Auf einen Blick

Importanteil

~ 90 %

Erdgas kommt aus dem Ausland

Speicher AT

~ 95 TWh

über einem Jahresverbrauch AT

Gasanbieter

~30

lizenzierte Lieferanten AT-weit

Gasheizungen

~ 23 %

der AT-Haushalte heizen mit Gas

Woher kommt unser Gas?

Österreich verbraucht in einem Normaljahr rund 86 TWh Erdgas — etwa 10 % davon stammen aus heimischer Förderung im Wiener Becken und im oberösterreichischen Voralpenraum, die restlichen 90 % werden importiert. Welcher Liefer-Mix dabei zustande kommt, hat sich seit 2022 fundamental verschoben.

Vor 2022

Russland dominant

Im langjährigen Schnitt rund 80 % der Importe aus Russland, in Einzeljahren leicht schwankend — transportiert über die Ukraine. Restlieferungen aus Norwegen und einzelne LNG-Mengen blieben Randerscheinungen.

Übergang ab 2022

Diversifizierung

Ausbau von Norwegen-Lieferungen, Aufbau von LNG-Routen über Italien und Deutschland, Beitritt zur EU-Gemeinschaftsbeschaffung. Der OMV-Gazprom-Liefervertrag wurde Ende 2024 vorzeitig beendet, der russische Anteil sinkt seitdem deutlich.

Ziel 2027

Unabhängigkeit von Russland

Bis 2027 möchte Österreich russisches Gas vollständig ersetzen. Gleichzeitig soll der Gesamtverbrauch bis 2030 um etwa ein Drittel sinken — rund 29 TWh weniger durch Heizungstausch und Effizienz.

Physisch kommt das Gas über drei Hauptpipelines nach Österreich: die WAG (West-Austria-Gasleitung aus Deutschland), die TAG (Trans-Austria-Gasleitung Richtung Italien) und die HAG (Hungaria-Austria-Gasleitung). LNG kommt nicht direkt nach Österreich — es wird in italienischen oder deutschen Terminals angelandet und über die TAG bzw. WAG weitergeleitet.

Wer verbraucht das Gas in Österreich?

Anders als beim Strom ist die Industrie der größte Verbraucher — und der schwierigste, wenn es ums Ersetzen geht. Privathaushalte sind der zweitgrößte Block, hier ist der Ausstieg technisch möglich aber teuer.

Produktion

~55 %

Industrie — Stahl, Glas, Düngemittel, Chemie. Hier ist Erdgas am schwersten zu ersetzen.

Privathaushalte

~33 %

Heizen und Warmwasser. Technisch durch Wärmepumpe / Fernwärme ersetzbar.

Dienstleistung

~8 %

Gewerbe und Büros — Heizung, Warmwasser, gelegentlich Prozesswärme.

Verkehr & Landw.

~5 %

Hauptsächlich Pipeline-Transport selbst, Kompressorstationen, Restlandwirtschaft.

Rund 63 TWh der 86 TWh fallen in die Heizperiode Oktober bis März — die Saisonalität ist also extrem ausgeprägt. Genau deshalb sind die heimischen Gasspeicher so wichtig: Sie überbrücken den Winter, in dem die Lieferungen nicht mit dem Verbrauch mithalten könnten.

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Gasanbieter vs. Gasnetzbetreiber

Gleicher Mechanismus wie beim Strom: zwei Unternehmen auf einer Rechnung, eines frei wählbar, eines fest. In der Beratung sehen wir dieselben Verwechslungen wie beim Strommarkt — wir gehen es deshalb hier nochmal explizit durch.

Gasanbieter

Verkauft dir das Gas. Seit der Gasmarktöffnung 2002 frei wählbar — du suchst dir den günstigsten Tarif, der Wechsel läuft online oder am Telefon. Das Gas fließt weiter durch dieselbe Leitung, du bekommst nur eine andere Rechnung.

Auf der Rechnung als "Lieferant" — etwa 40 bis 50 % der Gesamtkosten bei aktuellen Marktpreisen

Gasnetzbetreiber

Betreibt die Leitung zu deinem Haus. Regional vorgegeben — in Wien Wiener Netze, in Niederösterreich Netz Niederösterreich, in Tirol TIGAS-Netz. Wechseln nicht möglich.

Auf der Rechnung als "Netzentgelt" — reguliert durch die E-Control

Versorgungssicherheit & Speicher

Österreich hat eine der höchsten Speicher-zu-Verbrauch-Relationen in Europa. Die heimische Speicher-Kapazität liegt bei rund 95 TWh — mehr als ein gesamter Jahresverbrauch. Verteilt auf drei große Standorte:

Oberösterreich

Haidach

~ 33 TWh

Größter Erdgasspeicher Österreichs und einer der größten Mitteleuropas, gemeinsam betrieben von OMV und Uniper.

Niederösterreich

7Fields

~ 28 TWh

Speicherfeld der RAG Austria in der Steyrling-Senke, eines der wichtigsten Saisonalspeicher.

Niederösterreich

Schönkirchen / Tallesbrunn

~ 21 TWh

OMV-Speicherkomplex im Wiener Becken, kombinierter Erdgas-/Produktionsspeicher.

Was das praktisch bedeutet:

Anfang Winter

90 – 100 %

Typischer Füllstand Ende Oktober — gesetzlich vorgeschrieben sind in Österreich aktuell ≥ 90 %

Ende Winter

30 – 50 %

Typischer Füllstand März/April nach milder bis durchschnittlicher Heizsaison

Strategische Reserve

vom Staat vorgehalten

Österreich hält eine strategische Erdgasreserve vor, deren Volumen vom BMK regelmäßig angepasst wird

Wer regelt das? AGGM, GWG und Energielenkungsgesetz

Drei Akteure und Gesetze, die im Alltag unsichtbar bleiben — und in einer Krise auf einmal über alles entscheiden:

Operativer Marktbetrieb

AGGM

Austrian Gas Grid Management AG — Marktgebietsmanager für das österreichische Marktgebiet Ost (deckt rund 95 % des Verbrauchs ab). Verantwortet Fluss-Steuerung, Bilanzierung und tagesaktuelle Verteilung. Pendant zur APG (Austrian Power Grid) beim Strom.

Rechtsgrundlage Markt

GWG 2011

Gaswirtschaftsgesetz 2011 — die zentrale Rechtsgrundlage für den österreichischen Gasmarkt. Regelt Marktöffnung, Anbieter-Lizenzen, Versorgungspflichten, Wechselrechte und Verbraucherschutz. Wer wechseln darf, was der Anbieter darf und was nicht — alles dort verankert.

Krisen-Eingriff

EnLG

Energielenkungsgesetz — die Rechtsgrundlage, falls die Versorgung kippt. Erlaubt regulierte Zuteilung, Vorrang-Versorgung geschützter Kund:innen und Reduktions-Anordnungen bei Großverbrauchern. Greift erst in der Notfallstufe.

Über allem steht die E-Control (Energie-Control Austria) als unabhängiger Regulator — sie genehmigt Netzentgelte, überwacht den Markt, veröffentlicht den jährlichen Marktbericht und ist die Schlichtungsstelle bei Streit zwischen Anbieter und Kund:innen.

Der österreichische Gasnotfallplan

Drei Stufen, abgestuft nach Eingriffstiefe — entlang der EU-Vorgaben (SoS-Verordnung):

  • Frühwarnstufe — gilt seit März 2022. Verschärftes Monitoring, Sparappelle, keine Eingriffe in die Belieferung.
  • Alarmstufe — marktbasierte Maßnahmen: erzwungene Reduktion bei Großverbrauchern gegen Entschädigung, Aktivierung der strategischen Reserve.
  • Notfallstufe — regulierte Zuteilung. Geschützte Kund:innen (Haushalte, Krankenhäuser, Schulen) werden vor allen anderen versorgt; Industrie wird abgeschaltet.

Was Kund:innen am Telefon oft fragen: "Werde ich abgeschaltet, wenn es eng wird?" — Die Antwort: Private Haushalte gelten als geschützte Kund:innen im Sinne der EU-Verordnung. Sie werden zuletzt von einer Mengen-Reduktion betroffen — vor ihnen müssten erst Industrie, Gewerbe und nicht-geschützte Großverbraucher abgeschaltet werden. Das ist auch in der akuten Versorgungskrise 2022/2023 in der EU nirgends passiert.

Was bedeutet das alles für dich als Kund:in?

Drei Dinge sind in der aktuellen Marktphase wichtig — wir hören sie in der Beratung in dieser Reihenfolge fast täglich.

01

Bestehende Heizung

Du heizt mit Gas und planst keinen Wechsel? Tarif jährlich vergleichen, vor allem nach Ablauf einer Preisgarantie. Gaspreise schwanken seit 2022 deutlich stärker als vor der Krise.

02

Heizung am Lebensende

Wenn deine Gastherme älter als 20 Jahre ist: bevor du eine neue kaufst, Förderlandschaft prüfen ("Raus aus Öl und Gas" zahlt aktuell bis zu 75 % der Mehrkosten beim Wechsel auf Wärmepumpe / Fernwärme).

03

Neubau

In den meisten Bundesländern sind Gasanschlüsse im Neubau nicht mehr genehmigungsfähig. Wer trotzdem mit Gasplänen rechnet, sollte den lokalen Bauträger und die Bauordnung prüfen, bevor Verträge unterschrieben werden.

Wo wird in Österreich noch mit Gas geheizt?

Der bundesweite Schnitt von 23 % Gasheizung verdeckt enorme regionale Unterschiede — Wien ist eine eigene Welt, die Westregionen kennen kaum Gasanschlüsse. Hier die Anteile der Hauptwohnsitze mit Erdgas als Hauptheizmittel pro Bundesland:

Wien

~ 50 %

Mit Abstand höchster Anteil — kompakter Stadtraum, Fernwärme und Gas dominieren

Niederösterreich

~ 25 %

Stark in den ostösterreichischen Industrieräumen und im Wiener Speckgürtel

Oberösterreich

~ 25 %

Linzer Zentralraum + große Industriebetriebe — Pellets dominieren ländlich

Burgenland

~ 20 %

Teils Pipeline-Nähe (HAG), aber große Flächen ohne Anschluss

Steiermark

~ 15 %

Vor allem Graz und Voitsberg — Großteil des Landes ohne Gasinfrastruktur

Salzburg

~ 15 %

Stadt Salzburg + Tennengau, sonst Pellets/Wärmepumpe/Fernwärme

Kärnten

~ 10 %

Sehr geringe Verbreitung, lokal nur in Klagenfurt-Umgebung

Tirol

~ 10 %

Im Wesentlichen nur Innsbruck und engerer Inntal-Raum

Vorarlberg

~ 5 %

Kleinstes Bundesland gasseitig — Wärmepumpe und Pellets dominant

Werte gerundet, basierend auf Statistik Austria-Mikrozensus zu Hauptheizmitteln. Stand: aktuellste verfügbare Erhebung. Anteile beziehen sich auf Hauptwohnsitze, nicht auf Gebäude.

Was kommt nach Erdgas?

Erdgas ist im AT-Heizmix langfristig eine Brückentechnologie. Drei Linien zeichnen sich ab, wie das bestehende Gasnetz weitergenutzt wird — und welche Rolle Haushalte dabei spielen.

Biomethan

Bestehendes Netz, grünere Quelle

Aus Biogas-Anlagen (Landwirtschaft, Klärwerke, Biomüll) ins bestehende Gasnetz eingespeist. Für dich als Haushalt ändert sich nichts — Anschluss bleibt, Quelle wird schrittweise grüner. Aktueller Anteil noch unter 1 %, Bundes-Ziele über das Erneuerbaren-Gas-Gesetz (EGG) sind in Diskussion.

Wasserstoff (H₂)

Industrie zuerst, Haushalt kaum

AT-Wasserstoff-Strategie (2022) zielt vor allem auf Industrie (Stahl, Chemie, Düngemittel). Bestehende Gasnetze tolerieren nur kleine Beimischungen (~10–20 %), reine H₂-Netze für Haushalte sind unrealistisch — wer aus Gas raus will, wechselt das Heizsystem, nicht den Brennstoff.

Phase-out Haushalt

Bis 2040 raus aus Gas

Neue Gasanschlüsse im Neubau sind in den meisten Bundesländern nicht mehr genehmigungsfähig. „Raus aus Öl und Gas" fördert Bestandsumstellungen mit bis zu 23.000 € Sanierungsbonus. Bundes-Strategie: Haushaltssektor bis 2040 Schritt für Schritt entkoppeln.

Aus der Beratung: Wer heute eine intakte Gastherme hat, muss nicht panisch tauschen — das Gasnetz bleibt für viele Jahre operativ. Aber wer ohnehin am Lebensende der Therme steht, sollte vor dem Ersatz die Heizsystem-Alternativen und Förderungen sauber durchrechnen. Eine neue Gastherme heute hat eine Lebensdauer von 15–20 Jahren — und passt damit ungefähr genau ins Phase-out-Fenster.