Auf einen Blick
Erneuerbare
78 %
am Strommix Österreichs
Anbieter
~140
~15 bundesweit aktiv
Marktöffnung
2001
freie Wahl des Lieferanten
Verbrauch AT
~70 TWh
Endkund:innen in Österreich
Vom Kraftwerk zur Steckdose — vier Schritte
Strom legt zwischen Erzeugung und Steckdose mehrere hundert Kilometer zurück und passiert dabei vier klar getrennte Stufen. Jede Stufe hat einen eigenen Akteur, eigene Regeln und einen eigenen Posten auf deiner Rechnung.
Erzeugung
Wasser-, Wind-, PV- und thermische Kraftwerke speisen Strom ins Netz ein. Rund 3.000 Wasserkraftwerke insgesamt, darunter über 100 große Anlagen, liefern den Grundlastanteil.
Übertragung
Die APG (Austrian Power Grid) transportiert Strom auf 220 und 380 kV durch ganz Österreich — Übertragungsnetz, Netzebenen 1 und 2.
Verteilung
Regionale Netzbetreiber bringen den Strom über Mittel- und Niederspannungs-Leitungen in Stadtteile und Häuser — Netzebenen 3 bis 7.
Du
230 V aus der Steckdose. Dein Energieanbieter verkauft dir den Strom, der Netzbetreiber liefert ihn — zwei verschiedene Vertragspartner auf einer Rechnung.
Über alle Stufen hinweg betreibt Österreich rund 200.000 km Leitungen — von der Höchstspannungs-Trasse bis zum letzten Hausanschluss. Welche Stufe für dich technisch relevant ist, erklärt unser Artikel zu den Netzebenen Österreichs.
Der österreichische Strommix im Detail
Österreich produziert mehr als drei Viertel seines Stroms aus erneuerbaren Quellen (Quelle: E-Control / Statistik Austria, jüngster Marktbericht) — ein Wert, der nur von Norwegen (über 99 % aus Wasserkraft) und Island übertroffen wird. Der Kohleausstieg ist seit 2020 abgeschlossen; das letzte österreichische Kohlekraftwerk in Mellach ging in jenem Jahr vom Netz.
Wasserkraft
~60 %
Lauf- und Speicherkraftwerke · planbar, wetterunabhängig
Windkraft
~12 %
stark wachsend · vor allem Burgenland, Niederösterreich
Photovoltaik
~3 %
Anteil steigt am schnellsten · Dachanlagen plus Freiflächen
Thermisch
~21 %
Gas, Biomasse, Kraft-Wärme-Kopplung · zur Stabilisierung
In der Beratung sehen wir oft: Wer "100 % Ökostrom" auf der Rechnung stehen hat, hat nicht automatisch österreichischen Erneuerbaren-Strom bezogen. Viele Tarife arbeiten mit zugekauften Herkunftsnachweisen aus Norwegen oder Island — der konkrete Strom kann trotzdem aus dem Gas- oder Kohlekraftwerk stammen, das gerade ins Netz einspeist. Wer Wert auf echten heimischen Ökostrom legt, achtet auf das UZ46-Umweltzeichen; damit ist die direkte Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch nachgewiesen.
Welcher Stromanbieter passt zu dir?
Kostenloser Anbieter-Vergleich am Telefon — wir sagen dir auch, wenn sich der Wechsel nicht lohnt.
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Anbieter vs. Netzbetreiber — der wichtigste Unterschied
Eine Sache, die Kund:innen am Telefon regelmäßig überrascht: Auf der Stromrechnung stehen zwei verschiedene Unternehmen — und nur eines davon kannst du wechseln.
Energieanbieter
Verkauft dir den Strom. Frei wählbar seit 2001 — du suchst dir den günstigsten oder grünsten Tarif aus, der Wechsel läuft online oder per Telefon in wenigen Minuten.
Auf der Rechnung als "Lieferant" oder "Stromanbieter" ausgewiesen · etwa ein Drittel der Gesamtrechnung
Netzbetreiber
Liefert dir den Strom physisch ins Haus. Regional vorgegeben — wer in Wien wohnt, hängt an Wiener Netze; wer in Tirol wohnt, an TINETZ. Wechseln nicht möglich.
Auf der Rechnung als "Netznutzungsentgelt" · ebenfalls etwa ein Drittel · die Tarife sind durch die E-Control reguliert
Welcher Netzbetreiber für deine Adresse zuständig ist, steht auf jeder Stromrechnung — und in unserem Netzbetreiber-Verzeichnis. Welche Anbieter bei dir tarifmäßig verfügbar sind, zeigt der Tarifrechner.
So setzt sich deine Stromrechnung zusammen
Die Stromrechnung teilt sich in drei etwa gleich große Drittel — und nur eines davon kannst du als Endkund:in beeinflussen.
Drittel 1 — verhandelbar
Energiepreis
Das, was dein Energieanbieter dir verrechnet — kWh-Preis plus Grundpauschale. Der einzige Block, an dem du beim Anbieterwechsel direkt schraubst. Der Unterschied zwischen günstigem und teurem Tarif kann hier 50 bis 60 % betragen.
Drittel 2 — reguliert
Netzentgelte
Was du dem Netzbetreiber für die Leitung zahlst. Wird jährlich von der E-Control festgelegt, je nach Netzgebiet und Netzebene. Nicht verhandelbar — aber durch Stromsparen reduzierbar (der verbrauchsabhängige Anteil sinkt mit).
Drittel 3 — gesetzlich
Steuern & Abgaben
Elektrizitätsabgabe, Ökostrompauschale, KWK-Pauschale, USt. Vom Gesetzgeber vorgegeben — zwischen zwei Anbietern oder zwei Bundesländern gibt es hier nur kleine Unterschiede.
Die E-Control — wer reguliert das alles?
Die E-Control (Energie-Control Austria) ist der unabhängige Regulator für den österreichischen Strom- und Gasmarkt, gesetzlich verankert im Energie-Control-Gesetz (E-ControlG). Sie operiert weisungsfrei und sitzt zwischen Anbietern, Netzbetreibern und Endkund:innen. Vier Aufgaben begegnen dir auf dieser Seite immer wieder:
- Netzentgelte festlegen — jährliche Genehmigung der Tarife pro Netzbetreiber und Netzebene; das ist das mittlere Drittel deiner Stromrechnung
- Marktmonitoring — der jährliche Marktbericht ist die Standard-Datenquelle für Wechselzahlen, Anbieter-Marktanteile und Strompreis-Trends in Österreich
- Tarifkalkulator — neutraler, werbefreier Vergleichsrechner auf e-control.at, gerade als unabhängige zweite Meinung zum Stromliste-Vergleich nützlich
- Schlichtungsstelle — kostenlose Streit-Vermittlung bei Konflikten mit Anbieter oder Netzbetreiber, Verfahren in der Regel vier bis acht Wochen, Empfehlung nicht bindend aber in den meisten Fällen akzeptiert
Aus der Beratung: Wenn der Stromliste-Tarifvergleich zu einem unerwarteten Ergebnis kommt, ist der E-Control-Rechner die richtige zweite Meinung — beide Rechner landen in den allermeisten Fällen beim gleichen Tarif.
Versorgungssicherheit — was bei Engpässen passiert
Die österreichische Versorgungssicherheit liegt bei über 99,99 % — gemessen am SAIDI-Wert (durchschnittliche ungeplante Versorgungsunterbrechung pro Kund:in und Jahr) hatten wir zuletzt deutlich unter 30 Minuten Ausfall im Jahresschnitt. Im internationalen Vergleich ist das absolutes Spitzenniveau. Wenn das Netz trotzdem in Stress gerät, stehen drei Stufen bereit.
Die strategische Reserve im Detail
Was im Schritt 01 unten mit "Reserve aktivieren" abgekürzt ist, ist eine eigene gesetzliche Konstruktion: Die APG (Austrian Power Grid) schreibt jährlich eine bestimmte Leistung im niedrigen vierstelligen MW-Bereich öffentlich aus. Kraftwerksbetreiber bieten an, ihre Anlagen — meist Gas- oder Biomasse-Kraftwerke — für den Krisenfall vorzuhalten, ohne dass sie regulär am Markt teilnehmen. Im Bedarfsfall darf die APG diese Kraftwerke aktivieren und vergüten.
Die Kosten der Reserve werden über die Systemnutzungsentgelte auf alle Stromkund:innen verteilt — pro Haushalt im einstelligen Euro-Bereich pro Jahr. Welche Kraftwerke aktuell in der Reserve sind, veröffentlicht die APG jährlich. Praktisch: Genau dieser Mechanismus ist ein Grund, warum die rollierende Abschaltung (Stufe 03 unten) in den letzten 20 Jahren in Österreich nicht eingetreten ist.
Die drei Stufen bei Engpässen
Reserve aktivieren
Die APG startet die strategische Reserve — eine Gruppe vertraglich vorgehaltener Gas- und Biomasse-Kraftwerke, die innerhalb von Minuten ans Netz gehen.
Importe hochfahren
Über das europäische Verbundnetz werden zusätzliche Strommengen aus Deutschland, Tschechien oder Italien bezogen. Das passiert real fast täglich, vor allem in dunklen Wintermonaten.
Last reduzieren
Großverbraucher (Industrie) müssen freiwillig oder verpflichtend Last reduzieren. Erst wenn auch das nicht reicht, greifen rollierende Abschaltungen — in Österreich in den letzten 20 Jahren nicht eingetreten.
Was viele übersehen: Der größte Stresstest für das Netz ist nicht die dunkle Flaute, sondern extreme Kälte plus geringer Wind. Wärmepumpen ziehen dann viel Strom, die Heizlast steigt, gleichzeitig produziert das Land selbst weniger. Genau in diese Situationen springt das europäische Verbundnetz ein — Österreich hat starke Stromaustausch-Verbindungen mit allen Nachbarländern, vor allem mit Deutschland und der Tschechischen Republik, und diese Grenzkuppelkapazitäten sind mindestens so wichtig wie der heimische Kraftwerkspark.
Wohin die Stromversorgung geht — und was du tun kannst
Das österreichische Ziel: bis 2030 bilanziell 100 % erneuerbarer Strom. "Bilanziell" heißt: über das Jahr gerechnet wird so viel grüner Strom in Österreich erzeugt wie verbraucht — nicht, dass jede Kilowattstunde zu jedem Zeitpunkt erneuerbar ist. Dafür müssen laut Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) bis 2030 zusätzliche 27 TWh aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zugebaut werden.
Was du als Haushalt selbst beitragen kannst — vier Hebel, mit ehrlicher Einordnung:
- Photovoltaik-Anlage — der mit Abstand größte Hebel für Eigenstrom. Realistischer Autarkiegrad ohne Speicher: 30 %, mit Speicher 50 bis 70 %. Voll-Autarkie ist mit PV in Österreich nicht erreichbar — die Wintermonate liefern zu wenig Ertrag.
- Heimspeicher — schiebt selbst erzeugten Strom vom Tag in den Abend. Rechnet sich in Österreich aktuell vor allem in Kombination mit hohem Eigenverbrauch und schlechten Einspeisetarifen.
- Wärmepumpe — ersetzt Gas- oder Ölheizung durch Strom plus Umweltwärme. Lohnt sich besonders, wenn auf dem Dach gleichzeitig PV-Strom produziert wird.
- Pufferspeicher für Warmwasser — kein Strom-Speicher im engeren Sinn, aber eine Möglichkeit, PV-Überschuss in Warmwasser zu "parken" statt ins Netz einzuspeisen.
Aus der Beratung: Die häufigste Anfrage ist heute nicht mehr "billigster Tarif", sondern "wie kombiniere ich PV, Wärmepumpe und einen passenden Tarif zu einem System, das wirtschaftlich aufgeht?". Das ist die richtige Frage — und sie ist deutlich komplexer als der reine Anbieterwechsel. Wenn du an dem Punkt bist, ruf uns an. Wir nehmen das gerne mit dir Schritt für Schritt durch.