschränkte Erdarbeiten; Sommer: hohe Nachfrage, Wartezeiten
  • Behördenverfahren, bei Querungen von Bahnstrecken, Gewässern oder Bundesstraßen plus zwei bis sechs Wochen
  • Sicherheitstechnische Abnahme, alle Atteste (Kamin, Elektro, Installation) müssen vorliegen, bevor das System läuft

Wer den Anschluss zum Heizungsbeginn im Herbst will, sollte spätestens im Frühling mit der Planung beginnen. Bei einer parallel laufenden Bauphase: Anschluss-Termin früh fixieren, sonst hängt die ganze Heizungsanlage daran.

Vergleich Gas vs. Wärmepumpe vs. Fernwärme

Wir rechnen deine Optionen ehrlich durch

Unsere Energieexpert:innen vergleichen Lebenszykluskosten Gas / Wärmepumpe / Fernwärme für deinen konkreten Fall, inklusive aktueller Förderlage und passendem Liefertarif. Wenn am Ende doch Gas die richtige Wahl ist, übernehmen wir die Anbieterauswahl. Kostenlos.

  • Ehrliche Empfehlung
  • Lebenszykluskosten
  • Förderlage berücksichtigt