Auf einen Blick
AT-Anteil
~ 28 %
der Haushalte — Platz 1
Netzlänge
~ 5.700
km Rohrnetz österreichweit
Anschluss
3 – 8 T€
einmalige Anschluss-Gebühr
Förderung
bis 75 %
Mehrkosten beim Wechsel von Gas/Öl
Wie funktioniert Fernwärme?
Fernwärme funktioniert nicht wie Strom oder Gas — es kommt kein Brennstoff ins Haus, sondern fertig erhitztes Wasser. In einer Wärmequelle (Müllverbrennung, KWK-Anlage, Biomasse-Kraftwerk, Großwärmepumpe oder Geothermie) wird Wasser auf 80–130 °C aufgeheizt und über ein geschlossenes Rohrleitungsnetz unter Druck verteilt.
Im Haus übernimmt eine Übergabestation (auch „Wärmetauscher“) die Energie aus dem Fernwärmenetz und überträgt sie auf den eigenen Heizkreislauf — Heizkörper und Warmwasserspeicher arbeiten ganz normal. Das abgekühlte Wasser läuft über die Rücklaufleitung zurück zur Quelle und wird neu erhitzt. Du brauchst keinen Kessel, keinen Schornstein und keine Brennstofflagerung.
Quelle
Erzeugt die Wärme
Müllverbrennung, KWK, Biomasse, Geothermie, Großwärmepumpe — je nach Stadt unterschiedlich. Der Quellenmix bestimmt den CO₂-Faktor.
Netz
Transportiert
Hauptleitungen und Verteilleitungen — gedämmtes Stahlrohrnetz unter Druck. Vorlauftemperatur typisch 80–130 °C, Rücklauf 40–70 °C.
Übergabestation
Im Haus
Kompakter Wärmetauscher im Keller (~Größe einer kleinen Gastherme). Trennt das Fernwärmenetz hydraulisch vom Heizkreis. Der Anbieter wartet, du nutzt.
Was kostet Fernwärme — Anschluss und Betrieb
Fernwärme rechnet ähnlich ab wie Strom und Gas: Arbeitspreis (cent/kWh nach Verbrauch) plus Grundpreis (€/Jahr nach Anschlussleistung). Dazu kommt einmalig die Anschlussgebühr beim Erstanschluss.
Arbeitspreis
~ 8 – 11 ct/kWh
Verbrauchsabhängig. Beispiel 15.000 kWh Wärmebedarf: rund 1.200–1.650 € pro Jahr.
Grundpreis
~ 250 – 500 €
Pro Jahr, abhängig von der Anschlussleistung (typisch 10–20 kW für Einfamilienhaus).
Anschluss einmalig
~ 3 – 8 T€
Plus Übergabestation 2.000–4.000 €. Im Neubau oder Sanierung deutlich günstiger als Nachrüstung.
Fernwärme vs. Gas vs. Wärmepumpe (Einfamilienhaus, 15.000 kWh/Jahr)
Direkter Vergleich der drei wichtigsten Heizsysteme in einem typischen Einfamilienhaus mit 140 m² und 15.000 kWh Wärmebedarf. Die Spannen ergeben sich aus Anbieterunterschieden und regionalen Tarifen.
Wärmepumpe (gut gedämmt)
~ 1.100 €/J
Sole-WP oder Luft-WP mit JAZ 3,5–4,5 und Wärmestromtarif. Niedrigster Betrieb, höchste Anschaffung.
Fernwärme
~ 1.400 €/J
Arbeits- + Grundpreis kombiniert. Wenig Schwankung, kein Wartungsaufwand zusätzlich.
Pelletheizung
~ 1.500 €/J
Pellets aus AT-Produktion; Preise schwanken jahreszeitabhängig.
Erdgas (Bestand)
~ 1.900 €/J
Brennwerttherme, inkl. Wartung. CO₂-Bepreisung trifft Gas direkt.
Heizöl
~ 2.100 €/J
Höchste Energiekosten und Umwelt-Belastung; teils Tauschpflicht bei Defekt.
Modellrechnung Stromliste-Beratung Mai 2026. Annahmen: 140 m², 15.000 kWh Wärmebedarf, durchschnittliche Tarife. CO₂-Bepreisung 2026 inkludiert.
Strom- und Gaskosten neben der Fernwärme — beides geprüft?
Kostenloser Tarifvergleich am Telefon — Fernwärme bleibt, aber Haushaltsstrom und Gas musst du jährlich vergleichen.
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Wo ist Fernwärme verfügbar — und wer beliefert?
In Österreich gibt es pro Versorgungsgebiet genau einen Fernwärme-Anbieter — anders als bei Strom oder Gas kein freier Wettbewerb. Die größten Versorger nach Netzlänge und Kundenzahl:
Wien Energie
Wien & Umland
Rund 1.300 km Netz, über 460.000 Versorgte. Quellenmix: Müllverbrennung (Spittelau, Pfaffenau, Simmering), Großwärmepumpen, zunehmend Geothermie. Größtes Fernwärme-Netz Mitteleuropas.
Linz AG / Linz Strom
Linz & Zentralraum OÖ
Hauptquelle die KWK-Anlage am Voest-Stahlwerk, plus Müllverbrennung WAV Wels. Lange Tradition, dichtes innerstädtisches Netz.
Energie Graz
Graz & Umland
Großer Biomasse-Anteil aus dem Heizkraftwerk Mellach, plus KWK. Programm zum Phase-out fossiler Quellen läuft.
Salzburg AG
Salzburg Stadt + Tennengau
Mix aus Biomasse, KWK und Gas. Ausbau in Stadtteilen wo Gas und Öl zurückgebaut werden.
IKB Innsbruck
Innsbruck & Inntal
Mehrere kleine Heizwerke, zunehmend Biomasse und Geothermie. Kompaktes innerstädtisches Netz.
Energie Klagenfurt
Klagenfurt + Wörthersee
KWK-basiert, plus zunehmend Biomasse. Kleinerer, aber etablierter Netzbestand.
Aus der Beratung: Wir bekommen oft die Frage „Kann ich beim Fernwärme-Anbieter wechseln, wenn die Preise steigen?“ — die Antwort ist nein, jedes Gebiet hat genau einen Versorger. Wer rauswill, kann nur das ganze Heizsystem austauschen. Beim Erstanschluss lohnt sich deshalb ein direkter Blick auf den Tarif des lokalen Anbieters, nicht nur auf den Bonus.
Vor- und Nachteile im Klartext
Fernwärme ist nicht für jedes Haus die richtige Wahl — wir benennen die Schwachstellen so, wie sie in der Beratung am Telefon vorkommen:
Was Fernwärme kann
- Wenig Aufwand im Haus — keine eigene Heizung, kein Kessel, kein Brennstofflager, kein Schornstein
- Wartung übernimmt der Anbieter — Übergabestation und Hauptnetz fallen aus deiner Verantwortung
- Platzsparend — Übergabestation hat etwa die Größe einer kleinen Gastherme, kein Tank, kein Pelletslager
- Zukunftsfähig — Anbieter sind verpflichtet, ihren Quellenmix Schritt für Schritt zu dekarbonisieren
- Hohe Betriebssicherheit — selbst bei extremen Wintern liefert das Netz weiter, anders als bei einzelnen Anlagen
Was Fernwärme nicht kann
- Kein Anbieterwechsel — pro Gebiet ein Versorger, keine Tarif-Konkurrenz, Preisanpassungen sind anbietergebunden
- Hohe Anschluss-Gebühr bei Nachrüstung — 3.000–8.000 € einmalig plus Übergabestation
- Lange Vertragslaufzeiten bei Erstanschluss — 10 Jahre und mehr sind üblich, vorzeitige Kündigung schwierig
- Nicht überall verfügbar — außerhalb von Städten fehlt das Netz, ein Anschluss ist meist nicht wirtschaftlich
- Wärmeverluste im Netz — vor allem bei langen Leitungen, was den Preis-pro-Kilowattstunde indirekt hebt
Aus der Beratung: Eine typische Fehlannahme am Telefon ist, dass Fernwärme „automatisch grün“ ist. Tatsächlich hängt der CO₂-Faktor stark vom Quellenmix des lokalen Anbieters ab — Wien Energie liegt mittlerweile niedrig durch Müllverbrennung und Großwärmepumpen, andere Städte haben noch deutliche Gas-Anteile in der Spitzenlast. Wer den Quellenmix prüfen will: die Anbieter veröffentlichen jährliche Klimabilanzen mit dem Primärenergie-Faktor.
Wann lohnt sich der Wechsel auf Fernwärme?
Drei Konstellationen, in denen Fernwärme die ehrlich beste Wahl ist:
Bestandsanschluss vorhanden
Wenn die Hauptleitung bereits in deiner Straße liegt, ist die Anschluss-Gebühr meist überschaubar. Bei intakter alter Gas- oder Ölheizung am Lebensende der Anlage prüfen — Förderung „Raus aus Öl und Gas“ greift voll.
Altbau ohne Dämmungsperspektive
Bei hohen Vorlauftemperaturen verliert die Wärmepumpe Effizienz — Fernwärme arbeitet hier ohne Probleme. Wenn eine größere Dämmung nicht ansteht, ist sie meist die wirtschaftlichste Alternative zu Gas.
Mehrparteienhaus zentral
Bei zentralem Hausanschluss ist Fernwärme oft die einfachste Lösung — eine Wärmepumpenlösung in einem MFH erfordert komplexere Eigentümer-Entscheidungen. Fernwärme greift auf die bestehende Gas- oder Ölverteilung im Haus zurück.
Wichtig vor dem Abschluss: Vertragslaufzeit, Preisanpassungsklauseln und die Kündigungsfrist genau lesen — Fernwärmeverträge sind meist langfristig und nicht in den klassischen E-Control-Schlichtungspfad eingebettet. Bei strittigen Tariferhöhungen ist die Verhandlung mit dem Anbieter selbst der einzige Weg. Aus unserer Beratung: wir empfehlen, sich vom Anbieter eine schriftliche Preisanpassungsformel zeigen zu lassen, bevor unterschrieben wird.