Was ist Nachtstrom?

Nachtstrom ist ein spezieller Stromtarif mit reduziertem Arbeitspreis während der Nachtstunden. Statt eines einheitlichen Tagespreises rechnet der Versorger zwei Zeitfenster getrennt ab — den teureren Hochtarif (HT) für den Tagesverbrauch und den günstigeren Niedertarif (NT, manchmal auch Nachttarif) für die Nachtstunden.

Der Hintergrund ist netzwirtschaftlich: Über Nacht sinkt die Stromnachfrage spürbar, während Kraftwerke weiterproduzieren. Versorger geben den günstigeren Beschaffungspreis weiter, um Lastspitzen am Tag zu entlasten und den Verbrauch gleichmäßiger über 24 Stunden zu verteilen. Drei Faktoren machen den Niedertarif günstiger als den Hochtarif:

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Günstigerer Stromtransport

Die Kosten für den Transport im öffentlichen Netz sind in der Niedertarif-Zeit deutlich reduziert — das Netz ist nachts geringer ausgelastet.

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Reduzierte Konzessionsabgaben

Auch die kommunalen Konzessionsabgaben fallen für den Nachtstrom geringer aus als für Tagstrom.

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Günstigere Beschaffung

Viele Energieversorger beziehen Nachtstrom günstiger am Großhandelsmarkt — diesen Vorteil geben sie als Niedertarif weiter.

Voraussetzung

Um Hoch- und Niedertarif getrennt messen und abrechnen zu können, benötigen Sie einen Doppeltarifzähler (auch Zwei-Tarif-Zähler) oder einen entsprechend konfigurierten Smart Meter. Beim Smart Meter erfolgt die HT/NT-Trennung softwareseitig — ein zusätzliches Gerät ist meist nicht mehr nötig.

Wann gilt die Nachtstromzeit?

In Österreich ist der Nachtstrom in der Regel auf den Zeitraum zwischen 22:00 und 06:00 Uhr begrenzt. Einzelne Versorger schalten bereits um 20:00 oder 21:00 Uhr in den Niedertarif — andere ergänzen ein Wochenend-Fenster, in dem auch tagsüber der NT gilt.

Für Verbraucher:innen gilt: Je früher der Niedertarif greift, desto mehr lässt sich sparen. Beim Anbietervergleich lohnt sich daher der Blick auf die genaue Schaltzeit — und auf das Verhalten flexibler Geräte: Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner und Boiler erst dann einschalten oder zeitprogrammieren, wenn die NT-Phase beginnt.

Standard-Niedertarif-Zeit in Österreich

Der klassische NT-Zeitraum gilt von 22:00 bis 06:00 Uhr, Montag bis Sonntag. Die konkreten Schaltzeiten finden Sie im Tarifblatt Ihres Versorgers — manche Anbieter erweitern den Niedertarif auf 21:00–07:00 Uhr oder ergänzen ein Wochenend-Fenster. Mit aktiviertem Smart Meter sind viertelstundenscharfe Tarifzeiten technisch möglich.

Vor- und Nachteile von Nachtstrom

Ein Nachtstromtarif zahlt sich nicht für jeden Haushalt aus. Bevor Sie wechseln, sollten Sie die finanziellen Vorteile gegen die laufenden Mehrkosten des Doppeltarifzählers und den eingeschränkten Anbieterpool abwägen.

Vorteile

  • Deutlich günstigerer Arbeitspreis in den Nachtstunden — typisch 3-5 ct/kWh unter Hochtarif
  • Bessere Verteilung des Stromverbrauchs über 24 Stunden, entlastet das Netz in Spitzenzeiten
  • Umweltschonender, da Überschussstrom aus Wind- und Wasserkraft nachts besser genutzt wird
  • Plan- und kalkulierbar dank fester Tarifzeiten — anders als bei dynamischen Spot-Tarifen

Nachteile

  • Höhere monatliche Mess- und Grundgebühren für den Doppeltarifzähler (rund 80-120 Euro pro Jahr)
  • Schmaleres Anbieterportfolio — viele Versorger haben klassische Nachtstromtarife eingestellt
  • Lohnt sich nur bei substantiellem Nachtverbrauch (Wärmepumpe, Speicherheizung, E-Auto)

Für wen lohnt sich Nachtstrom?

Ob sich der Umstieg auf Nachtstrom rechnet, hängt vom persönlichen Lastprofil ab. Wer tagsüber deutlich mehr Strom verbraucht als nachts, holt die Mehrkosten für den Doppeltarifzähler nicht herein. Drei Profile profitieren besonders:

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Nachtspeicherheizung

Klassischer Anwendungsfall — die Heizung lädt nachts mit günstigem Strom und gibt die Wärme tagsüber ab.

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Wärmepumpe

Wärmepumpen mit Pufferspeicher heizen nachts kostengünstig vor und liefern tagsüber Wärme aus dem Speicher.

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E-Auto-Ladung

Wer das Fahrzeug nachts zeitgesteuert lädt, schiebt den Ladestrom planmäßig ins Niedertarif-Fenster.

Nachtstrom für Nachtspeicherheizungen

Nachtspeicherheizungen sind der historische Anwendungsfall für Nachtstrom. Das Gerät lädt sich in der NT-Zeit mit Wärmeenergie auf, speichert sie in einem Schamottstein-Kern und gibt die Wärme tagsüber langsam in den Raum ab. Mit einem dedizierten Nachtstromtarif sinken die Heizkosten gegenüber einer Standardtarif-Versorgung spürbar — ein 6 kW-Speicher mit 6 h Aufladezeit kommt auf rund 7.700 kWh Jahresverbrauch, was bei 4 ct/kWh Preisdifferenz etwa 300 Euro Ersparnis pro Jahr bedeutet.

Nachtstrom für Wärmepumpen

Heizen mit Strom muss nicht teuer sein. Eine Wärmepumpe entzieht ihrer Umgebung Wärme und hebt sie elektrisch auf Heiztemperatur — mit einem günstigen Nachtstromtarif sinken die Betriebskosten zusätzlich. Wer einen spezialisierten Wärmepumpentarif abschließt, profitiert oft noch stärker, weil dort die Sperrzeiten gezielt in die Mittagsspitze fallen, statt nur in die Nachtstunden.

Konkret: Eine 8-kW-Luftwärmepumpe mit 10.000 kWh Jahresverbrauch spart bei 5 ct/kWh Preisdifferenz zwischen HT und NT etwa 500 Euro brutto pro Jahr — abzüglich der höheren Mess- und Grundgebühren bleiben rund 380–420 Euro Nettoersparnis.

Nachtstrom für das Elektroauto

Auch zum Aufladen von Elektrofahrzeugen lässt sich ein Nachtstromtarif effizient nutzen. Ein typischer Ladevorgang einer 11-kW-Wallbox dauert je nach Akkugröße zwischen 5 und 10 Stunden — das passt komfortabel in das NT-Fenster zwischen 22:00 und 06:00 Uhr. Die meisten Wallboxen und modernen E-Autos bieten eine Zeitsteuerung, die den Ladevorgang automatisch auf den Niedertarif-Beginn legt.

Christoph Kain

Expertenmeinung

„Damit sich ein Nachtstromtarif allein für das Laden eines Elektroautos rechnet, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Erstens sollte der Großteil der Jahresfahrleistung — typischerweise ab 12.000 Kilometer — über die heimische Wallbox geladen werden. Zweitens muss die Ladeplanung konsequent ins Niedertarif-Fenster fallen. Bei kurzen Strecken oder gelegentlicher Heimladung sind die Mehrkosten für den Doppeltarifzähler kaum hereinzuholen — hier ist ein dynamischer Tarif oft die bessere Wahl."

Christoph Kain

Country Manager Selectra DE & AT

Worauf Sie beim Nachtstromtarif achten sollten

Sind Sie überzeugt, dass sich Nachtstrom für Ihren Haushalt rechnet? Dann lohnt sich ein konsequenter Anbietervergleich — Konditionen und Preise unterscheiden sich erheblich. Vier Punkte sollten Sie prüfen:

Schaltzeit auf Niedertarif

Achten Sie auf den genauen Beginn der NT-Phase. Wählen Sie idealerweise einen Tarif, der schon am frühen Abend (21:00 Uhr) in den Niedertarif schaltet — so verlagern Sie mehr Verbrauch ins günstige Fenster.

Preisgarantie

Eine Preisgarantie sichert den Arbeitspreis für einen festgelegten Zeitraum ab — typisch 12 bis 24 Monate. Je länger die Garantie, desto besser können Sie Ihre Energiekosten kalkulieren. Mehr dazu im Artikel Preisgarantie beim Strom.

Vertragsbindung und Kündigungsfrist

Viele Nachtstromtarife laufen ohne Mindestvertragslaufzeit — kündbar zum Monatsende mit zweiwöchiger Frist. Längere Bindungen sollten Sie nur bei klarer Preisgarantie eingehen.

Zusätzliche Mess- und Grundgebühren

Der Doppeltarifzähler verursacht jährlich rund 80–120 Euro Mehrkosten gegenüber einem Einfachzähler. Rechnen Sie diese Mehrkosten bei der Tarifkalkulation gegen — andernfalls werden die NT-Ersparnisse aufgezehrt.

Welche Anbieter führen 2026 noch Nachtstromtarife?

Die Auswahl an klassischen Nachtstromtarifen ist deutlich schmaler geworden. Energie AG und Burgenland Energie haben ihre HT/NT-Produkte eingestellt und auf Wärmepumpentarife oder dynamische Modelle umgestellt. VKW hat den Tarif Strom TagNacht Ende 2025 für Neukunden ausgesetzt — Bestandskund:innen behalten den Pauschalpreis von rund 11,88 ct/kWh brutto, Neuabschlüsse erhalten das Folgeprodukt Strom Duo.

Hintergrund ist eine bundesweite Netztarif-Reform der E-Control zum 1. April 2026: Das klassische Tag/Nacht-Modell wird sukzessive durch zeitvariable Sommer-Mittag-Fenster (Mo–So, 10:00–16:00 Uhr, April–September) abgelöst. Die folgende Übersicht spiegelt den verifizierten Stand vom Mai 2026.

Österreichische Stromanbieter mit klassischem Nachtstromtarif, Stand Mai 2026
Anbieter & Tarif Arbeitspreis NT Grundpreis NT-Fenster Preisgarantie
Wien Energie
NachtStrom
Keine Bindung
15,65 ct/kWh 0,00 €/Monat 22:00 – 06:00 12 Monate
Kelag
Kelag Strom Nacht
Zusatztarif zum Haupttarif · 12 Monate Mindestlaufzeit
11,40 ct/kWh 0,00 €/Monat 22:00 – 06:00 12 Monate
Salzburg AG
Strom Wärme 24
Nur für E-Heizung, Speicher, Trocknung · Preisdeckel 12,00 ct brutto bis 1.500 kWh
19,08 ct/kWh 0,00 €/Monat 22:00 – 06:00

Stand: Mai 2026. Bruttopreise inkl. Umsatzsteuer, exkl. Netzentgelte und Steuern. Den aktuellen Stand entnehmen Sie dem Tarifrechner mit Nachtstrom-Filter oder direkt der Website Ihres Anbieters.

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