Explosionsgefahr — Sekunden zählen
Sofortmaßnahmen
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01
FENSTER auf — Querlüftung, Fenster und Türen auf gegenüberliegenden Seiten öffnen.
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02
Gashahn zudrehen — nur wenn du ihn in 10 Sek. findest (neben Herd, hinter Therme, im Verteiler). Sonst NICHT suchen, direkt zu 04.
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03
KEINE Funken — kein Lichtschalter, keine Klingel, kein Handy, kein Feuerzeug, keine Steckdose ziehen.
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04
Wohnung verlassen — Stiegenhaus, niemals Aufzug. Nachbar:innen klopfen oder rufen, nicht klingeln.
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05
128 anrufen — von draußen, mind. 10 m vom Gebäude entfernt. Bei Feuer/Rauch zusätzlich 122, bei Verletzten 144.
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06
Bewusstlose Person → 128, NICHT selbst retten. Standort durchgeben — die Feuerwehr macht die Rettung mit Atemschutz. Ohne Schutz reinzugehen heißt: zwei Opfer statt eines.
Notrufnummern — anrufen, sobald du draußen bist
Die 128 ist die zentrale Anlaufstelle und alarmiert die Feuerwehr automatisch, wenn nötig. 122 nur zusätzlich anrufen, wenn 128 nicht erreichbar ist oder du Feuer/Rauch siehst — ein Doppelanruf bei reinem Gasgeruch bindet Ressourcen. Bei Verletzten oder Bewusstlosen zusätzlich 144.
Gasnotruf · 24/7
128
Zentrale Anlaufstelle bei Gasgeruch und Gaslecks. Erreichbar rund um die Uhr, kostenlos, ohne Vorwahl. Der Stördienst kommt vor Ort.
Feuerwehr · Backup zur 128
122
128 alarmiert die Feuerwehr automatisch. 122 nur zusätzlich anrufen, wenn 128 nicht erreichbar ist oder Feuer/Rauch sichtbar ist — Doppelanruf bei Standard-Gasgeruch bindet Ressourcen.
Rettung · nur bei Verletzten
144
Bei Atembeschwerden, Bewusstlosigkeit oder Verbrennungen zusätzlich zur 128 anrufen. Ohne Verletzte: nicht anrufen — die 128 holt die Rettung dazu, wenn nötig.
NIEMALS tun — alles, was Funken erzeugt
Ein Gas-Luft-Gemisch entzündet sich schon bei winzigsten Funken. Diese Liste ist nicht optional — jeder einzelne Punkt kann eine Explosion auslösen.
- Kein Lichtschalter betätigen — weder ein- noch ausschalten. Der Funke beim Schalten reicht.
- Keine Türklingel drücken, um Nachbar:innen zu warnen. Stattdessen klopfen oder rufen.
- Kein Handy in der Wohnung benutzen — Funken können beim Anrufen, Einschalten oder Vibrieren entstehen.
- Kein Festnetztelefon abnehmen oder die Hörmuschel von der Gabel nehmen.
- Keine Stecker aus der Steckdose ziehen — auch das erzeugt Funken.
- Kein Feuerzeug, keine Streichhölzer, keine Zigarette — selbst die Reibung des Streichholzes ist ein Risiko.
- Kein Aufzug — die Motoren produzieren Funken, und ein zweiter Ausfall kann dich einschließen.
- Kein Auto starten, falls die Tiefgarage im selben Gebäude ist — Anlasser und Zündung sind Zündquellen.
- Nicht das Gasleck selbst suchen mit offener Flamme oder Feuerzeug — das ist der häufigste Auslöser einer Verpuffung.
- Nicht in geschlossene Räume mit starkem Gasgeruch zurückkehren — Gas verdrängt Sauerstoff. Erdgas steigt nach oben und sammelt sich unter der Decke, Flüssiggas (Propan/Butan) ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden, besonders im Keller. Beides ist erstickungsgefährlich.
CO-Vergiftung — der geruchlose Schwester-Notfall
Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei unvollständiger Verbrennung — meist an älteren Gasthermen, verstopften Abzügen oder defekten Heizgeräten. Anders als Erdgas ist CO geruchlos, farblos und tödlich. Du riechst es nicht, du siehst es nicht, du schmeckst es nicht. In Österreich sterben jedes Jahr Menschen daran, die das Risiko nicht kennen.
Wie CO entsteht
Unvollständige Verbrennung — wenn die Therme nicht genug Sauerstoff bekommt oder der Abzug verstopft ist. Indikator am Gerät: gelb-orange statt blaue Flamme. Auch zu dichte Wohnräume (neue Fenster ohne Lüftungssystem) können CO aufstauen.
Symptome erkennen
Früh: Kopfschmerz, Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel — wirkt wie eine Grippe oder Erschöpfung.
Schwer: Verwirrung, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle. Mehrere Personen gleichzeitig betroffen ist ein klares Warnzeichen.
Was du sofort tust
- Fenster auf — Frischluft, sofort.
- Raus aus dem Raum — alle Personen ins Freie.
- 144 anrufen — Rettung, CO-Verdacht angeben.
- Gasgeräte aus — Therme, Herd, Boiler.
- Nicht zurück, bis Stördienst freigibt.
Aus der Beratung: Ein CO-Melder kostet 30–60 € und gehört in jeden Raum mit Gastherme, Gasherd oder Festbrennstoff-Kamin. Wichtig: CO-Melder ist nicht dasselbe wie ein Gasmelder — wer beide Risiken abdecken will, braucht zwei Geräte. Batterie alle 1–2 Jahre tauschen, Sensor nach ~7–10 Jahren komplett erneuern (Datum steht aufgedruckt am Gerät).
Wie riecht Gas in Österreich?
Erdgas ist im natürlichen Zustand geruchlos — du würdest ein Leck nie bemerken. Damit das funktioniert, mischen die österreichischen Gasnetzbetreiber dem Erdgas einen Duftstoff bei. Dieser Zusatzstoff ist Pflicht und der Grund, warum ein Gasleck überhaupt erkennbar ist.
Der Duftstoff: Tetrahydrothiophen (THT)
Der häufigste Zusatzstoff ist Tetrahydrothiophen, oft mit THT abgekürzt — eine schwefelhältige Verbindung mit einem faulig-stechenden Geruch, vergleichbar mit verdorbenen Eiern. Die Beimischung erfolgt in Gas-Druckregelanlagen, bevor das Gas ins Verteilnetz geht. THT verbrennt geruchlos zusammen mit dem Erdgas — wenn du also riechst, brennt nichts: es entweicht etwas.
Andere Geruchsvarianten
Einige Hersteller setzen alternative Geruchsstoffe ein, die eher an Klebstoff oder Lösungsmittel erinnern. Auch dieser Geruch ist Warnsignal — er hat in deiner Wohnung nichts verloren und gehört nicht zur Normalfunktion eines Gasgerätes.
Häufige Ursachen für ein Gasleck
Die meisten Gaslecks im Haushalt haben eine konkrete und vermeidbare Ursache. Aus den Berichten der österreichischen Gasnetzbetreiber kommen die häufigsten Auslöser in dieser Reihenfolge:
- Defekte oder unsachgemäß angeschlossene Gasherde — vor allem nach Eigeninstallation ohne konzessionierten Fachbetrieb
- Alte, spröde Anschlussschläuche bei Gasherd, Gasdurchlauferhitzer oder Gastherme — Schlauchmaterial wird über Jahre porös
- Lockere Verschraubungen an Therme oder Gaszähler — typisch nach Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten
- Beschädigte Hausanschluss- oder Verteilerleitungen nach Bauarbeiten in der Straße oder im Keller
- Versiegende Pilotflamme beim älteren Gasherd, wenn das Gas trotzdem weiter strömt
Wie du vorbeugst
- Jährliche Therme-Wartung durch konzessionierten Fachbetrieb — auch wenn die Anlage scheinbar problemlos läuft
- Regelmäßige Sichtkontrolle der Gasleitungen — bröselnde Verschraubungen, Risse in Schläuchen, Rußspuren am Gerät, ungewöhnliche Geräusche
- Blaue Flamme als Qualitätsindikator — eine gesunde Gasflamme brennt durchgehend blau. Gelb-orange Flamme weist auf unvollständige Verbrennung und Kohlenmonoxid-Bildung hin
- CO-Melder installieren in jedem Raum mit Gas- oder Holz-Verbrennungsgerät — Kohlenmonoxid ist geruchlos und gefährlicher als das Gas selbst
- Lüftungsöffnungen frei halten — niemals zukleben oder verstellen, sie sind Teil der Verbrennungsluft-Versorgung
- Vor und nach jedem Umzug die Gasleitungen prüfen lassen, vor allem bei neuem Gasanschluss — Hinweise im Artikel zu Gasleitung bei Umzug
Wer haftet bei einem Gasleck?
Die Antwort hängt davon ab, wo das Leck auftritt. Die sogenannte Eigentumsgrenze trennt die Verantwortungsbereiche scharf:
Vor dem Hausanschluss
Gasnetzbetreiber
Verteilerleitungen in der Straße, Hochdruckanlagen, Anschluss bis zum Hauseinführungspunkt. Schadensregulierung läuft über den Gasnetzbetreiber.
Hinter dem Hausanschluss
Eigentümer:in oder Vermieter:in
Hausleitungen, Therme, Gasherd, Schläuche. Haftpflicht- oder Eigenheimversicherung deckt Sach- und Personenschäden, sofern Wartungspflichten erfüllt wurden.
Wichtig: Versäumte Wartung kann als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden — dann kürzen oder verweigern Versicherungen die Leistung. Eine fristgerechte Therme-Wartung und der Beleg darüber sind im Schadensfall daher mehr als nur eine Formsache.
Wartungspflichten in Österreich
Konkrete Intervalle hängen vom Bundesland und vom Anlagentyp ab — die Bauordnungen der Länder regeln das jeweils etwas anders. Die folgenden Werte sind die gängige Praxis und decken die meisten Wohnsituationen ab. Im Zweifel beim Rauchfangkehrer oder der Bezirksverwaltung nachfragen.
| Anlage | Übliches Intervall | Wer macht's |
|---|---|---|
| Gastherme · Heizgerät | jährlich | Konzessionierter Installateur oder Herstellertechniker |
| Gasleitungen · Dichtprüfung | alle 3–5 Jahre | Konzessionierter Gas-Installateur (ÖVGW-zugelassen) |
| Rauchfang · Kehrung | jährlich (oder 2-jährlich je Bundesland) | Rauchfangkehrer:in (Pflichtkehrung) |
| Anschlussschläuche · Sichtkontrolle | jährlich (DIY) · Tausch nach 10 Jahren | Du selbst, Tausch durch Fachbetrieb |
| CO-Melder | Empfehlung, keine Pflicht · Batterie alle 1–2 J. | Selbst aufstellen — 30–60 € pro Raum mit Gasgerät |
Werte als Orientierung. Die konkreten Pflichten regeln die Bauordnung des Bundeslandes und die einschlägigen Normen (ÖVGW-Richtlinien für Gasinstallationen, Heizungsanlagen-Verordnung der Länder). Belege über durchgeführte Wartungen aufheben — sie sind im Versicherungsfall entscheidend.
Aus der Beratung: Mieter:innen denken oft, die Therme-Wartung sei Sache des Vermieters — formal stimmt das, aber praktisch hängt die Versicherungsleistung im Schadensfall trotzdem davon ab, dass die Wartung tatsächlich passiert ist. Wenn deine Vermietung das jährliche Service vergisst, fordere es schriftlich ein und hebe die Antwort auf.
Hinweis: Stromliste hilft bei Anbieter- und Tarif-Fragen für Strom und Gas — nicht bei akuten Gasgebrechen. Dafür ist immer der Gasnotruf 128 oder der regionale Gasnetzbetreiber zuständig. Wenn du nach behobenem Schaden deinen Gas-Tarif vergleichen oder den Anbieter wechseln möchtest, ruf uns gern an: 0720 1155 70.