Auf einen Blick

  • Liberalisiert seit Oktober 2002 — freie Versorgerwahl, regulierte Netzentgelte.
  • Drei Marktgebiete: Ost, Tirol, Vorarlberg — letztere über das deutsche Netz versorgt.
  • Russische Pipeline-Lieferungen via Ukraine endeten am 1. Januar 2025.
  • Speicherkapazität ≈ 95 TWh — rund 100 % des jährlichen Gasverbrauchs.
  • Energiepreis Mai 2026: 8–12 ct/kWh für Wechseltarife (brutto, inkl. USt.).
  • Rund 30 Gasversorger aktiv — Reguliert durch E-Control, koordiniert durch AGGM.

Was ist der Gasmarkt in Österreich?

Der Gasmarkt umfasst alle Beteiligten und Regeln rund um Import, Transport, Speicherung, Handel und Verkauf von Erdgas an Endkund:innen. Österreich verbraucht jährlich rund 80 bis 90 TWh Erdgas — etwa 80 % davon werden importiert, weil die heimische Förderung (vorwiegend im Weinviertel und in Oberösterreich) den Bedarf bei Weitem nicht deckt.

Erdgas durchläuft mehrere Stationen, bevor es Ihren Gasanschluss erreicht: Produzenten im Ausland, Fernleitungsnetzbetreiber (TSO) mit kontinentalen Pipelines, Großhandelsmärkte wie der Virtual Trading Point (VTP) im Marktgebiet Ost, Speicherbetreiber, regionale Verteilernetzbetreiber und schließlich die Gasversorger, die den Vertragspartner für Endkund:innen darstellen.

Haushaltsnutzung

Wofür nutzen österreichische Haushalte Erdgas?

Anteil am jährlichen Gasverbrauch — Erdgas ist im Haushalt fast ausschließlich Wärmeenergie

  • Raumheizung
    62,8 %
  • Warmwasser
    15,1 %
  • Kochen
    6,1 %
  • Sonstige Nutzung
    16,0 %

Quelle: Eurostat / Statistik Austria. Über 80 % aller österreichischen Erdgas-Haushalte heizen mit Gas.

Wann wurde der Gasmarkt Österreich liberalisiert?

Mit Inkrafttreten des Gaswirtschaftsgesetzes am 1. Oktober 2002 wurde der Endkundenmarkt geöffnet. Seitdem unterliegt der Energiepreis den Kräften von Angebot und Nachfrage, während die Netzentgelte per Verordnung der E-Control festgelegt werden. Die Trennung von Netzbetrieb und Versorgung (Unbundling) sorgt dafür, dass alle Versorger das gleiche Netz zu denselben Bedingungen nutzen.

Eine zweite große Reform folgte 2013 mit dem Entry-Exit-Modell: Seitdem gibt es im Marktgebiet Ost einen virtuellen Handelspunkt (VTP), an dem Großhandelsmengen unabhängig von der physischen Pipeline-Route gehandelt werden.

Wie viele Gasversorger gibt es?

Auf dem österreichischen Endkundenmarkt sind rund 30 Gasversorger aktiv (Stand Mai 2026). Manche bieten österreichweit an, andere nur in einzelnen Bundesländern. Je nach Postleitzahl haben Sie typischerweise 5 bis 12 Versorger zur Auswahl — die größten Anbieter (Wien Energie, EVN, Energie AG OÖ, Salzburg AG, Energie Steiermark, OMV-Tochter VERBUND-Gas) decken den Großteil der Haushalte ab.

Eine PLZ-genaue Liste aktueller Tarife inklusive Wechselboni finden Sie in unserem Tarifrechner.

Marktteilnehmer & Bilanzgruppen

Damit Wettbewerb auf einem physisch zusammenhängenden Netz funktioniert, braucht der Gasmarkt klare Rollen. Sechs Akteurstypen halten ihn am Laufen, ergänzt durch das Bilanzgruppenmodell für den kommerziellen Ausgleich.

Die sechs Akteurstypen

01

Fernleitungsnetzbetreiber (TSO)

Gas Connect Austria, TAG GmbH und Baumgarten-Oberkappel-Gasleitung. Betreiben die Hochdruck-Pipelines und Grenzkupplungen.

02

Verteilernetzbetreiber

Bringen das Gas vom Pipeline-Übergabepunkt bis zum Hausanschluss. Lesen den Zähler ab und kassieren das Netzentgelt.

03

Gasversorger

Ihr Vertragspartner. Kauft Gas am Großhandel ein, stellt die Rechnung und betreut den Wechsel.

04

Speicherbetreiber

RAG Austria, OMV Gas Storage, Astora und Uniper Energy Storage. Speichern überschüssiges Gas im Sommer für den Winter.

05

AGGM

Austrian Gas Grid Management — Markt- und Verteilergebietsmanager, koordiniert physische und kommerzielle Gasflüsse.

06

E-Control

Die unabhängige Regulierungsbehörde. Setzt Netzentgelte fest, überwacht Wettbewerb und betreibt den Tarifkalkulator.

Das Bilanzgruppenmodell

Damit Einspeisung und Entnahme im Netz jederzeit ausgeglichen sind, gehört jeder Marktteilnehmer einer Bilanzgruppe an. Eine Bilanzgruppe bündelt Versorger und ihre Kund:innen zu einer kommerziellen Einheit — der Bilanzgruppenverantwortliche meldet täglich die geplanten Mengen und gleicht Abweichungen über Ausgleichsenergie aus.

Für Sie als Endkund:in läuft das im Hintergrund: Sobald Sie einen Versorgungsvertrag unterschreiben, werden Sie automatisch Mitglied der Bilanzgruppe Ihres Anbieters. Sichtbar wird das System nur im Bilanzgruppenkonto Ihres Versorgers — und in den Netzentgelten, in denen ein Anteil für Ausgleichsenergie enthalten ist.

Die drei Marktgebiete

Anders als beim Strom ist Österreich gastechnisch nicht ein einheitlicher Markt. Es gibt drei rechtlich getrennte Marktgebiete, weil das westliche Leitungsnetz nicht mit dem östlichen verbunden ist.

Marktgebiet Bundesländer Versorgt über
Ost Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg Eigene Fernleitungen (TAG, WAG, HAG, SOL) und Knotenpunkt Baumgarten
Tirol Tirol Deutsches Marktgebiet (Trading Hub Europe) über die Penta-West-Pipeline
Vorarlberg Vorarlberg Deutsches Marktgebiet (Trading Hub Europe)

Das Marktgebiet Ost ist das wirtschaftliche Zentrum: Hier liegt der Großhandelsknoten Baumgarten an der Grenze zur Slowakei, hier befinden sich nahezu alle Großspeicher, und hier wird der Großteil der Importe aufgenommen und über Pipelines weiterverteilt.

Tirol und Vorarlberg sind physisch über das deutsche Hochdrucknetz angebunden und wirtschaftlich Teil des Trading Hub Europe. Endkund:innen merken davon nichts — die Tarife heimischer Versorger wie Tigas, TIWAG oder Vorarlberger Energienetze gelten ganz normal.

Versorgungssicherheit & Gasspeicher

Österreichs Eigenförderung deckt nur etwa 10 % des Jahresverbrauchs — der Rest wird importiert. Versorgungssicherheit entsteht hier nicht durch heimische Reserven, sondern durch diversifizierte Importrouten und große Untergrundspeicher.

≈ 95 TWh

Speicherkapazität gesamt

≈ 100 %

eines Jahresverbrauchs

32 TWh

Speicher Haidach (größter Speicher)

Damit zählt Österreich — gemessen am Verhältnis Speicher zu Jahresverbrauch — zu den am besten vorsorgenden Ländern Europas. Die wichtigsten Speicherbetreiber sind RAG Austria, OMV Gas Storage, Astora und Uniper Energy Storage. Den tagesaktuellen Füllstand veröffentlicht die AGGM.

Zusätzlich greift die Strategische Gasreserve: Der Bund hat 2022 vertraglich rund 20 TWh als Notreserve gesichert, die ausschließlich zur Versorgung österreichischer Haushalte freigegeben werden darf. Mehr zur Versorgungsstruktur lesen Sie im Artikel Gasversorgung.

Aktuelle Gaspreise auf dem Markt

Die Wholesale-Preise haben sich nach den Krisenjahren 2022/23 deutlich beruhigt. Der österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) der Österreichischen Energieagentur lag im Mai 2026 bei rund 46 €/MWh auf Großhandelsebene. Auf der Endkundenseite ergibt das folgende Bandbreite, gefolgt von einer Aufschlüsselung der Bestandteile.

Preisniveau Mai 2026

Alle Werte brutto, inklusive 20 % Umsatzsteuer, reiner Energiepreis ohne Netzentgelte:

Wechseltarif (Neukund:in)

8 – 12 ct/kWh

Reiner Energiepreis · Mai 2026

Bestandstarif (alter Vertrag)

13 – 19 ct/kWh

Häufig noch Verträge aus 2022/23

Für einen gasbeheizten Durchschnittshaushalt (15.000 kWh Jahresverbrauch) bedeutet das eine Spannweite von rund 1.800 bis 2.000 €/Jahr Gesamtkosten — inklusive Netzentgelten und Abgaben. Wer seit 2022 nicht gewechselt hat, kann durch einen Tarifwechsel jährlich 300 bis 600 € einsparen.

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Ihre Gasrechnung besteht aus drei großen Blöcken — den Energiepreis können Sie über die Versorgerwahl beeinflussen, Netzentgelte und Steuern sind reguliert beziehungsweise gesetzlich fixiert.

  • ~50 %Energiepreis — Arbeitspreis (pro kWh) plus Grundpreis (€/Jahr). Frei wählbar über den Versorger; hier liegt das gesamte Sparpotenzial
  • ~25 %Netzentgelte — durch E-Control reguliert; abhängig vom Bundesland. Für 2026 um durchschnittlich +18,2 % gegenüber 2025 angehoben
  • ~25 %Steuern & Abgaben — Erdgasabgabe, gegebenenfalls Gebrauchsabgabe und 20 % Umsatzsteuer auf alle Komponenten
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Woher kommt Österreichs Gas heute?

Bis Mitte November 2024 deckte russisches Pipeline-Gas, transportiert durch die Ukraine, einen Großteil der österreichischen Importe ab. Innerhalb weniger Monate hat sich die Versorgungsstruktur grundlegend gewandelt:

Wendepunkte 2024/25

  • Nov 2024 OMV beendet den Liefervertrag mit Gazprom Export — nach einem Schiedsspruch des ICC-Tribunals über 230 Mio. €. Russland stoppt daraufhin die OMV-Lieferungen am 16. November.
  • Dez 2024 Österreich wechselt zu Lieferungen aus Deutschland (über LNG-Terminals an Nord- und Ostsee), Norwegen, Italien und den Niederlanden.
  • 1. Jan 2025 Das ukrainisch-russische Transitabkommen läuft aus. Damit endet auch der Transport russischen Pipeline-Gases nach Mittel- und Südosteuropa über die Ukraine endgültig.
  • Mai 2026 Die Versorgung erfolgt fast vollständig über die West-Route (WAG-Pipeline aus Deutschland) und Süd-Route (TAG-Pipeline aus Italien) — kein russisches Pipeline-Gas mehr.

Das ursprüngliche politische Ziel — Unabhängigkeit von russischem Gas bis 2027 — wurde damit zwei Jahre früher erreicht. Die Diversifizierung bringt jedoch höhere Beschaffungskosten mit sich: LNG-Importe über Häfen in Deutschland und den Niederlanden sind im Mittel teurer als die alten Pipeline-Mengen aus Russland, was sich auch auf die Großhandelspreise auswirkt.

Mehr Hintergrund zu Routen, Pipelines und Versorgungsketten finden Sie im Artikel Gasversorgung in Österreich.

Gasnetzbetreiber & Netzentgelte

Während Sie Ihren Versorger frei wählen können, ist der Netzbetreiber in Ihrer Region fix vorgegeben — er ist der Eigentümer der Leitungen, die Ihren Hausanschluss mit dem Hochdrucknetz verbinden. Der Netzbetreiber baut das Netz aus, wartet es, liest Ihren Gaszähler ab und stellt Versorgern die Netzentgelte in Rechnung.

Die wichtigsten Verteilernetzbetreiber je Bundesland sind unter anderem Wiener Netze, Netz NÖ, Netz Burgenland, Netz Oberösterreich, Energienetze Steiermark, KNG-Kärnten Netz, Salzburg Netz, Tigas Netz Tirol und Vorarlberger Energienetze.

Was zahlen Sie über die Netzentgelte?

Der Netzentgelt-Anteil deckt drei Posten ab und macht rund ein Viertel der Gesamtrechnung aus:

  • Netznutzungsentgelt — laufender Betrieb, Wartung und Ausbau der Leitungen
  • Netzverlustentgelt — Ausgleich für physikalische Druckverluste im Transport
  • Messentgelt — Ablesung und Bereitstellung Ihrer Verbrauchsdaten

Alle drei Positionen werden jährlich von der E-Control per Verordnung festgelegt. Für 2026 wurden sie im Schnitt um +18,2 % gegenüber 2025 angehoben. Details: Netzentgelte 2026.