Fernwärme – Funktionsweise, Einsatz, Vorteile und Nachteile

Heizungsrad

Fernwärme soll sauber, umweltfreundlich und komfortabel sein denn Fernwärmeunternehmen liefern bereits vorhandene Wärme. Die Versorgungsnetze sollen zur Nachhaltigkeit beitragen und in der Einsparung von Primärenergieträgern resultieren. Erfahren Sie hier, wie Fernwärme erzeugt und genutzt wird - und welche Vor- und Nachteile diese Heizungsart für KundInnen birgt.

Funktionsweise und Einsatz von Fernwärme

Was ist Fernwärme?

Fernwärme ist Heizungswärme, die über ein Leitungssystem zu den Gebäuden transportiert wird.

Wie wird Fernwärme erzeugt?

Das heiße Wasser, das für die Fernwärme essentiell ist, wird aus Kraft-Wärme-Kopplung (gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme) gewonnen und mit Hilfe von Rohrleitungssystemen zum Verbraucher transportiert. Dabei entsteht die Wärme als Nebenprodukt der Stromerzeugung. In der Praxis ist Fernwärme Heizungswärme. Dabei werden Wohnungen und Gebäude auch mit Warmwasser versorgt. Fernwärme ist flexibel, weil jede Art von Brennstoffen (Biomasse, Kohl, Öl, Erdgas, Müll, Biogas) für die Erzeugung genutzt werden kann. Heizkessel und Brennstofflager entfallen durch den Fernbezug. Positiver Nebeneffekt: Die Kraft-Wärme-Kopplung Technologie trägt zur Reduktion von CO2-Emission in Österreich bei. Demnach hat die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung Technologie zur Fernwärmeversorgung in Ballungszentren dazu beigetragen, Österreichs C02-Emissionen zu reduzieren.

Wie wird Fernwärme in Österreich verteilt?

Thermische Energie, die für die Bereitstellung von Fernwärme essentiell ist, wird in der Regel über erdverlegte, isolierte Rohrleitungen von Versorgern wie Kohlekraftwerken und Biomassekraftwerken geliefert. Dementsprechend wird Fernwärme über Heißwassernetze der Wärmeversorgungsunternehmen Österreichs verteilt. Die Trassenlänge stieg von 4.918 km im Jahr 2013 auf etwa 5.000 km in 2015. Die durchschnittliche Zubaurate im Zeitraum 2016 bis 2025 liegt bei 58 km jährlich. Es wurden bereits mehr als € 100. Mio. an Fördermitteln vergeben, die dazu beigetragen haben, dass der Ausbau der Infrastruktur nachhaltig stimuliert und CO2 Emissionen im Umfang von 400.000 t eingespart wurden. In Österreich wird Fernwärme mit steigender Tendenz von 24 Prozent der Wohnungen, überwiegend in Ballungszentren (wegen der hohen Wärmedichte), bezogen.

Einzelne Rohre

Umweltfreundliche Brennstoffe

Erneuerbarer Brennstoff – Abfall:

Es bietet sich an, Abfall als Brennstoff zu nutzen: Abfall zu verbrennen, spart Platz und erzeugt Energie. Wien hat den Anfang gemacht: 1971 und 2008 gingen die Anlagen Spittelau und Simmering in Betrieb. Sie verarbeiten pro Jahr 200.000-250.000 Tonnen Müll und produzieren 1,453.907 MWh an Fernwärme. Bei Müll als Heizungsenergie wird dreimal soviel Energie erzeugt als bei anderen Brennstoffen. Damit wurden bisher Millionen an Tonnen CO2 eingespart.

Abwärme:

Abwärme zu nutzen hat den Vorteil, dass Wärmeproduktion und Wärmenachfrage deckungsgleich sind. Abwärme ist eine ungenutzte Wärmemenge, die in Industrie- und Gewerbebetrieben in der Produktion entsteht. Es lohnt sich jedoch nur die Abwärme zu nutzen, wenn die Distanz zwischen Industriebetrieb und Wärmeabnehmer nicht zu groß ist.

Biomasse:

Bei Biomasse handelt es sich meist um Rinden, Hackschnitzel oder Holz. Im Jahr 2006 wurde das Biomassekraftwerk in Wien-Simmering eröffnet, das rund 12.000 Haushalte mit Wärme versorgt. In der Steiermark entstand das erste Biomasse-Wärmenetz bereits 1980. Mittlerweile sind dort mehrere kleinere Wärmenetze vorzufinden. Die Anlagen erfreuen sich weiter Beliebtheit, die Tendenz der Fernwärmeproduktion mit Biomasse steigt.

Sonnenenergie:

Bei der Sonnenenergie wird zum einen die Photovoltaik eingesetzt. Hier wandeln Solarzellen Sonnenlicht in elektrischen Strom um. Zum anderen wird Solarthermie eingesetzt: Bei der Solarthermie wird Sonnenwärme "eingesammelt", in einen Kreislauf übergeben, in dem eine Flüssigkeit (“Wärmeträgerflüssigkeit”) zirkuliert, Wärme abgeführt und in einem Wassertank gespeichert wird.

Wärme aus der Erde:

Hydrothermale Tiefengeothermie - in Ausbau: Auch die Erde kann als Wärmespeicher herhalten. Diese soll so viel Energie enthalten, dass sie die Menschheit für 100.000 Jahre mit Wärme versorgen könnte. Österreichs Heißwasser liegt in der Tiefe, die erst durch Förderbohrungen zutage gebracht werden können.

Wie viele Anbieter gibt es pro Region?

Fernwärme ist nicht überall in Österreich verfügbar. Gut versorgt sind Ballungszentren. Je Region gibt es nur einen Fernwärmeanbieter. Fernwärme ist nicht privatisiert, die Verbraucher können sich ihren Fernwärmeanbieter daher nicht aussuchen.

Wie setzen sich die Kosten bei dem Fernwärme-Bezug zusammen?

Die Kosten für Fernwärme setzen sich - ähnlich wie bei Strom und Gas - aus einem Arbeits- und einem Grundpreis zusammen. Der Arbeitspreis ist vom Energieverbrauch abhängig. Fernwärme unterliegt im Vergleich zu Strom und Gas keinen allzu großen Preisschwankungen.

Was gilt dann für Fernkälte?

Auch Fernkälte wird besonders in Ballungszentren bezogen. Fernkälte soll umweltschonender und kostengünstiger sein als konventionelle Gebäudeklimatisierung. In den USA und Japan sind bereits 80% aller Büroflächen klimatisiert, im Vergleich dazu sind es in Europa weniger als 50 %. Die Nachfrage nach Klimatisierung steigt kontinuierlich. Fernkälte ist umweltfreundlich: Großanlagen, die für die Produktion von Fernkälte notwendig sind, würden Einsparungen an Primärenergieträgern und CO2 ermöglichen.

Fernkälte in Wien – Umweltfreundlich und innovativ?

Die Erzeugung der Fernkälte erfolgt in der Praxis in Absorptionskältemaschinen, bei denen statt Strom Wärme für die Erzeugung der Kälte verwendet wird. Ob diese Methodik umweltfreundlich ist oder nicht, ist abhängig von der Herkunft der Wärme. In Wien soll die Herkunft aus den bereits erwähnten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und aus der thermischen Abfallbehandlung stammen. Dabei wird also Abwärme verwendet (s. Umweltfreundliche Brennstoffe). Im Jahr 2009 ging die Fernkältezentrale in der Spittelau ans Netz, der größte Produzent von Fernkälte in Wien, die unter anderem das Allgemeine Krankenhaus (AKH) der Stadt Wien versorgt.

Pro und Contra Fernwärme
Vorteile Nachteile
  • Sicherheit: wird gewährleistet; Fernwärme enthält weder Feuer noch Gefahrstoffe, es wird Warmwasser geliefert
  • Komfort: Einfache Art der Bedienung (vollautomatischer Betrieb), regelmäßige Wartung
  • Einsparungen: Platzersparnis: Technik nimmt nicht viel Platz ein Wartungskosten: Aufstellraum der Technik ist dadurch zusätzlich nutzbar Schornsteinfeger: Es entstehen keine Abgase, Gerüche oder Ruß, dadurch ist kein Schornstein nötig, Einsparungen auch beim Heizkessel Preis: unterliegt weniger Schwankungen
  • Umweltfreundlichkeit: Günstige CO2 Bilanz durch KWK-Anlage, laut EEG gilt diese als Ersatzmaßnahme
  • Effizienz in der Heiztechnik: Einsparung von Energie, Senkung von Schadstoffemissionen Übernahme von Beschaffung, Vorfinanzierung und Lagerkapazitäten für die Brennstoffe: Lieferung frei Haus
  • Flexibilität: Einsatz von verschiedenen Energieträger wie Biomasse, Solarenergie, Reststoffverwertung und Abwärme aus Stromerzeugung und Industrie; Flexibilität ist bei der Weiterentwicklung des gesamten Energiesystems entscheidend, keine andere Heizungsart kann so viele Rohstoffe nutzen kann und dabei umweltfreundlich und zuverlässig bleiben
  • KWK (Kraft-Wärme-Kopplung)-Anlagen haben eine umweltschädliche Komponente trotz der optimalen Ausnutzung der Brennstoffe: Zuführung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl) → negative Auswirkungen auf die Umwelt, besser: Gebrauch von Biomassekraftwerken → biogene Festbrennstoffe (bspw. Holzreste) statt fossile Brennstoffe (regional jedoch leider häufig nicht verfügbar) → umweltfreundlicher
  • Teil der produzierten Wärme geht durch lange Transportwege verloren, Wirkungsgrad ist geringer → Auswirkungen auf Effizienz
  • Kurzfristiger Anbieterwechsel ist nicht möglich: → wird durch die langfristige Bindung an den Erzeuger durch Anbieter-Monopol verunmöglicht → Lange Vertragslaufzeiten (bis zu 10 Jahren!) ohne Sonderkündigungsrecht
  • Steigende Preise durch teurer werdende Heiztechnologie
  • Große Nachteile gegenüber anderen Energieträgern
  • Mangelnde Verfügbarkeit: Außerhalb von Ballungsräumen häufig nicht verfügbar
  • Umrüstung ist aufwendig und mit hohen Kosten verbunden
  • Tipps: Vor Bezug Kostenvergleich aufstellen um unnötige Leistungen zu vermeiden und einen Heizcheck durchführen lassen (Kunde erhält vom Energieberater Tipps wie die Effizienz des Heizsystems verbessert werden kann)

Direkt aus der Stadt – Wien Energie Fernwärme

Die Stadt Wien ist Vorreiter, was die Bereitstellung von Fernwärme- und kälte anbelangt, die Müllverbrennungsanlage Spittelau (entworfen von Friedensreich Hundertwasser) hat sich zu einem Wahrzeichen der Stadt gemausert. Sie nutzt Kraft-Wärme-Kopplungen, thermische Abfallbehandlung und erneuerbare Energieträger. Diese Kombination soll die Fernwärme der Wien Energie intelligent, komfortabel, sicher und preiswert machen. In der Bundeshauptstadt konnten durch Fernwärme bereits 1,9 Millionen Tonnen Schadstoffemissionen pro Jahr vermieden werden. Ein Charakteristikum der Wien Energie Fernwärme ist das eng vernetzte Rohrleitungssystem, das 1.100 Kilometer lang ist und die Versorgung von Wohnungen, Krankenhäusern und Schulen ermöglicht. Damit gehört die Wien Energie zu den größten Fernwärmeunternehmen Europas. Insgesamt beliefert das Unternehmen über 300.000 PrivatkundInnen und über 6.000 Gewerbe mit Wärme.

Profil und Werdegang des Unternehmens

Die Wien Energie Fernwärme ist eine Tochtergesellschaft der Wien Energie GmbH. Der Unternehmenszweig besteht bereits seit 1969: Der Bauboom nach dem Ende des zweiten Weltkriegs hatte es erforderlich gemacht, genügend Heizwärme für die neu errichteten Gebäude zu erzeugen. Es entstanden in Wien mehrere Heizzentralen und Blockheizwerke. Durch den aus dem Wiederaufbau resultierenden Wohlstand stiegen die Abfallmengen. Die erste thermische Abfallbehandlungsanlage wurde errichtet. Die Nachfrage stieg, und das Fernwärmewerk Spittelau wurde errichtet. Dort wird Abfall verbrannt und Wärme erzeugt. Insgesamt wurde so in Wien weniger Öl und Gas für die Wärmeerzeugung benötigt. Die Heizbetriebe Wien (HBW) wurden ins Leben gerufen, um ein Fernwärmenetz und dessen Nutzung im sozialen Wohnbau zu ermöglichen.

Ursprünge in der Geschichte – Interesting Fact Die Idee der Fernwärme geht ganze 2000 Jahre zurück und findet ihre Ursprünge schon bei den Römern, die Wasser aus heißen Thermalquellen zur Gebäudeheizung nutzen. Dabei transportierten sie das Wasser mithilfe von Leitungssystemen.

Fernwärme einfach erklärt:

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